Start-up Partyguerilla beliefert WG-Partys kostenlos mit Alkohol und Zigaretten

Marius Notter

Kein Geld, aber Lust auf Feiern? Das Start-up Partyguerilla beliefert WG-Partys mit Alkohol, Spirituosen und Zigaretten - kostenlos. Wie das Konzept funktioniert und was die jungen Unternehmer davon haben:



Studenten kennen das Problem: Der Geldbeutel ist leer, aber eine WG-Party steht an. Was also machen? Entweder bei Freunden durchschnorren, Geld leihen, selbst Bier brauen oder zu Hause bleiben. Das Münchner Start-up Partyguerilla hat aus genau diesem Problem ein Geschäftsmodell entwickelt - und beliefert Partys mit kostenlosem Alkohol und Zigaretten.


Der Ablauf:

1. Eine WG-Party mit mehr als 40 Gästen planen, denn das ist die Mindestanzahl an Leuten, die auf eine Party kommen muss, um von Partyguerilla Alkohol und Zigaretten zu erhalten.

2. Auf der Website der Partyguerilla ein Bewerbungsformular ausfüllen und einen Bewerbungstext schreiben. Damit versucht man zu überzeugen, dass die Party geil wird. Hier kommen besondere Ideen wie kreative Mottopartys oder Ausstattung mit Licht- oder Nebelmaschinen besonders gut an. Die Bewerbung muss bis spätestens 48 Stunden vor der Party bei Partyguerilla eingegangen sein.

4. Dieser Antrag kommt dann zu den Chefs ins Büro. Wenn ihnen das Bewerbungsschreiben gefällt, wählen sie einen “Student Brand Manager”. Dieser ist der Mann vor Ort, meist ein junger Angestellter, der den direkten Kontakt zwischen Partyguerilla, den Marken und dem Veranstalter der Party herstellt.

5. Die Leute laden den Student Brand Manager dann in ihre Facebook-Veranstaltung ein. So wird kontrolliert, ob denn wirklich die vom Veranstalter angegebene Anzahl an Gästen eingeladen wurde. Aus dieser Anzahl bestimmt sich auch die Menge an Alkohol, die zu einer Party geliefert wird.

6. Der Alkohol wird 24 Stunden vor der Party übergeben und kühl gelagert.

7. Ein Übergabeprotokoll wird unterschrieben. Damit verpflichtet sich der Veranstalter, den Alkohol nicht vor der Party zu trinken oder ihn zu verkaufen.

8. Party!

9. Nach der Party findet ein kurzes Abschlussgespräch mit dem Student Brand Manager statt.

Die Idee für die Partyguerilla stammt von Patrick Häfner und Maximilian Hauck, den beiden Geschäftsführern. Sie haben beide früher für Red Bull gearbeitet, wo es ein ähnliches Konzept gab. Die beiden Münchner haben das nun noch weiter entwickelt und sich Partner wie Campari und Heineken an Land gezogen.

In Freiburg ist Juri Szymczak der Student Brand Manager. Er erklärt, was Partyguerilla für einen Nutzen aus der kostenlosen Belieferung zieht: “Es geht natürlich um Produkt-Platzierung, denn diese Marken haben keine Chance auf WG-Partys zu kommen und Werbung zu machen.” Wird man in Freiburg von Partyguerilla beliefert, bekommt man Heineken-Bier, Desparados Fuego, Sky-Vodka, Tullamore Dew, American Honey, Red Bull in jeglicher Ausführung und Liqueur 43. Das Ziel ist klar: Diese Marken wollen mit der kostenlosen Lieferung Aufmerksamkeit generieren, die Leute sollen sich positiv an sie erinnern und möglichst bei der nächsten Party daran denken.

Um kostenlose Besäufnisse zu vermeiden, gibt es einen festen Pro-Kopf-Satz an Alkohol, der geliefert wird - 2,3 Bier pro Gast zum Beispiel. “Bei manchen Partys ist der Alkohol bereits nach zwei Stunden weg, bei anderen reicht er die ganze Nacht”, sagt Szymczak.

Auf der Party an sich stehen dann aber keine aufdringlichen Vertreter der Marken. Lediglich der Student Brand Manager ist vor Ort und macht ein paar Fotos um festzuhalten, dass die Produkte kühl gelagert, ausgegeben und konsumiert wurden. Diese Fotos sind anschließend in keiner Online-Foto-Galerie zu finden. “Das wird oft missverstanden”, sagt Szymczak, ”die Leute sind misstrauisch und denken, dass wir die Fotos veröffentlichen oder an Dritte weiter geben. Das ist aber nicht der Fall.”

In Freiburg wurden seit Oktober 2013 schon 13 Partys von Partyguerilla beliefert. “Wir hoffen, dass das jetzt dann richtig anläuft”, so Szymczak. “In München gehen täglich vier bis fünf Bewerbungen ein.”

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[Foto: Michael Bamberger]