Start des Sommersemesters: Der eine kommt, die andere geht

Martin Küper

Ein letztes ruhiges Wochenende, dann füllen sich die Flure der Uni wieder mit Heerscharen Studierender: Am Montag beginnt das Sommersemester 2012. Für manche der Start in einen neuen Lebensabschnitt, für andere schließen sich die Hörsäle bald für immer. Zum Start des Sommersemesters sprechen Erstsemester Derin Karayel und Elftsemester Katharina Meinck über ihre Erwartungen und Erfahrungen.





Derin Karayel, 19, 1. Semester

Abstand gewinnen. Auf eigenen Beinen stehen. Für den 19-jährigen Derin Karayel aus Ratingen bei Düsseldorf kein schlechter Grund, ausgerechnet im Südwestzipfel der Republik ins Studentenleben zu starten. Aber nicht der einzige.

"Die Uni in Freiburg hat mich schon rein äußerlich ziemlich beeindruckt", erzählt der angehende Lehramtsstudent, "ich hatte mir auch mehrere Unis in Nordrhein-Westfalen angeschaut, aber das sind alles so gesichtslose Neubauten dort. Und Latein soll man hier ja sehr gut studieren können." Der Neu-Freiburger ist noch keine Woche in der Stadt, aber die ersten Eindrücke stimmen ihn zuversichtlich: "An der Uni haben sie sich richtig Zeit für mich genommen, das hatte ich gar nicht erwartet. Überhaupt sind die Leute ziemlich freundlich gewesen, zum Beispiel bei der Wohnungssuche."

Für das entspannte WG-Leben ist also gesorgt und beim Ritt durch die Ersti-Veranstaltungen haben sich auch schon Mitstreiter für das kommende Semester gefunden. Aber den ganzen Sommer Vokabeln lernen, das hat Derin Karayel nicht vor: "Ich glaube, Latein wird ziemlich anspruchsvoll. Aber bis zum Wintersemester habe ich nur das eine Fach und das kriege ich schon hin."

Schließlich hat die neue Heimat noch mehr zu bieten, als Bibliotheken und Hörsäle: "Ich freu mich schon darauf, die Umgebung kennenzulernen, vor allem die Nähe zu Frankreich finde ich super." Mit Spannung hat der eingefleischte Fußballfan auch die zurückliegende Erfolgsserie des SC verfolgt: "Die Saison ist ja leider bald vorbei, aber vorher muss ich unbedingt noch ins Stadion." Viel fehlt schließlich nicht, dann kommt sein Lieblingsverein Bayern München auch in der kommenden Spielzeit wieder in den Breisgau: "Als gebürtiger Franke sollte ich das ja eigentlich nicht zu laut sagen."

Ein Ehrgeizling ist Derin Karayel nicht, nach dem Abi-Stress hat er sich erstmal eine Auszeit genommen und überlegt, was er mit sich anfangen will. "Dass ich Latein studieren will, weiß ich schon länger, das hat mir schon in der Schule immer Spaß gemacht. Nach einem Schuljahr in den USA drängte sich auch das zweite Studienfach auf: "Für die Anglistik habe ich mich aber zu spät angemeldet, damit fange ich erst im Wintersemester an."

Genug Zeit also, die neue Freiheit und die auszukosten: "Meine Eltern haben mir noch geholfen, ein paar sperrige Sachen in die Wohnung zu bringen, aber meine Unabhängigkeit ist mir wichtig." Jedes Wochenende nach Hause zu fahren, kommt daher nicht in Frage, "das könnte ich mir auch gar nicht leisten".

Als wäre ein Lateinstudium nicht Herausforderung genug, hat sich Derin Karayel noch ein anderes ehrgeiziges Ziel gesteckt: "Beim Abiball habe ich gemerkt, dass ich trotz Video-Tutorials bei Youtube doch nicht so gut tanzen kann wie gedacht. Darum habe ich mich erstmal für einen Tanzkurs angemeldet!"

Katharina Meinck, 26, 11. Semester


Nach sechs Jahren kennt man eine Stadt. Für Katharina Meinck war Freiburg der perfekte Studienort: gute Uni, viele Cafés, schönes Wetter. Aber es gab auch Schattenseiten. Nach ihren Prüfungen im kommenden Jahr will die 26-jährige die Schwarzwald-Idylle hinter sich lassen.

"Ich habe mir Freiburg ausgesucht, weil ich hier gut Islamwissenschaften und Philosophie studieren konnte", erzählt die Wiesbadenerin, "als Stadt hat es mir aber auch sofort gefallen." Katharina Meinck kannte niemanden, als sie 2006 in den Breisgau kam, aber Freiburg hat sie schnell absorbiert: "Schon auf der Kneipentour für die Erstis habe ich die ersten Freunde gefunden, und wenn man in der Stusi lebt, bleibt man sowieso nicht lange allein." Auch der Zusammenhalt mit den Kommilitonen ihres Orchideenfaches hat ihr das Ankommen leicht gemacht.

Aber die Wahlheimat hatte noch andere Vorteile: "Die Stadt ist so schön übersichtlich, alles ist mit dem Rad erreichbar, und verirrt habe ich mich auch nie, was mir sonst gerne mal passiert." Und natürlich die Atmosphäre: "Ich bin ein echter Café-Mensch, das war mir immer wichtig, dass es hier viele schöne Kneipen gibt." Entscheidend war aber die Partnerschaft mit Isfahan, schließlich ist Persisch ihr Studienschwerpunkt. Fast ein Jahr lang konnte sie dank der Kooperation mit der Uni Freiburg in der iranischen Theologen-Metropole studieren.

Trotz all der schönen Erinnerungen: Ein echtes Bobbele wird aus Katharina Meinck wohl nicht mehr. "Einerseits habe ich Freiburg als sehr offene Stadt erlebt, schon allein wegen der vielen Studenten aus aller Welt. Andererseits können die Badener auch sehr kleinkariert sein, zum Beispiel, wenn ich von meinem Studienfach Islamwissenschaften erzähle. Da bin ich schon oft auf Unverständnis gestoßen." Katharina Meinck glaubt, es könnte am Schwarzwald liegen: "Die Berge rundherum engen ja buchstäblich den Horizont ein." Zum Studieren würde sie jederzeit wiederkommen, aber für das Berufsleben zieht es sie in eine größere Stadt. So stehen zwischen ihr und der weiten Welt nur noch eine Magisterarbeit, ein paar mündliche Prüfungen und ein letzter Freiburger Sommer. Ihr Rat an alle Neuankömmlinge: "Rechtzeitig eine Wohnung suchen und die Eigenheiten der Badener mit Humor nehmen!"

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[Fotos: Thomas Kunz]