Nach Unwettern

Stadtverwaltung Freiburg ergänzt Sicherheitskonzept für Festivals

Joachim Röderer

Das Amt für öffentliche Ordnung in Freiburg hat bestehende Sicherheitskonzepte ergänzt, um auf Absagen und Unwetter vorbereitet zu sein. Die Veranstalter von ZMF und "Sea You" sehen sich organisatorisch gerüstet.

60 000 Fans freuten sich in Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen auf das "Southside-Festival", wo Bands wie Rammstein oder Deichkind auftreten sollten. Am ersten Abend der dreitägigen Veranstaltung fegte ein Gewitter über den Platz. Es gab 82 Verletzte, große Schäden an Aufbauten, Technik und auf dem Zeltplatz der Besucher. Das Festival wurde abgebrochen, der Platz geräumt. "Rock am Ring" in Mendig in der Osteifel ereilte Anfang Juni das gleiche Schicksal.


Bei der "Sea You" gab’s schon schlechtes Wetter

Die Frage "Was wäre, wenn" stellt sich auch für die kommenden Großveranstaltungen in Freiburg. 10 000 Fans der elektronischen Musik werden jeweils am Samstag und Sonntag, 16. und.17. Juli, am Tunisee erwartet. Das "Sea You"-Festival, früher "Sea of Love", hat schon Erfahrung mit schlechtem Wetter gemacht. Veranstalter Bela Gurath erinnert sich, dass einmal nach ausgiebigem Regen eine von drei Tanzflächen aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. "Wir haben in den vergangenen Jahren rund 180 000 Euro in den Platz investiert, damit dieser jederzeit für uns befahrbar ist und wir auch bei schlechten Witterungsbedingungen sauber produzieren können", sagt er.

Um ein Sicherheits- und Rettungskonzept kümmere sich ein erfahrener Veranstaltungsmeister, der andernorts schon einige Male Plätze evakuiert habe. Und Gurath hat sich abgesichert durch eine sogenannte Veranstalterausfallversicherung, die auch bei einem Abbruch durch Unwetter greife – und auch die Ticketkäufer entschädigen würde.

Der "Sea You"-Macher hofft natürlich, dass sein Event störungsfrei verläuft. "Aber es ist doch sehr ungewöhnlich, dass innerhalb von vier Wochen jetzt zwei große Festivals betroffen waren", sagt er. Er verweist auf die Statistik: Bei "Rock am Ring" beispielsweise habe es in 35 Jahren nur diesen einen Abbruch gegeben. Aber mit Unwettern müsse man bei Freiluftveranstaltungen immer rechnen. Die "Sea You" leistet sich am Festivalwochenende einen eigenen Meteorologen, der vor Ort die regionale Wetterlage beobachtet und warnen kann, falls Gefahr droht.

Die Zelte des ZMF haben Blitzschutz

Für das Zelt-Musik-Festival am Mundenhof läuft bereits der Aufbau. Am Mittwoch, 13. Juli, startet die Traditionsveranstaltung. "Mit Southside und Rock am Ring kann man das ZMF nicht vergleichen", sagt Geschäftsführer Marc Oßwald schon mit Blick auf die unterschiedlichen täglichen Zuschauerzahlen. Bei Gewitter können die Konzerte in den Zelten weiterlaufen, weil ein Blitzschutz installiert wurde. "Dass irgendwo mal ein Zirkuszelt weggeweht worden ist, davon habe ich noch nie gehört." Aber natürlich gibt es auch für das ZMF-Areal Notfall- und Evakuierungspläne, falls doch einmal abgebrochen werden müsste.

Sollte in Freiburg bei einer Veranstaltung "Gefahr in Verzug" sein, würden während eines laufenden Events die vor Ort befindlichen Sicherheitsbehörden über Abbruch oder Absage entscheiden – Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienst, Amt für öffentliche Ordnung. Sofern zeitlich möglich, werde man zuvor eine Lagebesprechung mit allen Beteiligten abhalten, teilte die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit. Unabhängig davon könne ein Veranstalter selbst den Event stoppen.

Das Amt für öffentliche Ordnung versichert, dass es der Sicherheit der Besucher "generell oberste Priorität" einräume, wenn Unterlagen geprüft und eine Veranstaltung genehmigt werden. Nach den aktuellen Ereignissen bei "Rock am Ring" und "Southside" würden die Sicherheitskonzepte nun noch einmal intensiv geprüft und "um die eine oder andere Auflage ergänzt". So sei beispielsweise während des Public Viewing auf dem Messegelände sichergestellt, dass im Falles eines Unwetters der Platz unverzüglich evakuiert werden könne, indem die Besucher in den Messehallen unterkommen.

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