Stadtbahntracker Freiburg: Wo Freiburgs Straßenbahnen fahren

Miriam Jaeneke

Patrick Brosi (25) fährt mit entweder mit Straßenbahn und Bus oder S-Bahn zur Fakultät. Und das jeden Tag, denn Auto oder Fahrrad hat er nicht. Jetzt hat er eine Webseite programmiert, die seine und alle weiteren Linien des öffentlichen Nahverkehrs in Freiburg auf einer Karte visualisiert.

Ein blaues Viereck mit einer „5“ darauf ruckelt auf gelbe, grüne, blaue Vierecke zu, die aus den anderen Himmelsrichtungen kommen. Treffpunkt ist ein großes weißes Viereck, wo alle kurz einen Stapel bilden: der Bertoldsbrunnen.


Seit kurzem kann man auf einer Webseite wahlweise auf einem Stadtplan oder einer Satellitenkarte von Freiburg alle Straßenbahnen der Freiburger Verkehrs-AG (VAG) verfolgen, ebenso Busse, Breisgau-S-Bahnen und die Regionalbahn in Richtung Neustadt. Durch einen Mausklick auf die Haltestellen erscheinen Anzeigetafeln, die denen an den tatsächlichen Stationen entsprechen und über die nächsten Bahnen informieren.

Anlass für den Freiburger Informatikstudenten Patrick Brosi (25), den Stadtbahntracker Freiburg zu programmieren, gab die Süddeutsche Zeitung (SZ). Sie ließ die Firma Open Data City aus Berlin den Zugmonitor entwickelt, eine Deutschlandkarte, auf der sämtliche Züge der Deutschen Bahn in Echtzeit angezeigt werden. Das Datenjournalismus-Angebot ist aktuell für den Grimme Online Award nominiert. „Das war sportlicher Ehrgeiz“, sagt Patrick. „Ich wollte mir beweisen, dass ich das auch kann.“

Die Macher der SZ hätten eine Entwicklungszeit von über einem halben Jahr angegeben. „Ich war der Meinung, dass das schneller gehen könnte, auch von Einzelpersonen.“ Auf zehn Tage schätzt er den Programmieraufwand, bis auf der Freiburg-Karte die Straßenbahnsymbole hin- und herwanderten. Allerdings hatte er da bereits im Rahmen einer Vorlesung das Werkzeug dafür entwickelt: eine Schnittstelle, mit der er nun maschinell die Fahrplandaten aus der VAG-Seite ausliest.

Der Unterschied zur SZ-Karte ist gleichzeitig die Schwäche seiner Webseite: Berücksichtigt die Süddeutsche auch Verspätungen („so pünktlich ist die Bahn“), fahren Patricks Bahnen nach den Soll-Fahrplanzeiten der VAG. Wartet die rote „1“ also auf der Karte schon bei der Brauerei Ganter, steht sie in Wirklichkeit vielleicht noch an der Maria-Hilf-Kirche.



„Natürlich wäre es schön, wenn die Verspätungen auch angezeigt würden. Das wäre auch problemlos möglich, wenn die VAG die Daten offenlegen würde“, sagt Patrick. Doch dazu müsste die VAG eine Schnittstelle bereitstellen, was sie laut Klaus Funke von der Verkehrsplanung „höhere fünfstellige Beträge“ kosten würde.

Nicht nur deshalb ist das Interesse gering: Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg plant derzeit ohnehin Echtzeit-Fahrplanauskünfte im Internet für alle Verkehrsbetriebe im Land. „Da würden wir uns nur hintendran hängen und unsere Daten liefern. Das wird irgendwann kommen“, sagt Funke. 

Bis es soweit ist, nutzt nicht nur Patrick selbst seine Anwendung - auch wenn sie nicht wirklich live ist. Norbert Ross-Meier (58) beispielsweise ist hier in Kur und hat die Seite schon von zu Hause aus ergoogelt. „Bei allem, was nicht in die Innenstadt geht, gucke ich drauf, dass ich die richtige Linie nehme. Das ist eine tolle Sache“, findet er.

Mehr dazu:

  [Bild 1: Thomas Kunz; Rest: Screenshots]