Denkmalschutz

Stadt vertagt Entscheidung über Graffiti-Haus in der Wiehre

Jelka Beule & Johannes Tran

Noch bleibt es bunt: Das Baurechtsamt der Stadt Freiburg hat die Entscheidung über das weitere Vorgehen im Streit um das Graffiti-Haus in der Wiehre vertagt. Erst in zwei Wochen soll entschieden werden.

Das Baurechtsamt hat seine Entscheidung über das weitere Vorgehen im Streit um das Graffiti-Haus in der Wiehre vertagt. Wie es weitergeht, soll voraussichtlich erst in der übernächsten Woche klar sein, sagte Holger Ratzel, der stellvertretende Amtsleiter.


Um das Haus an der Ecke Kirch- und Konradstraße gibt es seit Tagen Aufregung: Ein Wandgemälde des Graffiti-Künstlers Tom Brane soll übertüncht werden – aus Denkmalschutzgründen. Dagegen protestieren nicht nur Anwohner.

Eigentlich wollte das Baurechtsamt im Laufe der Woche klarstellen, ob übermalt werden muss oder nicht. Doch diese Entscheidung verzögert sich nun, "aus juristischen Gründen", so Ratzel. Die Hauseigentümerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte, dass ihr Anwalt Akteneinsicht beantragt habe. Bis jetzt liege ihr aber noch keine schriftliche Stellungnahme vom Baurechtsamt vor. Die sei nicht nötig, so Ratzel: "Eine Baueinstellung kann mündlich erfolgen."

Protestbanner am Baugerüst

Inzwischen hat eine von Anwohner Max Trommsdorff initiierte Unterschriftenaktion für Erhalt und Fertigstellung der Künstlerarbeiten rund 2500 Unterstützer gefunden. Vor dem Haus liegen Unterschriftenlisten aus, Anwohner haben Protestbanner am Baugerüst befestigt. An der Online-Petition "Buntes Freiburg - Graffiti-Kunst in der Wiehre soll bleiben!" haben knapp 1500 Menschen unterschrieben.



Um das Graffiti-Haus ging es auch in der jüngsten Sitzung des gemeinderätlichen Bauausschusses. Die Stadtverwaltung stellte den Stadträten den aktuellen Sachstand vor. Eine Diskussion wollte Baubürgermeister Martin Haag vermeiden, denn es sei egal, ob die Ausschussmitglieder "das Ganze gut oder schlecht finden". Ob die Graffiti bleiben dürften, sei allein Sache der Denkmalpflege und werde geprüft. Fragen durften die Stadträte jedoch stellen – und dabei war durchaus die ein oder andere Meinung herauszuhören. Es geschehe dem Denkmal doch nichts, was irreversibel sei, sagte Grünen-Stadtrat Helmut Thoma: "Ich verstehe die Aufregung nicht." Das Gebäude sei vorher sehr verwahrlost gewesen, sagte Lothar Schuchmann (Unabhängige Listen). Das sei offensichtlich kein Problem für den Denkmalschutz gewesen.

Eigentümer müssen denkmalgeschützte Gebäude erhalten

Das stimme so nicht, entgegnete Ratzel. Eigentümer hätten die Pflicht, geschützte Gebäude zu erhalten. Vom schlechten Zustand des Hauses sei den Behörden zuvor jedoch nichts bekannt gewesen. Aus Kapazitätsgründen könnten die Ämter nicht alle der rund 3500 denkmalgeschützten Objekte in Freiburg im Blick behalten. Karl-Heinz Krawczyk (Freiburg Lebenswert/Für Freiburg) fragte, ob es nicht möglich sei, die Graffiti als Ausnahme und für eine bestimmte Zeit – etwa für 20 Jahre – zuzulassen. Nein, sagte Ratzel. Das Denkmalrecht kenne keine Ausnahme. Außerdem bestehe dadurch die Gefahr, ein Exempel zu statuieren.

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