Stadt pleite: Trikotwerbung bei Mundenhof-Tieren

David Weigend

Dass es klamm aussieht beim Etat der Stadt, ist nichts Neues. Doch die Methoden, mit denen der Gemeinderat Geld reinholen will, werden immer abstruser. Jetzt sollen die Tiere vom Mundenhof Trikots bekommen. Der Trikot-Sponsor steht bereits fest: Die Breisgaumilch.



“Unsere Vorgängergeneration hat auf unsere Kosten Schulden gemacht, so dass wir die Aufgaben, die wir bewältigen müssen, nicht mehr bewältigen können”, so ließ sich ein bestens gelaunter Ulrich von Kirchbach auf der gestrigen Wahlkampfveranstaltung in einem Rieselfelder Senioren-Begegnungszentrum vernehmen. Soweit kennt man die ausgefuchste Rhetorik des Deggingers.




Doch dann kam eine Erklärung, die im Auditorium für Verwunderung sorgte: „Wir haben deshalb im Hauptausschuss vom Gemeinderat gestern beschlossen, dass die Tiere des Mundenhofs, die ja der Stadt gehören, dazu beitragen sollen, dass wieder ein wenig Geld reinkommt in die leere Haushaltskasse.“

Der Plan: Alle Tiere des Freiburger Mundenhofs (ausgenommen die Fische im Aquarium) sollen mit speziell zugeschnittenen Trikots ausgestattet werden (Kostenpunkt dieser Anfertigung etwa 50.000 €, dieser Betrag wird vom aktuellen Haushalt gedeckt). Die Trikots haben die Farben der Stadt Freiburg, also weiß mit roten Streifen. Der Rückenaufdruck der Jerseys hat pädagogischen Charakter: „Bleib Du Du!“. Die Kampagne gegen Alkohol findet gerade in Tieren leuchtende Vorbilder, da diese meist, so von Kirchbach süffisant auf den Punkt gebracht, keinen Alkohol tränken.



Beim Frontaufdruck der Trikots kommt dann der finanzielle Aspekt ins Spiel: Der neue Premium-Partner des Mundenhofs, die Breisgaumilch, übernimmt das Sponsoring für die feschen Leibchen. Sie lässt sich das pro Jahr 10.000 € kosten. „Der Breisgaumilch ist heuer mehr denn je ein Image-Face-Up zu empfehlen“, so von Kirchbach. Was lag da näher, als Kamerunschafe, Alpakas und Javaneraffen mit trendigen Breisgaumilch-V-Neck-Trikots auszustatten? „Nichts“, so Breisgaumilch-Geschäftsführer Karl Laible.

Allerdings waren schon die Anproben bei manchen Tieren mit einigen Problemen verbunden. Braunbär Amann zeriss das XXXL-Hemderl mit dem milchigen Aufdruck nach wenigen Minuten, den ungarischen Wollschweinen gefiel es, sich in ihrem neuen Outfit ausgiebig im Dreck zu suhlen, so dass die Premium-Partner-Aufschrift: „Breisgaumilch: Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ nur noch mit Mühe zu erkennen war. „Das geht natürlich nicht“, so Laible. „Wir bezahlen für unser Sponsoring und die Message muss einwandfrei rüberkommen.“



Indes plant der Freiburger Tierschutzverein eine Demo gegen die Geldbeschaffungsmaßnahme der Stadt: „Tiere zu verkleiden und somit Kohle zu scheffeln, das ist eine ganz perfide Nummer“, so ein Sprecher der Tierschützer. „Schauen Sie sich die Meerschweinchen an: Die Trikots sind viel zu groß!“

Mehr dazu:

Was: Demo gegen das Trikot-Sponsoring an Tieren des Freiburger Mundenhofs
Wann
: Heute, 1. April, 18 Uhr
Wo
: Rathausplatz Freiburg