Stadt Freiburg will Slacklining verbieten

Toni Klein

Slacklining, das Balancieren auf einem zwischen zwei Bäumen gespannten Seil, ist ein Freizeitvergnügen, das in Freiburg immer beliebter geworden ist. Damit soll Schluss sein. Zum Schutz der Bäume will die Stadt Slacklining verbieten.



Slackliner brauchen nicht viel, vielleicht ist der Freizeitspaß auch deshalb zum Sommertrend geworden: Man spannt eine fünf bis 25 Meter lange Slackline, dezent übersetzt ein "Schlabberband", zwischen zwei frei stehende Bäume und balanciert dann barfuß drüber, gern unter anerkennendem Nicken der Passanten. Fragt sich nur, wie lange das in Freiburg noch möglich ist.


Städte wie Köln und Stuttgart haben Slacklining zwischen Bäumen verboten. Freiburg wird wohl im kommenden Frühjahr folgen. Die Gründe liegen für Martin Leser vom Garten- und Tiefbauamt auf der Hand: "Eine straff gespannte Slackline entfaltet bis zu fünf Tonnen Zugkraft. Das machen Bäume mit dünner Borke nicht lange mit. Buche, Birke, Linde oder Ahorn – alle Laubhölzer, an denen die Leinen oft hängen, sind betroffen." Prominentestes Opfer sind zwei Japanischen Kirschbäume an der Sandfangbrücke. Sie wurden im Sommer täglich, teils bis in die Nacht, von Seiltänzern beehrt. Jetzt "machen sie den Schirm zu", wie ein Anwohner sagt.

Thomas Herdt ist öffentlich bestellter Baumsachverständiger mit Sitz in Offenburg und kennt sich aus: "Alle Gartenämter meckern wegen Slacklining." Es gebe zwei Arten von Schäden: "Das Hantieren mit Seil und Ratsche kann zu sichtbaren Scheuerstellen führen, durch die Pilze in den Baum eindringen." Wichtiger sei aber, was unter der Borke passiert, weil dort die Lebensader des Baumes liegt: das Kambium. "Durch Quetschungen können die Kambialzellen absterben. Wenn das gelegentlich geschieht, erholt sich der Baum. Dauerhaftes Slacklining führt dagegen zu irreparablen Schäden." Ein Slackliner kann die Folgen nicht sehen, sagt Herdt. "Und wenn die Blätter im August abfallen, ist es zu spät."

Das Körpergewicht der Slackliner spielt übrigens für die Schäden keine Rolle, sagt Martin Leser, die Leine steht im Mittelpunkt: "Mit einer Langhebelratsche lässt sich das Seil bis zur Zugbelastung eines Lastwagens spannen. Das ist so straff, darauf könnte man Geige spielen."

Schützen können Slackliner den Baum mit Kambium-Schonern, die zwischen Seil und Borke geklemmt werden. Auch ein zusammengerollter Teppich sei akzeptabel, Zeitung oder Schaumgummi reiche dagegen nicht. Kommunen, die Slacklininig weiter erlauben wollen, sollten den Sport auf Bäume mit einem Stammdurchmesser von 60 bis 80 Zentimetern begrenzen, schlägt Herdt vor.

Mit dem Slacklining zwischen Bäumen gehen die Kommunen unterschiedlich um. "Wir setzen auf Überzeugungsarbeit", sagt Bernd Wnuck, Pressesprecher der Stadt Karlsruhe: "Wenn unsere Mitarbeiter in den städtischen Grünanlagen Slackliner sehen, bitten wir sie, das Seil abzumontieren." Im Karlsruher Schlosspark, der zu den Liegenschaften des Landes zählt, ist der Spaß dagegen verboten. In Stuttgart darf die Slackline nur in zwei Grünanlagen gespannt werden. Köln fährt eine besonders harte Linie: "Spiele in den Grünanlagen, die die Anpflanzungen schädigen", sind verboten.

In Freiburg will das Gartenamt nun handeln, weil Bäume in den Szenetreffpunkten im See-, Eschholz- und Dietenbachpark erkennbar gelitten haben. Martin Leser kündigt für die kommende Saison ein zweigleisiges Vorgehen an. Von März an wird Slacklining zwischen Bäumen im Stadtgebiet verboten. Zugleich bemüht sich die Verwaltung um Alternativen, etwa tief im Boden verankerte Stahlrohre. Statiker messen bereits – mit ernüchterndem Resultat für eine klamme Kommune: Die Alternativen aus Stahl brauchen ein massives Betonfundament.

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[Foto: Dana Hoffmann]