Feinschliff

Stadt Freiburg will 700.000 Euro in den Umbau des Synagogenbrunnens investieren

Fabian Vögtle

Mit Umbauten will die Stadt Freiburg verhindern, dass der Brunnen als Planschbecken genutzt wird. Diese Maßnahmen sollen 700.000 Euro kosten. Im Mai stimmt der Gemeinderat über den Antrag ab.

Mit Umbauten und Zusatzinfos will das Rathaus auf dem Platz der Alten Synagoge für einen würdevollen Umgang mit dem Erinnerungsbrunnen sorgen. Eine digitale Informationsstele, ein Synagogenmodell, ein Zonierungsband mit Inschrift sowie Piktogramme sollen künftig verhindern, das der Brunnen weiterhin als Planschbecken genutzt wird. Die jüdischen Gemeinden begrüßen nicht jeden der Pläne. Am 7. Mai stimmt der Gemeinderat über den Antrag ab.


Am Osterwochenende war es soweit. Kinder spielten im nach der Winterpause wieder mit Wasser befüllten Synagogenbrunnen. Ein Bild, das aus den beiden vergangenen Sommern bekannt ist und das in Freiburg zu einer heftigen Debatte führte. Darf an dem Ort, der an die 1938 dort von den Nazis zerstörten Synagoge und die Opfer des NS-Regimes erinnert, geplanscht und gebadet werden? Nicht nur die jüdischen Gemeinden protestierten nach der Eröffnung des Platzes im August 2017 mit einer Menschenkette um den Wasserspiegel gegen dessen Missbrauch unter anderem als Planschbecken.



Die Stadtverwaltung reagierte prompt und installierte Informationsstelen, mit dem Hinweis, sich dort respektvoll zu verhalten. Doch das veränderte kaum etwas. Im vergangenen Sommer wurde der Brunnen erneut zum Wasserspielplatz, auch Erwachsene schritten hindurch. Die Stadt kam im Zuge des Dialogverfahrens mit den jüdischen Gemeinden zu dem Entschluss, dass die Stelen nicht ausreichen, um die Situation zu verbessern.

Im August 2018 folgten provisorische Hinweisschilder, der Gemeinderat beschloss, zudem eine digitale Informationsstele aufzustellen. Deren Installation wurde jedoch zurückgestellt, weil deutlich wurde, dass noch mehr Maßnahmen nötig sind. "Wir wollten das ins Gesamtkonzept einfließen lassen", sagt Ulrich von Kirchbach jetzt im BZ-Gespräch. Bisher gebe es auf dem Platz keine gelungene Abgrenzung, die deutlich mache, wo spielen und feiern und wo erinnern erwünscht sei, so der Kulturbürgermeister.

Zonierung, digitale Info-Stele und ein Bronzemodell

Das soll sich nun ändern. Neben Infos zum Charakter und zur Geschichte des Ortes sind Verhaltenshinweise mit am Brunnen angebrachten Piktogrammen und mehr Präsenz des Vollzugsdienstes vorgesehen. "Wir hoffen, dass die Maßnahmen greifen und das Baden ein Ende hat", sagt von Kirchbach.

Geplant ist neben der digitalen Informationsstele, die unter anderem die Namen der deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger, aber auch das heutige jüdische Leben in der Stadt zeigt, ein Bronzemodell der Alten Synagoge. Damit wolle man den Menschen, die auf den fast nur aus der Vogelperspektive als Synagogengrundriss erkennbaren Brunnen zulaufen eine weitere Orientierung geben, wo sie sich befinden.

Zentraler Bestandteil des Maßnahmekatalogs ist jedoch eine Zonierung. Dieses rechteckige und mit circa zwei Zentimeter Abstand um den Brunnen laufende und nachts beleuchtete Band soll bei den Platznutzern die Sensibilität für den Ort des Erinnerns erhöhen. Wie breit die künftige "Grenze" wird und wie sie exakt aussieht, sei noch nicht geklärt, sagt Martin Haag. Der Baubürgermeister weiß aber auch: "Das muss schon sichtbar sein." Fest steht hingegen, dass das auf die Granitplatten gesetzte Zonierungsband an der Oberfläche beschriftet wird. "Denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden – Jesaja 56,7". Dieses Zitat, das in ähnlicher Fassung am Eingang der Alten Synagoge stand, soll in acht Sprachen um das Band laufen.

Während die liberale Chawurah Gescher Gemeinde laut ihrer Vorsitzenden Cornelia Haberlandt-Krüger mit dem von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Satz sowie mit den anderen Maßnahmen zufrieden ist, lehnt die Israelitische Gemeinde dessen Anbringung ab. "Das ist völlig aus dem Kontext gegriffen", sagt Irina Katz auf BZ-Nachfrage. Einerseits sei der Ort viel zu profan und nicht zum Beten geeignet und das Zitat bereits an der neuen Synagoge angebracht, so die Vorsitzende. Zudem sei es unzulässig, dass auf den Zeilen des Propheten herumgetrampelt wird. Sie plädiert für die Idee des Landesrabbiners Moshe Flomenmann, das Band mit dem hebräischen Wort "Zachor", also "Erinnere dich" auf vielen Sprachen zu beschriften.

Insgesamt hätte sie sich ein deutlicheres Signal gewünscht. Katz forderte in der Vergangenheit die Ausstellung der Fundamentsteine der Alten Synagoge auf dem Platz und eine Trennwand aus Glas. Haberlandt-Krüger hält es weiterhin für zwingend notwendig, dass die Namen der ermordeten jüdischen Freiburger künftig auch sichtbar auf dem Platz zu lesen sind, etwa am Brunnenrand.

Die Maßnahmen sollen insgesamt rund 700 000 Euro kosten. Während die Piktogramme bald kommen, ist mit der digitalen Info-Stele und der Zonierung im Herbst zu rechnen. Das Modell kommt erst im Sommer 2020.