Prozess um mutmaßliche Gruppenvergewaltigung

Staatsanwaltschaft lässt Vergewaltigungsvorwurf gegen einen Angeklagten im Hans-Bunte-Fall fallen

Joachim Röderer

Gegen einen der elf Angeklagten im Hans-Bunte-Fall wird der Haftbefehl wohl aufgehoben: Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat gegen den 25-jährigen Syrer den Vorwurf der Vergewaltigung fallengelassen.

Einer der elf Angeklagten im Fall der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung beim Freiburger Hans-Bunte-Areal könnte schon in den nächsten Tagen auf freien Fuß kommen. Anwalt Robert Phleps hat beantragt, dass das Gericht den Haftbefehl gegen seinen Mandanten, einen 25-jährigen Syrer, aufhebt. Es gebe keinerlei Beweise für eine Mittäterschaft. Auch die Staatsanwaltschaft hat den Vorwurf der Vergewaltigung fallen gelassen und stimmt dem Antrag von Phlebs zu. Der Verteidiger kritisierte die Justiz, die den 25-Jährigen trotz dünner Beweislage in die U-Haft geschickt hatte.


Seit elf Monaten sitzt Kosay Al H. in Untersuchungshaft und wurde auch am Montagmorgen aus dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim zum mittlerweile zwölften Verhandlungstag nach Freiburg zum Landgericht gefahren. Der Flüchtling galt bislang als möglicher Beteiligter an der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer damals 18 Jahre alten Frau in der Nacht zum 14. Oktober 2018 nahe dem Club Hans-Bunte-Areal in Freiburg. Kosay Al H. teilt sich mit neun weiteren Flüchtlingen und einem Deutschen den Platz auf der Anklagebank. Der 25-Jährige selbst hatte bei der Polizei und vor dem Haftrichter ausgesagt, dass er zwar in jener Nacht mit in dem Wäldchen nahe dem Eingang zur Disco war – aber dass er das Opfer nicht berührt habe.

"Es gibt von meinem Mandanten auch keine DNA-Spuren", sagte Anwalt Robert Phleps weiter. Belastet worden sei er lediglich durch eine widersprüchliche Aussage des Mitangeklagten Timo P., der sich aber auf Informationen vom Hörensagen berief. Kosay Al H. war davor als Straftäter auch noch nicht aufgefallen, in seinem Strafregister finden sich lediglich zwei Einträge wegen Schwarzfahrens.

Der Tatverdacht gegen seinen Mandanten habe sich nicht bestätigt, so Phleps. Er beantragte, dass der Haftbefehl gegen Kosay Al H. aufgehoben und das Verfahren von dem der übrigen zehn Angeklagten abgetrennt wird. Staatsanwalt Rainer Schmid hatte keine Einwände. Der Vorwurf an der Beteiligung des Angeklagten an der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung habe sich im bisherigen Verlauf der Verhandlung nicht belegen lassen, sagte der Staatsanwalt.

Wahrscheinlich sei aber weiter eine Verurteilung wegen unterlassener Hilfeleistung. Dies würde aber keine U-Haft mehr rechtfertigen. Das zu erwartende Strafmaß reiche von einer Geldstrafe bis zu einer Haftstrafe von einem Jahr. "Damit ist das Höchstmaß bereits durch die Untersuchungshaft erreicht", sagt Anwalt Phleps.

Es sei bereits geklärt, dass der 25-Jährige wieder in seine Unterkunft im Raum Freiburg zurückkehren könne. Richter Stefan Bürgelin kündigte zum Ende des Prozesstages am Montag an, dass die Strafkammer in den nächsten Tagen über den Antrag des Anwalts entscheiden werde: "Natürlich ist es eilbedürftig", so Bürgelin.

Auch für zwei weitere Angeklagte gibt es Anträge auf Aufhebung der Haftbefehle

In einer morgendlichen Verhandlungspause hatte Anwalt Phlebs gegenüber den Medien die Justiz kritisiert: "Mich wundert, dass das Oberlandesgericht bei der Haftprüfung nach sechs Monaten bei dieser dünnen Beweislage den Haftbefehl aufrecht erhalten hat. Das lag wohl auch am öffentlichen Druck." Anträge für die Aufhebung von Haftbefehlen könnte es an den kommenden Prozesstagen noch für zwei weitere Beschuldigte geben. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.