Freiburg / Endingen

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage im Fall Carolin G.

Stefan Hupka & aktualisiert um 11.10 Uhr

Auch das zweite schwere Sexualverbrechen der Region wird voraussichtlich noch in diesem Jahr vor Gericht kommen. Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat Anklage im Fall Carolin G. erhoben – wegen Mordes.

Wie die Badische Zeitung erfuhr, beschuldigen die Ermittler den dringend Tatverdächtigen, einen 40 Jahre alten Fernfahrer aus Rumänien, der seit Juni in Untersuchungshaft sitzt, am 6. November vorigen Jahres die 27 Jahre alte Carolin G. beim Joggen in der Nähe ihres Wohnorts Endingen am Kaiserstuhl überfallen, vergewaltigt und getötet zu haben.


Drei Mordmerkmale

Die Anklage, die dem Verteidiger zugestellt worden ist, lautet auf Mord und besonders schwere Vergewaltigung. Die Staatsanwälte halten drei Mordmerkmale für gegeben: Der Mann habe die Tat heimtückisch begangen, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs und zur Verdeckung einer Straftat. Solche Merkmale, wenn sie nachgewiesen werden, machen aus einem Totschlag einen Mord.



Verbindungen zum Fall Lucile K.

Auf die Spur gekommen war die Sonderkommission "Erle" dem Mann durch ein ähnliches anderes Tötungsdelikt, das im österreichischen Kufstein nahe der deutschen Grenze begangen wurde. Dort war im Januar 2014 die französische Studentin Lucile K. (20) vergewaltigt und umgebracht worden. Die an beiden Opfern sichergestellten DNA-Spuren wiesen Übereinstimmungen auf, das Tatwerkzeug von Kufstein, eine zwei Kilo schwere Eisenstange, ließ auf einen Täter schließen, der etwas mit Lastwagen zu tun hat. Die Ermittler suchten dann gezielt in der Fernfahrerbranche nach dem Täter.

Verdächtigter streitet Tat ab

Der 40-jährige beschuldigte Catalin C., ein Familienvater, dessen Frau und Kinder in Rumänien leben, der aber auch einen Wohnsitz in Deutschland haben soll, habe beide Taten bisher pauschal bestritten, erfuhr die Badische Zeitung.

Die Tat von Kufstein spielt nach Auskunft der Freiburger Staatsanwaltschaft zwar eine wichtige Rolle in der Beweisaufnahme des anstehenden Freiburger Mordprozesses, sie kann aber mangels Zuständigkeit der deutschen Justiz in Freiburg nicht einfach mitverhandelt werden. Das müsste gesondert in Österreich passieren. Das Freiburger Landgericht muss nun die Anklageschrift prüfen, bevor es über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheidet.

Justizkreise gehen davon aus, dass dies so kommt und der Prozess dann noch in diesem Jahr im Landgericht aufgerufen wird. Dort läuft bereits seit dem 5. September der Sexualmordprozess gegen Hussein K., der angeklagt ist, am 16. Oktober die 19 Jahre alte Studentin Maria L. vergewaltigt und ermordet zu haben. Die zeitliche und räumliche Nähe der beiden Verbrechen und die Art der Tatbegehung hatten in der Region zunächst vermuten lassen, dass es sich um den selben Täter handelt.

Die Taten hatten vor allem in der regionalen Öffentlichkeit, aber auch weit darüber hinaus, für Bestürzung und Verunsicherung gesorgt, was die ermittelnden Sonderkommissionen unter erheblichen Zeit- und Erfolgsdruck setzte. Insgesamt waren hunderte von Beamten an der Fahndung beteiligt. Eine erhebliche Rolle bei der Aufklärung spielten in beiden Fällen DNA-Spuren.

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