St. Luitgard: Studentinnen müssen am 1. April raus

Claudia Kornmeier

Diese Plakate hängen derzeit in der Innenstadt: Die Frauen sind Bewohnerinnen des Studentinnenwohnheims St. Luitgard in der Wiehre. Ende März laufen die Mietverträge der Studentinnen aus. Sie fordern, dass das Wohnheim zwei weitere Jahre bestehen bleibt. Eine Besetzung ist indes unwahrscheinlich.



Die Eigentümerin, die Baugenossenschaft Familienheim, plant, das Gebäude abzureißen und neuen Wohnraum für ihre Mitglieder zu schaffen. Dagegen wehren sich die Studentinnen. Heute gab ein Kreis von hundert Personen seine Unterstützung bekannt.


Zum Unterstützerkreis gehören die OB Kandidaten Kirchbach und Rausch sowie Politiker von SPD, unabhängiger und Linker Liste, Grünen und Grünen Alternative – darunter einige Stadträte. Weitere Unterstützer sind Frauen Step, die Hochschulgemeinden, Dozenten der PH und der EFH. Ihre Forderung: ein Moratorium und eine Bestandsgarantie für das Wohnheim von mindestens zwei Jahren.

Der Kreis war klein, der sich zur Bekanntgabe der Forderung in der Bibliothek des Wohnheims zusammenfand. Es kamen der Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde Michael Philippi, die Architektin und Vertreterin von Frauen Step Gabi Dierdorf, die Architektin Renate Bert, ein Nachbar und fünf der Studentinnen.



Der Unterstützerkreis will erreichen, dass sich alle Beteiligten an einem Runden Tisch zusammenfinden, um eine friedliche Lösung zu finden. Ein Ziel, das die Studentinnen seit etwa einem Jahr erfolglos mit ihrer Initiative LaLeLu – Lang lebe Luitgard verfolgen.

Im Oktober 2009 haben die Studentinnen dem OB Dieter Salomon eine Liste mit über 2.200 Unterschriften überreicht. Sie haben Kontakt zum Vorstand der Familienheim aufgenommen. Die Evangelische Studentengemeinde hat ihren Semesterabschlussgottesdienst in der Kapelle des Wohnheims gehalten. Die unabhängige Liste hat in der Aula eine öffentliche Fraktionssitzung abgehalten und der OB Kandidat Günter Rausch hat dort einen politischen Aschermittwoch veranstaltet.

Die Architektin Gabi Dierdorf von Frauen Step hat mit Kollegen ein Gutachten über die Sanierungsfähigkeit des Gebäudes erstellt. Ihr Fazit: „Das Gebäude ist in einem sehr, sehr guten Zustand.“ Lediglich eine energetische Sanierung sei nötig und für etwa 500.000 Euro machbar.



Geändert hat sich an der Sachlage dennoch nichts. „Die Familienheim stimmt einem Runden Tisch nicht zu und das Studentenwerk möchte, dass wir alle bis zum 31. März mittags raus sind“, sagt Johanna Weber (Foto links). Von ursprünglich hundert wohnen derzeit nur noch etwa zwanzig Studentinnen in dem Wohnheim. Für den Abend ihres letzten Tags, dem 31. März, ist eine Abschiedsparty geplant. „Das wird keine Abrissparty“, sagt Anna Hartmann (rechts). „Aber wir werden unseren Protest bis dahin aufrecht erhalten.“

Mehr dazu: