St. Luitgard: Sicherheitsfirma sollte Besetzung verhindern

Dominik Schmidt

Das Studentinnenwohnheim St. Luitgard in der Wiehre wird ab Donnerstag leerstehen. Die Studentinnen müssen raus und das Gebäude soll abgerissen werden. Aus Angst vor Besetzern bei der Abschiedsparty engagierte das Studentenwerk eine Sicherheitsfirma, die mit Wachhund und Überwachungskameras die Besetzung verhindern sollte.



„Wir haben uns mehr als brav und vernünftig verhalten“, versichert Veronika Steidl, die bis vor kurzem noch ein Zimmer im Studentinnenwohnheim St. Luitgard in der Wiehre bewohnte. Noch läuft allerdings ihr Mietvertrag bis Ende des Monats. Noch zahlt Sie auch Miete.


Es geht um vergangenes Wochenende, als die Bewohner eine Abschiedsfeier veranstalteten, bevor ihr Mietverhältnis am 31. März ausläuft und das Gebäude abgerissen wird. „Wir befinden uns in einer Art Zwangsbesetzung“, beschreibt Steidl die aktuelle Situation.

Etwa zehn Wachleute mit Hund einer privaten Sicherheitsfirma kontrollierten das Gebäude übers Wochenende. Überwachungskameras wurden am Vorder- und Hintereingang installiert, Balkone, Fenster und Notausgang mit Brettern zugenagelt. Die 30 noch verbliebenen Bewohner werfen dem Vermieter, also dem Studentenwerk Freiburg, Schikane vor und luden heute Mittag zu einer Pressekonferenz ein.

"Hier in diesem Zimmer haben sich die Wachleute zurückgezogen“, bemerkt Steidl, als sie die Medienvertreter zum improvisierten Konferenzraum führt. Das Zimmer ist verschlossen, die meisten Spuren der Maßnahmen vom Wochenende verwischt. „Die müssen mitbekommen haben, dass hier Fernsehen und so kommt.“ Von den Brettern vor den Fenstern sind nur noch die Nägel zu sehen, Wachfirma und Kameras sind verschwunden.



Die Initiative „Lang Lebe Luitgard (lalelu)“, bestehend aus Bewohnerinnen des St. Luitgard und Unterstützern, setzen sich seit einem Jahr für den Erhalt des Wohnheims ein. Günstiger Wohnraum für 99 Studentinnen bietet das Haus. Das Studentenwerk Freiburg verwaltet das Gebäude und vermittelt die Plätze. Besitzer ist allerdings die Freiburger „Familienheim Baugenossenschaft e.G.“. Diese möchte das Grundstück in schöner Lage nun für den Bau eines modernen Apartmenthauses nutzen (fudder berichtete).

Die Versuche des Studentenwerks, das Wohnheim zu kaufen oder länger betreiben zu können, scheiterten. Die Familienheim e.G. setzte ihr Recht durch und nimmt das Studentenwerk nun in die vertragliche Pflicht, das Gebäude pünktlich zu übergeben. Der Druck und die Angst des Studentenwerks muss groß gewesen sein. Man beriet sich mit der Polizei und befürchtete eine Hausbesetzung. Um dieser vorzubeugen, beauftragte das Studentenwerk eine private Sicherheitsfirma, die den Zugang zum Gebäude während des Wochenendes kontrollieren sollte.

„Wir wollten die Party nicht verhindern, sondern haben dafür auch ein Zelt im Garten aufgebaut. Wir wollten verhindern, dass eine Besetzung stattfindet und auch die Sicherheit der Bewohnerinnen garantieren. Das war der Grund für den Wachdienst“, sagt Renate Heyberger, Pressesprecherin des Studentenwerks Freiburg, gegenüber fudder.



Auch sei das Installieren mehrerer Überwachungskameras nicht vom Studentenwerk explizit angeordnet worden, sondern nach eigenem Ermessen der Sicherheitsfirma geschehen. Aufgezeichnet wurde dabei nichts, es ging nur um die Überwachung der Eingänge, so Heyberger.

Eine Besetzung habe man nie angestrebt, „uns ging es einfach darum, sich von dem Haus zu verabschieden, bevor wir alle am Mittwoch ausziehen“, sagt Steidl. „Bei der Feier hatten wir allerdings alle ein beklemmendes Gefühl. Mit verbarrikadierten Fenstern und einem Überwachungsraum mit einer ganzen Palette an Monitoren.“ Selbst die Notausgänge wurden verriegelt. Laut den Bewohnerinnen wurden diese erst um 19 Uhr am Samstag, also kurz vor Partybeginn, geöffnet.

Heyberger gibt gegenüber fudder an, dass nur der Notausgang im unbewohnten linken Flügel des Hauses versperrt wurde. Zu den Listen mit Namen und Fotos der Bewohner, die die Sicherheitsfirma zur Eingangskontrolle verwendete, könne man beim Studentenwerk nichts sagen. Bewohnerin Steidl vermutet, dass dem Sicherheitsunternehmen Fotos der Bewohnerinnen ohne deren Einwilligung zur Verfügung gestellt wurden.



Währenddessen hält sich der Besitzer, die Familienheim e.G., bedeckt. Dort pocht man auf das vertragliche Recht und nimmt das Studentenwerk in die Pflicht. Einen runden Tisch mit den Bewohnerinnen hat es nie gegeben. Nach Aussage der lalelu-Initiative wurde das immer abgelehnt. Den Bewohnerinnen bleibt nur noch die Suche nach einer neuen Bleibe. Dazu bot das Studentenwerk alternative Plätze an. Etwas Vergleichbares in Freiburg für 180 bis 220 Euro zu finden, dürfte allerdings schwer werden.