Spülen und spülen lassen

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was wir dem Londoner Uhrmacher Alexander Cummings verdanken? Er ließ sich 1775 eine Erfindung patentieren, die zwar schon 200 Jahre vorher gemacht wurde, aber trotzdem als Meilenstein der Hygiene zu feiern ist: Die Toilette mit Wasserspülung, kurz WC.

Schon unter der Regierung von Queen Elisabeth I. erfand Sir John Harington speziell für seine Monarchin eine Notdurftanstalt, die mit einer einfachen Mechanik die königlichen Exkremente nach deren Abgang mit Wasser hinfortspülte. Die Queen war durchaus amused über diese Vorrichtung, doch sämtliche Landsleute hielten das eher für einen Scherz und bevorzugten weiterhin ihre Sickergruben, Latrinen und Erker zur Entsorgung ihrer Ausscheidungen. So geriet die geniale Erfindung in Vergessenheit.


Erst Alexander Cummings verschaffte dem WC den endgültigen Durchbruch. Wieder war eine legendäre englische Königin die erste begeisterte Nutzerin, diesmal Queen Victoria, wenn auch erst deutlich nach der Erfindung. Zusätzlich zu der Spülung erfand Cummings allerdings das Knie, das wir heut an jedem Klo kennen: Dort bleibt nach jeder Spülung ein bisschen Wasser stehen, das verhindert, dass die unangenehmen Gerüche aus dem Sammelbehälter oder dem Abflusssystem wieder in den Raum der Exkrementierung zurückkehren.

Bis sich diese Idee auch bis nach Deutschland durchsetzte, brauchte es diverse Reisen von Victoria, für die 1860 eigens ein WC in einem Schloss in Coburg eingebaut wurde. Inzwischen haben sich die Spültoiletten weiter diversifiziert: Es gibt Tiefspüler, wo das Vollbrachte direkt ins Wasser platscht, und Flachspüler, bei denen der Stuhl noch als beobachtbarer Haufen liegen bleibt.

Internisten, Proktologen und Mikrobiologen empfehlen übrigens, beim Bau eines Hauses mindestens einen Flachspüler einzubauen: Aus diesem ist das bestimmt bei jedem einmal nötige Entnehmen einer Stuhlprobe deutlich einfacher.