Sprechen wir wirklich so?

Hanna & Nicky

"Hey Digger, stratzen wir mal wieder in den Fummelbunker, die mein Nebenchecker so porno findet??" "Auf jeden, ich greif gleich zur Kommunikationskeule und ruf'n paar leckere Checkerbräute an." "Hau rein!" Sprechen wir wirklich so?



Im "Wörterbuch der Jugendsprache 2006" (Pons) jedenfalls findet man alphabetisch aufgeführt die verschiedensten Begriffe des angeblichen Jugendjargons, eingeschickt von Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland. Die nach ihrer Häufigkeit ausgewählten Ausdrücke werden sowohl in offizielles Deutsch (z.B. ”aufbitchen? = sich zurechtmachen) als auch in englische (”to get dolled up”), amerikanische (”to get buffed up”), französische (”se maquiller à la truelle?) und spanische (”darse unos brochazos?) Jugendsprache übersetzt. Zur Veranschaulichung des Gebrauchs dieser Modewörter werden Beispielsätze verwendet.


Bereits nach kurzem Überfliegen des Buchs fällt auf, dass Körper und Sexualität (”Clearasil-Testgelände? = Gesicht mit vielen Pickeln; ”Schnellficktreff" = Diskothek) die dominierenden Themen sind, die uns Jugendliche zu beschäftigen scheinen. Viele Ausdrücke sind zudem oberflächlich, unappetitlich, vulgär (”Entsafter? = Freundin/Sexualpartnerin) und abwertend. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass es sich hierbei eher um eine Sprache handelt, die von Jungs verwendet wird, da sehr viele frauenfeindliche Begriffe wie beispielsweise ”Rotzschleuder? (= Mädchen, das viel weint) zu finden sind.

Doch darauf wird bereits im Vorwort hingewiesen - die Pons-Redaktion ist sich durchaus bewusst, dass die meisten Wörter einen ”abwertenden Beiklang? haben, sehr schnelllebig sind und nur von den wenigsten Jugendlichen im täglichen Sprachgebrauch wirklich eingesetzt werden. Dies ist wahrscheinlich auch der wichtigste Kritikpunkt an der Broschüre - wer spricht ernsthaft von einem "Gedankenmanifestator", wenn eigentlich ein Stift gemeint ist? Hinzu kommt, dass einige Ausdrücke schlichtweg falsch übersetzt sind. So wird zum Beispiel eine sehr intelligente Frau als ”Checkerbraut" betitelt und ein ”Chabo" mit einem ”gutaussehenden Mann? verglichen. Tatsächlich sind diese Begriffe deutlich negativer besetzt.

Trotz allem stößt man auf viele lustige Bezeichnungen für ganz alltägliche Dinge, die sich oft auf aktuelle Werbekampagnen oder Ereignisse beziehen (”Ikeakind" = Schwede; ”Red-Nose-Time" = Schnupfen). Viele Begriffe stammen aus ganz bestimmten Szenen (zum Beispiel dem Gangster-Rap) - in welchen Szenen diese Begriffe ihren Ursprung haben, erfährt der Leser leider nicht. Somit sind sie nicht auf die Bandbreite aller deutschen Jugendlichen zu übertragen. Oftmals hat jeder Freundeskreis, jede Klasse oder jede Gruppierung ihre eigenen Modewörter, die zufällig entstanden sind und unbewusst in den täglichen Sprachgebrauch miteinfließen.

Wenn man also amüsante Stunden verbringen will ohne sich zu erhoffen, danach die "wahre Jugendsprache 2006" zu beherrschen, ist das Wörterbuch genau das Richtige.

Übrigens: In "normalem" Jugendslang würde der kurze Dialog wohl so aussehen:

"Hey, lass uns ma wieder in die Disco gehn, die mein Kumpel so cool findet!"
"Ja klar, ich ruf gleich noch'n paar Freundinnen an" "Okay, bis dann!?"

Die 10 gebräuchlichsten Begriffe

  • Auf jeden [unbedingt]
  • Bong [Wasserpfeife]
  • dissen [sich abfällig äußern über]
  • voll nich [auf gar keinen Fall]
  • saugen [downloaden]
  • poppen [Geschlechtsverkehr haben]
  • flachen [begeistern]
  • peilen [etwas verstehen]
  • breit [berauscht]
  • aufpimpen [aufmotzen, übertrieben aufstylen]

Die 10 lustigsten Begriffe

  • Biotonne [Vegetarier/in]
  • Cellulitezentrum [Schwimmbad]
  • d-markig [veraltet]
  • horizontal benachteiligt [dick, fett]
  • Ikeakind [Schwede/in]
  • Red-Nose-Time [Schnupfen]
  • rolexen [angeben]
  • Münzmallorca [Solarium]
  • Schwitzrückenseminar [Sauna]
  • Studentengurke [Fahrrad]

Die 10 ungebräuchlichsten Begriffe

  • auf keinsten [auf keinen Fall]
  • Bühü [Büffelhüfte => sehr dicke Person]
  • Gedankenmanifestator [Stift]
  • Kommunikationskeule [Telefon]
  • Restaurant zur Goldenen Möwe [Mc Donald’s]
  • voll Sauerstoff [überdreht, verrückt]
  • stratzen [gehen]
  • Fressbrett [Zunge]
  • Brombeer-Bums [Geschlechtsverkehr mit einem unrasierten Partner]
  • buggi [egal]

Die 10 unappetitlichsten Begriffe

  • Arschkordel [String]
  • Entsafter [Freundin, Sexualpartnerin]
  • Fotzenstöpsel [Tampon]
  • Muschidübel [Tampon]
  • Muschitoaster [Sitzheizung]
  • Nougatfalte [Poritze]
  • Popelteppich [Taschentuch]
  • Rammelbeutel [Kondom]
  • Sprühwurst [Durchfall]
  • würsten [kacken]