Bei SC-Spiel

Sportschau lässt heimlich Frau im Bikini im Freiburger Strandbad filmen

Joshua Kocher

Sportschau-Kommentator Tom Bartels bestellte bei den Kameraleuten der DFL eine Filmsequenz aus dem Strandbad – und bekam einen Zoom auf eine Frau im Bikini. Sie wurde ohne ihr Wissen im Fernsehen gezeigt.

Eben zeigte die Sportschau noch SC-Stürmer Nils Petersen – und nun sekundenlang eine Frau im Bikini. Viereinhalb Millionen Menschen sehen dabei zu, wie sie ihre Sonnencreme einpackt. Aber davon ahnt die Besucherin nichts: Kameraleute haben beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg am vergangenen Samstag von der Osttribüne des Schwarzwaldstadions heimlich ins Strandbad gezoomt, aus mehr als hundert Metern. Alles, weil sich Sportschau-Kommentator Tom Bartels ein Bild gewünscht hat, das das Freiburger "Freibad-Wetter" zeigt.


Der Kommentator gab eine Sequenz aus dem Strandbad in Auftrag

Zuständig für die TV-Aufnahmen während der Bundesligaspiele ist Sportcast, ein Tochterunternehmen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), das die Filmsequenzen dann weiterverkauft. Den Bildregisseur von Sportcast habe Bartels vor der Begegnung um eine Aufnahme gebeten, die den Zusammenhang zwischen Sommer, Freibad und Fußball herstellt. "Ich habe ein Bild für die Halbzeit gebraucht", sagt Bartels der Badischen Zeitung am Montag. Dabei kam die Zoom-Aufnahme der Frau im Bikini heraus. Bartels sagt, er habe sie bei der Live-Vertonung zum ersten Mal gesehen. Auf die Bildauswahl habe er keinen Einfluss gehabt. Die Zusammenfassung für die Sportschau sei von zwei Studierenden geschnitten worden. Fest steht: Niemand hat die Frau im Bikini um Erlaubnis gefragt – das gibt Bartels zu. Die Aufnahme sei wegen des Freibads entstanden, nicht wegen der Frau. "Wir wollten niemanden vorführen."

"Ich habe ein Bild für die Halbzeit gebraucht"Tom Bartels
Ein Zuschauer aus Frankfurt hat sich indes bei der Sportschau-Redaktion beschwert. "Ich fand, das war ein absolutes No-Go", sagt er der BZ am Telefon. In einem Antwortschreiben an den Mann entschuldigte sich die Sportschau für die Bildauswahl. Man sei über diese nicht erfreut gewesen, heißt es darin. "Die Sequenzen mit der entspannten Freibadatmosphäre, Menschen (eine Frau), die sich sonnen und Sport machen (Beachvolleyball), wurden leider unnötigerweise zu dicht ausgewählt."

Bei Bundesligaspielen werden im TV ständig Menschen in Nahaufnahmen gezeigt. Die Vereine sichern sich über ihre Geschäftsbedingungen ab, so auch der Sportclub Freiburg. Wer ein Ticket für ein Spiel im Schwarzwaldstadion kauft, der stimmt den allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen zu, in denen steht, dass Dritte wie die Sportschau das Bild zeigen dürfen.

Die Sportschau hat wohl gegen das Kunsturhebergesetz verstoßen

Doch die Frau im Strandbad hat kein Ticket für das Schwarzwaldstadion, sondern eines für das Strandbad gekauft. Und dort sind Filmaufnahmen und Fotos laut Badeordnung ausdrücklich verboten. Auch, wenn die Aufnahmen, wie im Falle der Sportschau, von außerhalb des Strandbades gemacht werden, so René Derjung, Pressesprecher der Regio Bäder GmbH, die die städtischen Schwimmbäder betreibt.

Die Betroffene habe sich bislang nicht gemeldet, man habe erst durch den Frankfurter Fernsehzuschauer von dem Vorfall erfahren. Es sei das erste Mal gewesen, dass sich jemand über Filmaufnahmen aus dem Stadion beschwert hat, sagt Derjung.

Doch neben dem Verstoß gegen die Badeordnung macht die renommierte Hamburger Rechtsanwältin Nina Lüssmann bei dem Filmmaterial einen "klaren Verstoß" gegen das Kunsturhebergesetz aus. Dieses besagt, dass Aufnahmen bis auf besondere Ausnahmefälle nur mit Einwilligung der Abgebildeten veröffentlicht werden dürfen. Die Besucherin könnte deshalb einen Unterlassungsanspruch oder sogar eine Geldentschädigung geltend machen, so Lüssmann.

Zu sehen ist der Beitrag aus der Sportschau nachträglich nicht mehr. Die ARD stellt die Bundesliga-Zusammenfassungen grundsätzlich nicht ins Internet. Allerdings nur, weil ihr dafür die Rechte fehlen.