Sportrait (7): Youssef Fouhani, Enshin-Karate

Katharina Wenzelis

Im "Sportrait" stellen wir talentierte Nachwuchsathleten aus Freiburg und Umgebung vor. Youssef Fouhani kommt aus Merzhausen und ist seit 2004 erfolgreicher Enshin-Karate-Kämpfer. Bald will er in Denver seinen Weltmeistertitel verteidigen. Im Interview erklärt er, warum dieser Sport neben seiner Tochter sein wichtigster Lebensinhalt ist.



Youssef ist 27 Jahre alt. Sein Vater kommt aus dem Libanon und seine Mutter aus Deutschland. Er hat lange Zeit als Mechaniker im Familienbetrieb seines Vaters gearbeitet, wird aber voraussichtlich im Oktober eine Ausbildung als Physiotherapeut beginnen. Schon als kleiner Junge hat sich Youssef für Kampfsport interessiert und Filme mit Bruce Lee angesehen. Fasziniert hat ihn dabei schon immer die Akrobatik in bestimmten Kampfsportarten und die Kunst der Selbstverteidigung.


Aber erst vor sieben Jahren hat Youssef selber angefangen, Kampfsport zu betreiben. Sein Cousin hat ihn im Jahr 2002 das erste Mal zum Training in seinen jetzigen Verein Mu-Shin e.V. mitgenommen. Angefangen hat er damals mit Thaiboxen. Nach vier Monaten hat er sein Interesse für Enshin-Karate entdeckt. Diesem speziellen Karate-Stil ist er treu geblieben und hat bis heute erstaunlich viel erreicht:
  • 2004: Newcomer, Europameister
  • 2006: Europameister
  • 2007: Gewinner des Washington DC Cup, Europameister, Gewinner der Asia-Meisterschaft
  • 2008: Gewinner des Washington DC Cup, Gewinner eines Freundschaftsturniers in Warschau, Weltmeister in Denver
  • 2009: Auszeichnung mit einer Goldmedaille der Stadt Freiburg bei der Gala des Sports


Interview mit Youssef Fouhani



Youssef, wie würdest du dich in einem Satz beschreiben?

Das ist nicht so einfach. Ich bin auf jeden Fall sehr ehrgeizig, sonst wäre ich wohl nicht so weit gekommen. Außerdem suche ich die Herausforderung. Drei Dinge die mir sehr wichtig sind und die mich auch ausmachen sind Höflichkeit, Respekt und Disziplin.

Du machst Enshin-Karate. Was ist das genau?

Der Schöpfer der Kampfkunst Enshin-Karate ist Kanjo Joko Ninomiya. Bei Enshin-Karate handelt es sich um einen modernen Karate-Stil, bei dem es darum geht, die Kraft des Gegners zu nutzen. Hier wird auch viel mit Würfen gearbeitet, ähnlich wie beim Judo. Bei anderen Karate-Stilen ist es so, dass meist die größeren und stärkeren Kämpfer bevorteilt sind. Bei Enshin-Karate ist das nicht so. Es können auch Kleine gegen Große und Schwache gegen Starke gewinnen. Die Technik steht hier im Vordergrund.



Dein schönstes sportliches Erlebnis?

Das war mit Abstand die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Der Weltmeistertitel war das große Ziel von mir und dass es dann gleich beim ersten Mal geklappt hat, war für mich etwas ganz Besonderes.

Dein besonderes Talent? Deine Schwäche?

Ich habe ein sehr gutes Auge, das ist wohl mein größtes Talent, denn das ist beim Kämpfen sehr wichtig, damit man die Aktionen des Gegners voraussehen kann. Außerdem bin ich sehr schnell. Meine Schwächen kann mein Trainer wohl besser beurteilen als ich, aber ich bin nicht so kräftig wie andere. Doch das ist beim Enshin-Karate nicht ausschlaggebend.

Wie sieht dein Alltag aus?

Der Kampfsport nimmt die Hälfte meines Lebens ein. Ich trainiere täglich zwischen drei und vier Stunden. Direkt nach der Arbeit gehe ich zum Training und komme dann erst gegen 23 Uhr nach Hause. Da bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge.



Musst du vor Wettkämpfen abnehmen, wie beim Boxen?

Ich kämpfe im Leichtgewicht, das geht bis 70 Kilo. Ich wiege 69 Kilo, also habe ich ein wenig Spielraum. Allerdings esse ich für mein Leben gerne und muss schon etwas aufpassen.

Wie sieht dein Training aus?

Zu Beginn gehe ich mindestens eine Stunde laufen. Dann trainiere ich zirka zwei Stunden mit meinem Trainer und Lehrer Sensei Chandana Muthunayaka und am Ende kämpfen wir noch eine halbe Stunde. Beim Wettkampf dauert eine Runde zwei Minuten. Im Training kämpfen wir 30 bis 60 Sekunden.

Wie wichtig ist dir dein Sport?

Sehr wichtig. Ich kann mir ein Leben ohne meinen Sport nicht mehr vorstellen. Wenn ich mal ein paar Tage nicht trainieren kann, bin ich unruhig und unausgelastet. Der Verein ist wie eine zweite Familie für mich. Das wichtigste in meinem Leben ist aber meine siebenjährige Tochter Rahel, danach kommt der Sport.



Steht deine Familie hinter dir?

Als ich mit dem Kampfsport angefangen habe, war meine Familie, besonders mein Vater, etwas skeptisch, weil der Sport so viel Zeit kostet und ich damit aber kein Geld verdienen kann. Doch mittlerweile steht meine Familie voll hinter mir und unterstützt mich.

Stößt du manchmal auf negative Einstellungen gegenüber dem Kampfsport?

Manche Leute schreckt der Sport schon ab, im speziellen Mädchen. Viele denken dann gleich an Gefahr und Schlägerei. Wenn ich Menschen kennenlerne, erzähle ich nicht gleich, dass ich Kampfsport mache. Wenn ich ihnen später erkläre, was ich mache, dann erkennen die meisten schon, dass das nichts Schlechtes ist.

Was denken die Leute denn Schlechtes?

Viele Leute verstehen nicht, um was es geht und denken, wir schlagen uns nur. Es ist schwer, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Ich sage dann immer, dass es eine Kunst ist aus Technik und Bewegung und dass das nichts mit Aggressivität zu tun hat. Wenn man mit seinem Gegner in den Ring geht, dann kämpft man und danach nimmt man sich wieder in den Arm. Es gibt keine Feindseligkeiten, es ist einfach ein Sport.

Gibt es Neider?

Nein, gar nicht. Aber ich prahle auch nicht damit.



Warst du schon einmal ernsthaft verletzt?

Nein.

Kannst du vom Sport leben?

Von diesem Sport kann ich nicht leben. Man bekommt bei den Kämpfen kein Geld, auch nicht bei der Weltmeisterschaft.

Findest du das nicht ungerecht?

Nein. Bei Enshin-Karate geht es nicht ums Geld und das soll es auch nicht. Es geht um die Herausforderung und den Kampfgeist. Die Kampfkunst steht im Vordergrund und das ist auch gut so.

Trotzdem stellt der Sport für mich das Fundament für meine Zukunft dar. Mein Traum ist es, einmal meine eigene Kampfsport-Schule zu eröffnen und mit Kindern zu arbeiten. Ich möchte eine Ausbildung zum Physiotherapeuten machen und das dann miteinander verbinden.

Hast du manchmal Angst vor Kämpfen?

Angst nicht direkt, aber Respekt. Es ist wichtig, dass man mit Respekt in einen Kampf geht, sonst wird man unvorsichtig und das kann böse enden.

Was motiviert dich?

Meine größte Motivation ist meine Tochter Rahel. Ich möchte ein Vorbild für sie sein und ihr zeigen, dass alles möglich ist und man alles erreichen kann, was man sich vornimmt. Aber auch die Herausforderung zu zeigen, dass unser Kampfstil etwas Besonderes ist, motiviert mich.



Was sind deine Zukunftsträume?

Ich wünsche mir, dass ich den Platz in der Schule für Physiotherapie bekomme und dass ich das irgendwann mit meinem Sport verbinden und eine Kampfsportschule eröffnen kann. Mein nächstes sportliches Ziel ist es, meinen Weltmeistertitel am 18. April in Denver zu verteidigen.

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