Sportrait (6): Valeria Kleiner, Fußball

Kristina Bieda

In unserer fudder-Serie "Sportrait" stellen wir talentierte Nachwuchsathleten aus Freiburg und Umgebung vor. Valeria Kleiner kommt ursprünglich aus Lindau am Bodensee und ist Fußballerin. Sie spielt in der Frauenmannschaft vom SC Freiburg. Im vergangenen Mai wurde Valeria als Kapitänin der U-17 Frauennationalmannschaft Europameisterin.

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Mit sechs Jahren zum ersten Mal zum Training


Zum Fußball gekommen ist Valeria bereits als Sechsjährige durch ihren älteren Bruder Florian. Der hat sie damals vor elf Jahren mit zu seinem Fußballtraining beim TSV Oberreitnau mitgenommen. Und der Trainer hat sie dann ermuntert, doch auch einfach mit zu machen. So kam es, dass sie ab da zwei Mal die Woche mit den Jungs trainierte.

Seit knapp zwei Jahren spielt Valeria nun beim SC Freiburg und es gefällt ihr hier sehr gut. „Ich hab mich gleich wohlgefühlt, da es hier viele junge Leute gibt. Und im Team bin ich auch super aufgenommen worden. Das ist alles sehr familiär.“ Zickenkrieg bei so vielen Mädels auf einen Haufen gibt es nicht oft.

„Natürlich kommt es mal zu Streit, aber wir verstehen uns alle super, und wenn es Probleme gibt, wird einfach drüber gesprochen. Hinterher ist dann alles wieder okay.“ Nach Freiburg geholt hatte sie der damalige Trainer Dietmar Sehrig. „Das war sehr aufregend und ein schönes Gefühl, jetzt für einen Bundesliga-Verein spielen zu dürfen.“

Der Trainingsaufwand der Bundesliga-Frauen ist dabei ähnlich hoch wie der der Männer. Sechs Mal in der Woche muss Valeria zum etwa zweistündigen Training ins Schönbergstadion. Zusätzlich gibt es auch, wie in der Männer-Bundesliga, an jedem Wochenende ein Spiel. Die Linien- und Schiedsrichter bei den Frauen-Bundesliga-Spielen sind übrigens auch alle Frauen. Unterschiede bei der Anzahl der Fouls zwischen Männern und Frauen gibt es nicht wirklich. Aber Valeria findet, dass die Frauen schon fairer spielen: „Es gibt seltener gelbe Karten, auch wenn die Schiedsrichterinnen oft viel kleinlicher pfeifen, als ich es bei den Männerspielen sehe.“



Neben dem Training noch der Schulabschluss

Und wie klappt das alles mit der Schule? „Die Schule kommt bei dem vielen Training und den Spielen nicht zu kurz,“ sagt Valeria. „Zwei Mal in der Woche haben wir zwar morgens Training. Da kann ich erst zur vierten Stunde in die Schule. Aber den verpassten Stoff bekommen wir durch Nachhilfe einfach nachträglich beigebracht.“ Die Max-Weber Schule, eine Partnerschule des Olympiastützpunktes Freiburg-Schwarzwald, sorgt dafür, dass Valeria neben dem Fußball auch ihren Schulabschluss schafft. Was sie nach ihrem Abschluss machen will, weiß Valeria noch nicht so genau: „Vielleicht studieren.“

Das Wichtigste ist und bleibt das Fußballspielen. Da sie im März 18 wird, hofft sie, dass sie nach ihren Erfolgen mit der U-17 Nationalmannschaft es gleich in die U-19 Mannschaft schafft. „Schließlich sind die Erfahrungen, die ich in der Nationalmannschaft mache, auch wichtig für den Verein.“

Valerias großes Ziel ist es auf jeden Fall Profi-Fußballerin zu werden. „Das ist definitiv mein Traum: mein Hobby zum Beruf machen.“ Im Vergleich zu den männlichen Profis verdienen die Frauen in der Bundesliga deutlich weniger. In Deutschland gibt es vielleicht ein Hand voll Frauen, die nur vom Fußball leben können. Für alle anderen ist das Fußballspielen quasi ein Nebenjob.



Vorbild: Franz Beckenbauer

Valerias großes Vorbild ist Franz Beckenbauer: „Weil er im Spiel immer so eine Ruhe ausgestrahlt hat und über alles die Übersicht hatte.“ Sie hat ihn bei der erstmalig stattfindenden U-17 WM im vergangenen November in Neuseeland sogar persönlich kennen gelernt und findet ihn auch als Menschen sehr nett. Der Weltmeistertitel ging leider an Nordkorea und Deutschland wurde Dritte. „Das war schon ärgerlich, gegen die USA rauszufliegen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen,“ ist sich Valeria sicher.

Im Mai 2008, bei der Premiere der U-17 Europameisterschaft in der Schweiz, lief es dagegen viel besser. Denn da wurde Valeria mit der Nationalmannschaft Europameisterin. Beide Meisterschaften waren für Valeria etwas besonderes. „Die Atmosphäre in den Stadien war ganz anders als bei den Bundesligaspielen, schon allein dadurch, dass viel mehr Zuschauer da waren als normalerweise. Und als dann die Hymne gespielt wurde, war das schon ein starkes Gefühl.“ In der Regel kommen zu den Spielen in der Bundesliga etwa 600 - 700 Zuschauer, während es bei der EM und WM dann auch schon mal um die 15.000 Zuschauer waren.

Ihre größten Unterstützer sind ihre Eltern und Geschwister. „Sie kommen eigentlich zu jedem Heimspiel und waren jetzt auch schon ein paar Mal bei Auswärtsspielen mit dabei.“ Diese Spiele sind die seltene Gelegenheit, dass Valeria überhaupt ihre Familie sieht. Denn die wohnen immer noch am Bodensee, während Valeria im Sportinternat in Freiburg wohnt. „Klar fühlt man sich dann mal alleine und hat Heimweh. Besonders am Anfang war es schlimm. Aber man gewöhnt sich dran und wir telefonieren täglich.“



Heiß aufs Training

Zur Zeit ist Valeria leicht erkältet, weswegen sie sich beim Training schonen muss. „Das fällt mir schon schwer. Das schlimmste war, als ich einen Bänderriss im Sprunggelenk hatte. Denn da musste ich mehrere Monate aussetzen,“ sagt sie. Aber ein bisschen laufen will sie heute trotzdem. „Bewegung muss für mich einfach sein und ich bin auch schon wieder heiß darauf, dass ich endlich wieder richtig trainieren kann,“ strahlt sie.

Mehr dazu:

Web: SC Freiburg Frauen 
Was: SC Freiburg - SG Essen-Schönebeck
Wann: 1. März 2009, 14 Uhr
Wo: Möslestadion, Freiburg
fudder.de Sportrait: