Sportrait (13): Laura Benkarth, Fußball

Anna-Lena Zehendner

Im Sportrait stellen wir talentierte Nachwuchssportler aus Freiburg und Umgebung vor. Laura Benkarth ist 17 Jahre alt. Am 1. August holte sie mit den Frauen der U20-Nationalmannschaft den WM-Titel. Im fudder-Interview erzählt die Torhüterin des SC Freiburg unter anderem, wie sie Fußball und Schule unter einen Hut bekommt.


[Foto: Albert Benkarth]

 

Zur Person

Laura Benkarth hat im Alter von fünf Jahren mit dem Fußballtraining angefangen. Damals noch in ihrem Heimatverein SV Biengen. Von 1997 bis 2005 hat sie dort als einziges Mädchen im Verein gespielt. Seit 2008 ist die zierliche 17-Jährige bei der Frauenmannschaft des Sportclub Freiburgund lebt hier im Sportinternat. Mit der U20-Nationalmannschaft gewann Laura bei der Weltmeisterschaft am 1. August dieses Jahres 2:0 im Finale gegen Nigeria und sicherte so den WM-Titel im eigenen Land.

Laura, hat sich seit dem WM-Erfolg etwas in deinem Leben verändert?

Nein, alles ist wie vorher. Klar, man gibt ein paar Interviews mehr als sonst, aber abgesehen davon ist bei mir alles beim Alten geblieben. Ich werde auch nicht auf der Straße angesprochen, wie es vielleicht meiner Kollegin Alexandra Popp passiert. Immerhin wurde sie mit dem Goldenen Ball und dem Goldenen Schuh bei der WM gleich doppelt ausgezeichnet. Ich finde es nicht schlimm, dass man mich auf der Straße nicht erkennt, da es sicherlich schnell anstrengend werden kann.

Wie sieht dein Training aus?

Die Bundesliga-Saison hat gerade begonnen. Wir trainieren daher täglich mehrere Stunden. Einmal in der Woche haben wir ein Spiel.



Hast du als kleines Mädchen auch mit Puppen gespielt?

Nicht wirklich. Ich habe früher viel lieber mit den Jungs Fußball gespielt, schon im Kindergarten. Beim SV Biengen war ich das einzige Mädchen in der Mannschaft. Puppen hatte ich zwar schon, aber die lagen meist in der Ecke.

Auf welcher Position spielst du?

Ich begann im Sturm, mittlerweile stehe ich im Tor. Darüber bin ich sehr glücklich. Nur selten gibt es kurze Phasen, in denen ich gerne wieder im Feld wäre. Bei der diesjährigen WM saß ich leider auf der Bank, auch in der 1. Bundesliga ist das noch der Fall. Sicherlich würde ich lieber im Tor stehen, aber beim SC ist Marisa Brunner im Tor die Nummer eins. Sie ist älter und einfach besser als ich. Das sehe ich auch ein.

Torwart sein ist undankbar, oder?

Wenn ein Torwart einen Fehler macht, dann fällt meistens ein Tor. Wenn sich besipielsweise ein Abwehrspieler einen kleineren Fehler leistet, dann muss das meist auch der Torwart ausbaden. Und ein kleiner Fehlpass endet nicht immer gleich mit einem Tor. Die Verantwortung des Torwarts ist daher vielleicht manchmal etwas größer.

Hast du dich schon mal verletzt?

Ich brach mir mal den Mittelfinger. Damals spielte ich bei Wolfenweiler und musste sechs Wochen aussetzen. Das war hart für mich. Anschließend habe ich erst im Feld gespielt, bevor ich wieder im Tor einsatzfähig war. Mehr ist, Gott sei Dank, bisher noch nicht passiert.

Was machst du, wenn du kein Fußball spielst?

Ich gehe auf das Max-Weber-Wirtschaftsgymnasium. Allerdings machen mir Schule und Lernen nicht allzu großen Spaß. Nur BWL und VWL mag ich ganz gerne. Um mit dem Stoff auf dem Laufenden zu bleiben, bekomme ich Nachhilfe, da wir zweimal in der Woche vormittags Fußballtraining haben. Neben dem Schulalltag genieße ich es einfach, mal gar nichts zu machen und nur Fernsehen zu schauen. Aber manchmal gehe ich auch Tischtennisspielen und im Winter fahre ich sehr gerne Ski.



 

Was ist dein Ziel?

Später einmal in der A-Nationalmannschaft zu spielen. Aber schon in zwei Jahren ist die nächste U20-Weltmeisterschaft. Wenn ich dann im Tor stehen könnte und mit der Mannschaft noch einmal den Titel holen würde, das wäre schon richtig klasse.

Hast du ein Vorbild?

Edwin van der Sar finde ich einen sehr guten Torhüter. Er kann so gut wie alles auf seinem Gebiet und ist schon seit vielen Jahren im Geschäft.

Gibt es etwas, das du dir für die Entwicklung des Frauenfußballs wünschst?

Dass mehr Zuschauer zu den Spielen kommen. Bei der WM war das Publikum gigantisch, aber  der Alltag in der Bundesliga sieht beim Frauenfußball leider anders aus. Für die Atmosphäre beim Spiel finde ich es sehr schade, dass immer noch so wenige Leute beim Frauenfußball in die Stadien kommen. Das sollte sich ändern.

[Fotos: Benkarth, Seeger]

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