Sportrait (11): Helen Grobert und Julian Schelb, Mountainbike

Minh Duc Nguyen

Im "Sportrait" stellen wir talentierte Nachwuchsathleten aus Freiburg und Umgebung vor. Helen Grobert (17) und Julian Schelb (16) gehören zum Lexware Racing-Team in Kirchzarten. Im folgenden Interview sprechen sie unter anderem über Verletzungen, Belastungen, Vorzüge und Verzicht in ihrem Sport.



Helen Grobert ist 17 Jahre alt und seit einem Jahr im Lexware Racing-Team in Kirchzarten. Seit einem Monat geht sie aufs Sportinternat in Freiburg. Wenn früher mal das Rad kaputtging, musste sie es selbst reparieren. Mittlerweile wird sie von einem vierköpfigen Team betreut: ein Mechaniker, eine Physiotherapeutin, ein Koch und der Teamleiter.


Julian Schelb (erster von rechts) ist 16 Jahre alt und trainiert schon seit langem in Kirchzarten. Auch er genießt den Service, der den Nachwuchssportlern zur Verfügung gestellt wird. Julian und Helen treten als Mountainbiker in der olympischen Disziplin Cross-Country an.

Sportliche Erfolge



Helen Grobert

  • 4. Platz Weltmeisterschaft Juniorinnen Canberra (AUS) 2009
  • 6. Platz Europameisterschaft Juniorinnen Zoetermeer (NED) 2009
  • 2. Platz Weltcup Juniorinnen Schladming (AUT) 2009
  • 1. Platz Bundesliga Wetter Juniorinnen 2009

Julian Schelb

  • 7. Platz Weltmeisterschaft Junioren Canberra (AUS) 2009
  • 2. Platz Weltcup Junioren Schladming (AUT) 2009
  • 1. Platz Bundesliga Wetter Juniorinnen 2009
  • 1. Platz Swisspower Cup Bern 2008
  • 2. Platz Swisspower Cup Gränichen 2008
  • 1. Platz TFJV Les Menuires

Interview mit Helen und Julian


Wie seid ihr zum Mountainbike gekommen?

Helen: Durch eine Freundin. Davor bin ich geritten und habe gerudert.

Julian: Ich komme aus einer sportlichen Familie. Mein Vater fährt auch Mountainbike. Als ich sechs Jahre alt war, bekam ich mein erstes Mountainbike. Ich probierte auch viele andere Sportarten aus: Fußball, Langlauf und Skifahren. Aber Mountainbike gefällt mir am besten.




Was ist das Besondere an diesem Sport?

Helen: Die äußeren Umstände. Der Untergrund verändert sich stets, ebenso das Wetter. Man sieht außerdem so vieles von der Natur. Allein durchs Training lernt man die Gegend kennen. Jeden Waldweg, jedes Eckchen, den ganzen Schwarzwald kann man mit dem Fahrrad erkunden. Und das stets in der Gruppe.

Julian: Ja, man kommt rum. Das Bergabfahren macht mir besonderen Spaß. Man muss die Technik beherrschen, wenn man volles Rohr den Berg runter fährt.



Wie sieht euer Alltag aus?

Julian: Ich stehe um 6 Uhr morgens auf und gehe in die Schule. Danach fahre ich direkt zum Training. Vor 17 Uhr komme ich meistens nicht nach Hause. Insgesamt habe ich eine 38 Stunden-Schulwoche und 15 Stunden Sport. Ich wohne in Münstertal und muss jeden Tag eine bis anderthalb Stunden mit dem Zug fahren.

Helen: Seit einem Monat wohne ich im Sportinternat. Davor musste ich einmal in der Woche von Waldshut nach Kirchzarten fahren. Das heißt: mit dem Bus zum Schluchsee und von dort aus mit dem Zug Richtung Freiburg. Ansonsten trainiere ich fünf Mal die Woche, unter anderem Krafttraining.

Welche Voraussetzungen muss man haben, um auf eurem Niveau mithalten zu können?

Helen: Man soll früh mit dem Training beginnen. Ich habe mit zwölf Jahren angefangen zu trainieren.

Julian: Man muss auch mal verzichten können.



Worauf verzichten?

Julian: Man kann zum Beispiel nicht jede Woche ausgehen.

Helen: Es gab schon Momente, wo ich dasaß und dachte: "Oje, jetzt wieder zum Training fahren." Da wohnte ich noch in Waldshut. Als ich dann ins Sportinternat zog, ist das besser geworden. Die Kollegen sind echt nett. Wir sind inzwischen gute Freunde geworden.

Habt ihr denn gar keine Zeit, mal abends wegzugehen und Party zu machen?

Julian: Wir trainieren ja nicht das ganze Jahr über. Im Herbst haben wir Trainingspause, da gehen wir schon mal weg. Im Winter auch. Und im Sommer haben wir zwischendurch auch Rennpausen.

Helen:
Nach jeder Meisterschaft findet die Afterrace-Party statt. Da hat man genug Möglichkeiten, Leute kennen zu lernen. Da ist jeder gut dabei. Aber es stimmt schon, vor allem im Sommer muss man auf vieles verzichten. Dafür stehen wir am Ende des Rennens auch auf dem Treppchen. Solche Erfolgserlebnisse geben einem Selbstvertrauen. Während wir den Tag sportlich genießen können, liegen die anderen wahrscheinlich im Bett und schlafen ihren Rausch aus.





Wie wichtig ist es für euch, zu gewinnen?

Helen: Sehr wichtig! Wir fahren ja nicht mit, um auf den letzten Platz zu kommen. Wir versuchen immer, unter die Top 10 zu kommen. Am besten aufs Podest.

Julian:
Auf dem Treppchen zu stehen, ist ein tolles Gefühl. Deswegen machen wir das auch.




Könnt ihr vom Sport leben?

Helen: Nein, eigentlich nicht. Man kann den Sport schlecht vermarkten.

Julian: Wir bekommen Equipment und Fahrräder gestellt. Das war’s aber auch schon. Die meisten gehen entweder zur Schule, so wie wir, oder sie studieren. Andere machen nebenbei noch ihre Ausbildung.




Beneidet ihr da nicht manchen Fußballer mit seinem Profigehalt?

Julian: Daran habe ich nie gedacht. Ich bin zufrieden mit dem, was ich mache.




Was sind typische Verletzungen beim Mountainbikefahrer?

Julian: Überschlag, Gehirnerschütterung, Schlüsselbeinbruch.

Helen: Bei mir ist es immer das Knie. Ich habe vor zwei Jahren eine schlimme Verletzung gehabt. Da ist mir der Schleimbeutel geplatzt. Die Ärzte wollten ihn mir erst rausholen, dann doch nicht. Bis heute ist der Beutel noch drin und ich habe manchmal ein taubes Knie.

Haben sich die Dopingskandale negativ auf eure Sportart ausgewirkt?


Julian: Doping spielt im Mountainbike meines Wissens so gut wie keine Rolle, da die Fahrtechnik solch eine große Rolle einnimmt. Die muss man beherrschen, da hilft kein Doping. Deshalb haben die Doping-Schlagzeilen keinerlei Wirkung auf unseren Sport.

Wovon träumt ihr?


Helen:
Ich wünsche mir, dass wir uns in Zukunft nicht mehr selbst finanzieren müssen und dass diese Sportart ein breiteres Publikum erreicht. Am besten wäre, wenn wir davon leben könnten.

Julian: Ich schließe mich Helens Meinung an.

[Fotos: Lexware Racing Team]

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