Sportrait (1): Jermain Raffington, Basketball

Sophie Guggenberger

Junge Sportler braucht das Land! Freiburg und Umgebung ist ein Pool für talentierte Nachwuchsathleten. Die wollen wir vorstellen, in der neuen fudder-Serie "Sportrait". Wer sind die Rookies der Region? Den Auftakt macht Basketballer Jermain Raffington, der in Bad Krozingen aufgewachsen ist. Vor kurzem hat er einen Vertrag mit einer Universität in den USA unterschrieben. Der 21jährige steht vor dem sportlichen Durchbruch in Indianapolis.



Jermain Raffington hat heute den National Letter of Intent (LOI) mit seiner zukünftigen Universität unterschrieben, der Butler University in Indianapolis. Das ist ein Vertrag über ein Vollstipendium. In dieser 'Vereinbarung' steht, was Jermain von der Universität bekommt und auf welchem Weg das geschieht. Die Universität bezahlt Jermain die Studiengebühren in Höhe von 29.000 US-Dollar im Jahr, sein Appartement für 3.000 US-Dollar im Jahr, Bücher (2.000 US-Dollar) und Verpflegung (5.000 US-Dollar). "Das sind unglaublich hohe Summen. Mein Stipendium ist im Jahr also circa 39.000 US-Dollar wert – und da beschweren sich die Leute in Deutschland über zu hohe Studiengebühren", erzählt Jermain.


Wer in den USA ein begabter Sportler ist, kann die immensen Studiengebühren mit dem eigenen Talent umgehen. Jermain muss dank seines "Athletic Scholarships" keinen Penny bezahlen, solange er mit seiner Leistung auf dem Basketball Court weiterhin überzeugen kann.



In der kommenden Saison wird Jermain vor 11.000 Zuschauern spielen, denn sein zukünftiges Team der Butler University ist momentan sehr erfolgreich. Jermains Problem bestand anfangs darin, dass er bislang nur eine mündliche Zusage der Butler University hatte. Aufgrund eines Trainerwechsels schien diese mündliche Vereinbarung aber nicht mehr von Bedeutung.

Zunächst stand Jermain auf einmal da – ohne eine Uni. Glücklicherweise hat aber dann der Assistenztrainer den Haupttrainerjob übernommen. Er war auch derjenige, der Jermain zuvor schon rekrutiert hatte. "Alles ist also noch mal glimpflich ausgegangen, denn der neue Trainer wollte mich unbedingt haben", so Jermain. "Heute wurde mir das LOI geschickt und ich hab' unterschrieben. Ich bin jetzt offiziell ein Butler Bulldog!


In der Halle, in der Jermain zukünftig spielen wird, wurde übrigens der Basketballfilm "Hoosiers" gedreht. Die Halle war, bis die riesigen Arenen in den USA gebaut worden sind, mit dem Madison Square Garden das größte, was es an Basketballhallen gab. "Hinkle Fieldhouse ist recht alt und das merkt man, wenn man es betritt", sagt Jermain.

"Die Halle hat so einen ganz speziellen Charme. Das war auch einer der Gründe, die mir meine Entscheidung ein wenig leichter gemacht hat, mich für Butler zu entscheiden."

Interview mit Jermain Raffington



Jermain, welche Schuhgröße hast du?

Jermain: US 15, das entspricht der Größe 50.

Körpermaße?

Ich bin 2,04 Meter groß, wiege 104 Kilogramm, versuche aber ständig, an Muskelmasse zuzunehmen.

Beschreibe dich in einem Satz.

Hm, echt schwer. Wie würdest du das denn machen?



Frauenheld. Aber dazu kenne ich dich eigentlich viel zu wenig. Warum scharen sich immer so viele Frauen um dich?

Ich empfinde das eigentlich gar nicht so. Vielleicht ist es, wenn es wirklich so ist, schon ein bisschen wegen meiner Größe und meiner Art. Ich bin halt recht umgänglich, glaub' ich. Naja, ich hab' keine Ahnung.

Was würdest du an deinem Körper verändern?

Ich wäre gern ein bisschen breiter, also schwerer und auf jeden Fall auch größer. 2,10 Meter wäre perfekt, aber ich wachse ja leider nicht mehr.

Dein Talent?

Ich bin schnell aufnahmefähig. Wenn mir jemand etwas erklärt, versuche ich, das auch sofort schnell und richtig umzusetzen. Ganz oder gar nicht.



Seit wann spielst du Basketball und warum hast du damit angefangen?

Mittlerweile spiele ich seit elf Jahren. Früher wollte ich immer Fußball spielen, aber meine Mutter hat ständig gesagt "Spiel' doch Basketball!", weil sie Fußball überhaupt nicht mag. Da war ich aber in dem Alter, als ich eh' nicht das gemacht habe, was meine Mutter sagt. Ich habe also erst mal Fußball ausprobiert. Das war aber ein bisschen scheiße. Durch einen Freund bin ich dann doch zum Basketball gekommen.

Deine Mutter ist jetzt sicher zufrieden.

Ja, auf jeden Fall! Sie ist total stolz, weil ich mir alles, was ich bis jetzt geschafft hab', selber erarbeitet habe. Und ich war jetzt schon an so vielen Orten auf der Welt nur durchs Basketball, das hätte sie mir alles gar nicht ermöglichen können.

Verletzungen?

Meine Knie sind ziemlich kaputt gewesen. Mein Innenband ist gerissen, mein Kreuzband angerissen und meine Kniescheibe ist herausgesprungen. Die springt so einmal im Jahr kurz heraus und ich drücke sie dann wieder rein.



Deine Basketball-Laufbahn bislang?

In Hamburg habe ich angefangen, in der Jugendmannschaft zu spielen. Dann bin ich nach Freiburg gezogen und habe lange Zeit beim USC gespielt, bis ich in die Nationalmannschaft U-16 gekommen bin. Beim USC wurde ich leider gar nicht gefördert von den Freiburger Trainern. Ich durfte zwar bei den höheren Mannschaften mittrainieren, aber kam nicht zum Einsatz, weil ich angeblich zu jung war. Daraufhin habe ich eine Anfrage von dem Basketball-Internat in Ulm bekommen, wo ich auch mein Abitur gemacht habe. Diese Schule ist bekannt dafür, dass sie talentierte Basketballer ausbildet, ihnen die Chance gibt, in der 2. Bundesliga zu spielen und sie dann in den USA oder hier, bei einem Erstligisten, unterbringt.

Was kostet die Unterbringung in einem solchen Internat?

Ich hatte ein Stipendium und musste glücklicherweise nichts bezahlen, denn das Internat ist das teuerste in ganz Deutschland. Es kostet circa 4 500 Euro im Monat.

Hast du Erfahrungen mit Neidern und Missgunst machen müssen?

Es gibt schon viele Neider. Wenn Leute zu mir sagen, die mich gar nicht kennen, ich sei arrogant, das stört mich dann wirklich. Ich werde auch oft, allein schon wegen meiner Größe, angegafft. Vielleicht meinen es die Leute gar nicht böse. Sie sind einfach interessiert, aber wenn ich durch die Stadt laufe, werde ich wirklich ohne Ende angegafft oder angesprochen. Das ist fast schon wie eine Behinderung. Aber ich versuche dem nicht allzu viel Beachtung zu schenken.



Was vermisst du in deinem Leben?

Manchmal die Normalität. Manchmal wünsche ich mir wirklich, ganz normal zu studieren, ohne andauernd so viel Sport machen zu müssen. Aber wenn ich dann eine Zeit lang mal keinen Sport mache, fehlt mir das auch wieder. Ab und zu brauche ich einen kleinen Abstand dazu. Ansonsten vermisse ich natürlich den Kontakt zu meinen Freunden. Die sind mittlerweile auch überall in Deutschland oder Österreich verstreut und studieren.

Hast du auch einen Tick wie Dirk Nowitzki, der ja in bestimmten Spielsituationen David Hasselhoff-Lieder vor sich hin singt?

Ich habe ein Kreuz, also ein X, auf meine Schuhspitze gemalt. Das mache ich, um in stressigen Spielsituationen wieder klar denken und zur Ruhe zu kommen. Ich fixiere dann einfach das markierte Kreuz und bin wieder voll konzentriert. Ich glaube, da hat jeder Spieler seinen eigenen Tick.

Wie sehen deine unerfüllten Träume aus?

Ich will unbedingt noch nach Japan. Mein Ziel ist es, später dann, nach den drei Jahren USA-Erfahrung, in Griechenland, Italien oder Frankreich zu spielen. Vielleicht hat sich Deutschland ja bis dahin dann auch so weit entwickelt, dass man da ein bisschen mehr verdient.

Mit welchem Basketballer würdest du gerne in einer Mannschaft spielen?

Mit Shaquille O'Neal!

Mehr dazu:

 

Zur Person Jermain Raffington



Jermain Raffington ist am 01. Mai 1985 in Hamburg geboren und mit 11 Jahren nach Bad Krozingen gezogen. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Jamaikaner. Jermain hat noch drei jüngere Brüder, von denen einer auch sehr gut Basketball spielt.

Zu Dirk Nowitzki hat Jermain eine recht spezielle Beziehung. Er war vor einigen Jahren bei Nowitzki zu Besuch in Dallas. "Das war im Jahre 2003, als ich den Dirk Nowitzki Basketball Challenge mit noch vier anderen gewonnen habe", erzählt Jermain. "Als Preis gab es da eine Reise zu Dirk nach Dallas und eine Tour von seiner Schwester, die in New Jersey lebt und für die NBA Studios dort arbeitet. Das Ganze war echt eine chillige Angelegenheit", sagt Jermain.

Er ist damals von 16.000 Leuten aus ganz Deutschland unter die besten fünf gekommen, die die Reise zu Dirk Nowitzki gewannen. Ein Jahr später hat dann auch MTV Interesse an dem Ausnahmebasketballer aus Freiburg gefunden. Sie drehten einen 30-minütigen Bericht über Jermains Werdegang und Alltag im Basketball-Internat in der Nähe von Ulm (Urspring) und flogen anschließend noch gemeinsam für eine Woche in die USA, um Jermain bei der Uni-Sightseeing-Tour zu begleiten.



Mitte August vergangenen Jahres verließ Jermain Freiburg, um als Power-Forward für die neue Spielsaison in West Burlington, Iowa anzutreten. In den vergangenen Monaten wurde das Basketballer-Talent von diversen US-amerikanischen Universitäten – von Kalifornien über New Orleans bis New York – umworben und auf viele Besuche und Try-Outs eingeladen. "Die bombardieren mich gerade mit Post", erzählt Jermain noch Anfang des Jahres, "und es ist einfach sehr schwer, sich zu entscheiden." Die Entscheidung ist mittlerweile gefallen. Der Ort war zweitrangig, ausschlaggebend war für ihn das vorhandene Bildungsangebot und Basketballprogramm der Universitäten, obwohl er natürlich am liebsten nach Kalifornien gegangen wäre.

Im Mai wird Jermain wieder für eine Weile in Freiburg sein. Dort trifft man ihn mit seinen Freunden im exklusiven, berühmt-berüchtigten"Zimmer", im Waldsee, im F-Club, am Rimsinger Baggersee, beim Wassermeloneeisschlecken im Portofino oder auf irgendeinem Basketballplatz.

fudder-Artikel: Freiburger Basketballprofi fiebert mit Nowitzki

Bilder von Jermain und seinem jetzigen Basketballteam:
The Hawk Eye

Internet:
MySpace & Jermains Uni & Jermains Basketballteam