Sportfreunde Stiller: Stadionstimmung im Jazzhaus

Anja Metz

Wer keine Karte mehr für das restlos ausverkaufte Konzert der Sportfreunde Stiller im Jazzhaus bekommen hat, hat eindeutig was verpasst: Eine ekstatische, Fußball-saturierte Konzertparty, bei der am Ende der Schweiß von der Decke tropfte.

Pünktlich um 20 Uhr eröffnen Five!Fast!!Hits!!!, die wie die Sporties aus München stammen, den Abend. Zunächst reagiert das Publikum zurückhaltend auf die vier Jungs, die wohl kaum jemand vorher gesehen oder gehört hatte, doch mit wenigen Songs schafft es die junge Indie-Band, die Zuschauer mitzureißen.


Schick gekleidet in Anzug und Krawatte (fraglich nur, wie schick die Rote-Krawatte-zu-grünem-Hemd-Kombination des Gitarristen war) und mit fetzigen Rock der Sorte "Mando Diao treffen die Beatles" versprühten die durchgedrehten Jungs gute Laune und brachten fast alle Anwesenden zum Mitklatschen, Mitsingen oder Mittanzen. Nach einer knappen Dreiviertelstunde hatten Five!Fast!!Hits!!! ihren Auftrag mit Bravour gemeistert: Es herrschte beste Laune im ganzen Jazzhaus.

In der Umbaupause wächst die Ungeduld der Sportfreunde-Fans, doch „Wir wollen die Sporties sehn!“ wird zunächst vergeblich gebrüllt. Anstatt Peter, Flo und Rüde gibt es erst nur reichlich Diskonebel, mit dem den ganzen Abend über nicht gegeizt werden wird. Endlich stürmen die Sportfreunde in einem disco-würdigen Auftritt mit grellen Lichteffekten und noch mehr Nebel die Bühne.

Das bunt gemischte Publikum – vom vor der Bühne hüpfenden Teenie bis zum einen oder anderem Elternteil sind alle Altersklassen vertreten – empfängt die drei sportlich gekleideten Jungs mit lautem Jubel.



Mit "Lauth anhören" eröffnen sie das Konzert, und alle folgen der Anweisung im Song bereitwillig. „Ihr müsst ordentlich abgehn und nicht nur zusehn“. Denn bei der guten Laune die die Band ausstrahlt, kann man gar nichts dagegen tun: man muss einfach begeistert mitwippen, -tanzen und -grölen.

Die Sportfreunde stellen sich selbst als gut durchtrainierte Bajuvaren vor, was die Band leider nicht unter Beweis stellen wollte. Das Publikum fordert mehrmals „Ausziehn!“, aber weder Drummer Flo, der eben noch damit geprahlt hat, zu Ehren Volker Finkes dessen Namen als Tattoo auf dem Rücken zu tragen, noch Sänger Peter lüften ihr T-Shirts.

Peter entschuldigt seine Schüchternheit immerhin mit seinem „Freibadkomplex“, und so bekommt niemand seine laut Aussage von Bassist Rüde "handtellergroßen Brustwarzen" zu sehen. Das ist vielleicht auch besser so.



Musikalisch durchtrainiert sind die Herren aber auf jeden Fall. Nicht nur rockig geht es zu, auch romantische Töne schlagen sie an, bei denen sie mit einem Fingerschnippen kuschelige Feuerzeugatmosphäre und sich küssende Pärchen herbeizaubern.

Obwohl mittels eines Grabens (!) deutlich vom Publikum getrennt, ist die Band extrem publikumsnah. Ganz und gar nicht abgehoben kommen sie immer wieder mit dem begeisterten Publikum ins Gespräch und verteilen Wasserflaschen an die durstigen Fans. Die schwitzen während des Konzerts so einiges an Flüssigkeit aus. So viel, dass der Schweiß von den Belüftungsrohren an der Gewölbedecke des Jazzhauses zu tropfen beginnt (siehe Bild unten).



Kein Grund für die begeisterten Sportfreunde, von ihrer guten Laune abzulassen. Sie nutzen die Gelegenheit, ihren ebenfalls erschöpften Wasserhaushalt wieder auszugleichen, indem sie versuchten, die Tropfen von der Decke mit dem Mund wieder aufzufangen.

Rund zwei Dutzend Songs aus ihrer zwölfjährigen Bandgeschichte spielt die Band. Nur einen spielt sie nicht, den WM-Hit '54, '74, '90, 2010, obwohl sie wiederholt mit gröhlendem Sprechgesang gefordert werden. Erst ganz zum Schluss, eingebaut in ein Medley aus "Wunderbare Jahre" und Oasis' "Don't look back in anger", gibt es zumindest den Refrain und das Jazzhaus fühlt sich ein klein wenig an wie ein Fußballstadion.



Sichtlich erschöpft aber zufrieden verabschieden sich die Sportfreunde gegen 23 Uhr von den Freiburgern mit Dur-Akkorden anstelle eines vermeintlichen A-Moll-Akkords als Extradankeschön für das tolle Publikum. Denn den Sportfreunden hat es im Jazzhaus mindestens genauso gut gefallen wie ihren Fans und es ist im Nachhinein schwer zu sagen, ob nun die Fans die Band mit ihrer super Laune angesteckt hatten oder andersrum.  Aber das ist ja eigentlich gar nicht so wichtig, die Hauptsache ist, dass alle Beteiligten rundum glücklich waren. So bleibt eigentlich nicht viel mehr übrig als zu sagen: Alles Roger, alles wunderbar!

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[Fotos: Caro]