Pop

Spoon in der Kaserne: Mit großer Geste und Angst vor der Hookline

Carolin Buchheim

Draußen vor der Kaserne in Basel rattert die Achterbahn auf der Herbstmesse im Nieselregen, drinnen im Rossstall spielt die Band Spoon aus Austin, Texas, am Samstagabend einen Gig, der auch in ein Stadion passen würde.

Die Gitarre schwungvoll am Gurt auf den Rücken gewirbelt, den Arm in der Luft gestreckt und mit vom Ventilator wehenden Haaren singt Britt Daniel über den Rummel im Herzen und in der Hose: "Hot thoughts, melting my cool". Den Rummel vor der Tür mag der 46-Jährige übrigens gern. "Die Kirmes war letztes Mal als wir hier gespielt haben auch da, wir waren ganz enttäuscht, als wir gehört haben, dass sie manchmal abgebaut wird", erzählt er zwischen zwei Songs.


Poppig und komplex

Spoon, benannt nach dem Album der Krautrock-Band Can, sind Fachmänner für virtuosen, dekonstruierten Indierock mit spannende Strukturen, ihre Alben alle Jahre wieder Kritikerlieblinge. Live funktionieren die Songs der Texaner am Samstagabend ganz hervorragend: für "Inside out" gibt’s die doppelte Ladung Keyboards als Leads anstatt Gitarre - sie hängt ja auf Britt Daniels Rücken. Ein paar Songs später greifen die Keyboarder zeitgleich mit Daniel zu den Gitarren, um gemeinschaftlich ein fuzziges Noisefeuer anzuzünden.

Auch die Reduktion hat die Band drauf, die elektronische Ballade "I ain’t the one" konstruiert Keyboarder Alex Fischel weitestgehend allein an seinen diversen Synthesizern und Effektgeräten, während Daniel zum Singen auf einem Podest auf der Bühnenmitte auf dem Rücken liegt.

Nur eins, das wird beim Gig deutlich, scheint die Band auch in fast 25 Jahren gemeinsamen Musizierens noch nicht ganz überwunden zu haben: Die Angst vor der Hookline, dem packenden Stück eines Songs, der Textzeile, die den Ohrwurm macht, den Hit. In Spoon-Songs brodelt es, sie bauen sich auf - aber die Erlösung kommt meistens nicht.

Einmal ist das elektrisierend, fünf Mal hintereinander noch interessant, danach anstrengend, frustrierend, gar. Aber Anzeichen von Besserung gibt’s: die beiden Singles des hervorragenden aktuellen Albums "Hot Thoughts" - der gleichnamige Track und "Can I Sit Next to You" (das klingt übrigens gleichzeitig – keine Ahnung wie das geht – ein bisschen nach "Miss you" von den Stones und "Lullaby" von The Cure), sind erlösend catchy. Vor der Bühne im Rossstall wird getanzt. Das macht an einem Samstagabend mehr Spaß als Achterbahnfahren im Nieselregen.