Splitternackt im Rhein: Die Sauna am Rhy in Basel

Manuel Lorenz

Die meisten Saunen prahlen damit, was sie alles können. Nicht so die Sauna am Rhy in Basel. Im Gegenteil: Sie beschränkt sich auf das Wesentliche und beeindruckt damit über die Maße. Manuel ist für uns am Rhein schwitzen gegangen.

Splitternackt steht man im Rhein und schaut Richtung Wettsteinbrücke. Es ist bereits dunkel, sodass weder die Anwohner noch die Spaziergänger daran Anstoß nehmen können. Die Luft misst 13 Grad, das fließende Wasser 14. In der Ferne: das Riesenrad der „Herbschtmäss“ und die Zwillingstürme des Münsters. Zwei andere Blickwinkel holen einen wieder auf den entzauberten Boden des industriellen Zeitalters herunter. Am gegenüberliegenden Ufer leuchtet grellblau das Logo des Pharmagiganten Roche; Rheinaufwärts donnert schwerer Verkehr über die Schwarzwaldbrücke.


Wer ausgedehnte Saunalandschaften bereisen möchte, ist hier falsch. Keine Bio-Sauna, Dampf-Sauna, Kelo-Sauna, Panorama-Sauna, Kräuter-Sauna oder Himalaya Salzkristall-Sauna, kein mit Palmen umsäumter Pool im Außenbereich, keine Wohlfühlmassagen und kein Rasulbad. Hier, im Rhybadhysli, wo im Sommer frei gebadet wird, gibt es lediglich eine Sauna: eine finnische, 90 Grad heiß, in die gerade mal ein halbes Dutzend Leute passen. Hier, in der Basler „Breite“, steht ein aufs Minimale reduziertes Saunacamp.



Draußen, auf einer Plattform über dem Rhein, stehen zwei Jurten, die diesen Eindruck bestätigen. In der Empfangsjurte bekommt man einen Bademantel, Badeschlappen, ein Saunatuch und einen Spindschlüssel; außerdem kann man hier zwischendurch etwas lesen (Brandeins, Kinki und das Stil-Magazin der NZZ am Sonntag) oder trinken (Basler Bier, Now Drinks und ayurvedische Tees). Super: die flauschigen elektrischen Fußwärmer.

In der Ruhejurte befinden sich eine handvoll konzentrisch angeordneter Liegemöglichkeiten. Ein Holzofen sorgt für angenehme Temperaturen; um die ruhigen Minuten wohlig werden zu lassen, liegen Kissen und Fleecedecken bereit. Wer es dabei schafft, die Augen offen zu halten, sieht durch das kreisrunde Oberlichtfenster die Sterne. Dass die Stadtgeräusche die Zeltwand durchdringen, stört nicht weiter. Als Wermutstropfen offenbart sich allerdings das laute Ticken der Wanduhr.



Wann immer man irgendwo hinkommt: immer ist alles gemacht. Durst? Frische Gläser stehen bereit. Ein neues Handtuch? Ist parat. Die Fleecedecken in der Ruhejurte? Sind immer ordentlich zusammengelegt. Und das Schöne daran: Man merkt nicht, wie intensiv einem hinterher geräumt wird. Alles ist sauber und reinlich. Teelichter lassen das übersichtliche Areal häuslich wirken; die Bretterverschläge sind in beruhigendem Türkis gestrichen worden. Unpassend dominant und eklektisch: der überdimensionale Kerzenleuchter im Eingangsbereich. 

Die Aufgüsse macht heute Laura, 21. „Pfefferminz“, sagt sie und gießt mit einer Kelle aromatisiertes Wasser aus einem Holzbottich über die heißen Steine. Dann verteilt sie mit einem Handtuch die heiße Luft – zuerst kreisend, dann peitschend. „Da wird einem ja ganz warm ums Herz“, sagt ein athletischer Mann mittleren Alters, der mit überkreuzten Beinen auf der obersten Stufe sitzt. Außerdem da, über den Abend verteilt: zwei Japanerinnen, zwei Yuppies, ein spanisches Pärchen, eine Bikerin und ein Geschäftsmann, der mit seinem langen weißen Haar und seinem Bart verdächtig nach einem Guru aussieht.

Wieder draußen lädt ein zweistöckiger eiserner Umgang zur Promenade ein. Bottiche und eine Wanne stehen bereit, um im Freien Abkühlung zu verschaffen. Oder man traut sich hinab in den Rhein und schaut Richtung Wettsteinbrücke.



Adresse



Sauna am Rhy

St. Alban Rheinweg 195
CH-4052 Basel  

Öffnungszeiten


bis zum 25. März 2012


Montag  - Frauentag
12 bis 22 Uhr

Dienstag & Mittwoch - gemischt
15 bis 22 Uhr

Donnerstag - Frauentag für Genießerinnen der Stille
15 bis 22 Uhr

Freitag & Samstag- gemischt
15 bis 22 Uhr

Sonn- & Feiertag- gemischt
12 bis 22 Uhr

Eintritt

bis 17 Uhr 20 CHF
ab 17 Uhr 25 CHF
ab 20 Uhr 20 CHF

Der Eintritt ist gültig für einen Aufenthalt bis 3 Stunden, jede weitere halbe Stunde 5 CHF.


Anreise
: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Bus 70 ab Aeschenplatz bis „Breite“ oder Tram 3 ab Aeschenplatz bis „Zürcherstrasse“; mit den Auto: Autobahnausfahrt Breite, dann Richtung City und 2. Strasse rechts runter an den Rhein (Achtung viele Einbahnstrassen und beschränktes Parkplatzangebot)