Spionspiegel im Más y Más

David Weigend

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist's, der in deinem Schutze spannt? Diese Frage mag man sich stellen angesichts des Venezianischen Spiegels, der in dem Lokal Más y Más an der Adelhauserstraße hängt. Die Betreiber müssten die Gäste zumindest darauf hinweisen, dass sie verdeckt beobachtet werden können.



Das Más y Más ist ein Restaurant mit spanischer Küche am Adelhauserplatz. Der Servicechef wies eine Mitarbeiterin unlängst in einem Nebensatz darauf hin, dass sie bei der Arbeit nicht ganz unbeobachtet sei: durch einen so genannten Venezianischen Spiegel, wie man ihn aus den Vernehmungsszenen in Krimis kennt, habe man Einblick in einen Teil des Lokals.




Diese Vorstellung fanden wir dann doch etwas indiskret. Weniger aus Sicht des Personals denn aus Sicht des Gastes. Denn nirgendwo im Lokal wird man darauf hingewiesen, dass man verdeckt beobachtet werden kann. Wenn man das Restaurant betritt, zwei Schritte nach links geht und sich dann nach rechts wendet, sieht man den Spiegel an der Wand hängen, über dem Tisch mit den Gewürzwühlen und dem Besteck.

Wir haben Johanna Anker, Besitzerin des Lokals, gefragt, was es mit der Observierung auf sich hat und warum sie notwendig sei. Sie sagt: "Eigentlich ist der Spiegel kein Venezianischer Spiegel, weil wir vom Büroraum hinter der Wand eigentlich nicht ins Lokal schauen können. Da steht ein Regal davor."



Ob das stimmt, ist schwer überprüfbar und es widerspricht auch der Aussage des Servicechefs. Fakt ist, dass die Möglilchkeit des verborgenen Blicks vorhanden und intakt ist. Warum? "Weil wir viel Büroarbeit tätigen. Dann hat man die Möglichkeit, zu schauen und wenn vorne die Post abgeht, kann man einspringen", so Anker. Sie weist darauf hin, dass man durch den Spionspiegel nur einen Teil des Restaurants sehen könne. Immerhin: mindestens sechs Tische dürften im Blickfeld sein.

Die Mitarbeiter des Más y Más wüssten, dass der Spiegel existiere. Und die Gäste? Müsste man die nicht darauf hinweisen? "Aber er ist doch nicht funktionstüchtig, deswegen müssen wir auch nicht drauf hinweisen", behauptet Anker.



Im Innenministerium sieht man das nicht ganz so locker. Wir haben den Fall der Aufsichtsbehörde für den Datenschutz im nicht-öffentlichen Bereich geschildert. "Ganz sauber ist das nicht. Der Gast denkt: das ist ein normaler Spiegel. Die Überwachung, ob vollzogen oder nicht, müsste gekennzeichnet sein. So wie in einer Umkleidekabine von einem Kaufhaus auch", so das Statement der Stuttgarter Behörde. Die Überwachung müsse transparent gemacht werden.



Darüber würden wir uns freuen. Dass viele Freiburger Lokale mittlerweile videoüberwacht werden, ist gewöhnungsbedürftig genug. Da brauchen wir nicht auch noch das Gefühl, dass uns jemand auf die Gabel oder wahlweise ins Dekoltée schaut.

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