Spickmich & Schulradar: Die Schul-Rating-Portale

Lisa Geiger

"Cool, dass du dabei bist!" sagt das Spickmich-Männchen nach der Anmeldung. Bei Spickmich.de erfahren Schüler, wie Mitschüler die Lehrer an ihrer Schule bewerten. Die Partnerseite schulradar.de liefert darauf basierend Infos über die Schule an sich. Überflüssig oder Überfällig? Lisa hat sich für fudder durch Spickmich und Schulradar geklickt.



Zuerst fällt mir auf: Bei Spickmich wird geduzt. Man geht davon aus, dass die Schüler hier auf pseudo-jugendliche Formulierungen anspringen. Meine Schule ist schnell gefunden. Das typische Bild mit dem kaputten Kunstbrunnen vor dem Gymnasialeingang thront über der Beschreibung des Wentzinger Gymnasiums.


Es liegt im Mittelfeld, hat eine glatte 3,0 im Durchschnitt erhalten. Die schlechteste Note erhielt es für das Schulgebäude: eine 4,3. Die beste Note gab es für die Stimmung unter den Mitschülern: Eine 2,2. Doch alles andere bewegt sich im sicheren Mittelfeld.

Trauen sich die wenigen Bewerter nicht richtig, knallhart ihre Meinung zu sagen? Es gibt keine Kommentare, nur wenige haben bisher abgestimmt. Also eher nichtssagend. Ein Blick auf die Partnerseite schulradar.de verrät: Man hat die Bewertungen übernommen und in ein anderes Layout eingebaut. Die Noten stimmen überein.



Weiter geht es mit dem sogenannten „Trendbarometer“. Der „Flirt- Faktor“ liegt etwa genau zwischen Tote Hose und Speeddating. Beim „Party-Faktor“ ist das Wentzinger schon auf dem Niveau eines Dorffestes und dann fehlen nur noch die Kategorien „Faust-Faktor“ und „Alk-Faktor“. Hier liegen wir zwischen Heile Welt und Hart aber Fair und unser Alkoholkonsum ist anscheinend „Alkopop“. Was will uns diese Aufstellung sagen? Was sagt sie Schulfremden über die Schule aus?

Doch das Wichtigste sind bei Spickmich die Lehrerbewertungen. Diese sind allerdings auch nur sehr rar verteilt und dann auch eher undurchsichtig. Wobei die Tendenzen nach meinen persönlichen Erfahrungen stimmig sind.



Der beliebteste Lehrer erhielt Bewertungen von 22 Schülern und erreichte eine 1,5. Allerdings sind 22 Schüler von (laut schulradar.de) 950 bis 1000 Schülern doch nicht wirklich repräsentativ. Ich suche nach bekannten Gesichtern. Unter „meine Stufe“ finde ich jede Menge vorgefertigte Profilbilder mit blonden Comicmädchen und braunhaarigen Comicjungs.

Aus meiner Stufe finde ich nur eine einzige Mitschülerin, die ein Profilbild von sich hochgeladen hat. Ich erfahre, was für ein Sternzeichen sie hat. Der Hochpunkt meiner Recherchen! Sogar ein paar neue Mitschüler entdecke ich: Da gibt es zum Beispiel einen „Horst Schlemmer“ und einen „Heidi Heida“. Genau fünf von 13 Schülern aus meiner Stufe haben sich mit ihrem echten Namen angemeldet. Mehr als das Sternzeichen erfährt man nicht.

In Stufe 6 bis 9 finde ich um einiges mehr Profilbilder. Einige haben sogar Hobbys, „Lieblingsalles“ und „was ich euch noch sagen wollte“ eingetragen. Man kann sich bei Clubs anmelden, die mit ihrem Namen wieder ein Stück der Persönlichkeit des Users preisgeben. Bei einer Fünftklässlerin finde ich sogar einen Pinnwandeintrag: Sie selbst hat „Hi Leute“ gepostet. Das scheint übrigens generell ein Trend auf Spickmich zu sein.

Herrscht hier etwa akuter User-Mangel?



Wenn mir das alles absolut nicht passt, und ich „Probleme mit ...“ habe, kann ich denjenigen ignorieren und sogar melden. Das gefällt mir gerade eher weniger, fühle ich mich doch mittlerweile insgesamt sehr an ein Orwell'sches „1984“ erinnert.

Doch das alles ist nichts Neues, SchülerVZ und MySpace betreiben solche Selbstdarstellung ihrer User in weit umfangreicherem Ausmaß. Das einzig interessante dieser Seite soll also die Lehrerbewertung sein. 22 Schüler von fast 1000 bewerten den beliebtesten Lehre der Schule? Von Informationsgehalt kann da keine Rede sein und so finde ich es eher „uncool“, dabei zu sein.

Ein Klick und ich bin draußen.

Mein Fazit: Eindeutig überflüssig.

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