Spice: die Kräutermischung soll verboten werden

Katharina Wenzelis & David Weigend

Große Nachfrage, stockender Nachschub: In den Freiburger Tabakläden ist Spice schon seit Monaten ausverkauft. Im Internet ist die THC-affine Kräutermischung noch zu haben. Bis Ende des Monats will Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Spice verbieten. Wir haben uns bei Freiburger Spiceboys und -girls nach dem Zeug erkundigt. Wo gibt's Spice?



Das goldene Horn

Kurz vor Neujahr in einem Freiburger Club, der auch gern von Strizzis wie Marc Terenzi besucht wird. Man sitzt gemütlich auf der roten Lederbank und wundert sich ein wenig, als die Sitznachbarn plötzlich ein vorgedrehtes Horn anzünden. Süßlicher Duft umweht die Breisgauschickeria. Ob jetzt auch Gina-Lisa an den Tisch kommt und einen Zug fordert?

Wir finden es dann doch vernünftiger, die vermeintlichen Kiffer zu warnen: "Freunde, vielleicht findet die Security hier den Joint nicht so prickelnd." Doch der Mann mit der Lunte grinst uns nur an: "Wieso? Alles legal. Ist doch nur Spice. Willst du nen Zug?"



Gehandelt wird Spice als Kräutermischung, die sich aus acht verschiedenen Pflanzen zusammensetzt, unter anderem aus Lotus, Helmkraut und sibirischem Löwenzahn. Oft wird Spice mit Zusatzstoffen wie Vanille oder Honig zur Geschmackverbesserung versetzt. Es gibt verschiedene Sorten in abgestuften Stärken wie Diamond, Gold und Silver, wobei der Horndreher aus dem Club mit mildem Spott bemerkt: "Wer kauft sich schon Silver, wenn er auch Diamond kriegt?" Ursprünglich wurde Spice als Räucherwerk verkauft, das man in einer Schale anzündet, um in Wohnräumen einen guten Duft zu verbreiten, ähnlich wie Räucherstäbchen.



Ursache und Wirkung

Das Frankfurter Pharmaunternehmen THC-Pharm hat Spice im Auftrag der Stadt Frankfurt unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass neben den Kräutern auch der chemische Stoff JWH-018, ein synthetisches Cannabinoid, in Spice enthalten ist. Dieser Stoff ist einer Studie zufolge vier Mal stärker als der natürliche Cannabis-Wirkstoff THC und die Ursache der Rauschwirkung, die sich nach dem Rauchen von Spice einstellt.

Florian (29) aus Freiburg hat Spice mit einem Freund probiert und fand die Wirkung durchaus positiv. "Spice schmeckt zwar fürchterlich, aber die Wirkung ist angenehm, ähnlich wie bei Cannabis, nur dass man nicht so müde wird."

Auch Tim (30) hat Spice getestet: "An Silvester ging ein Spice-Joint um, da hab ich einfach probiert, sind ja nur Kräuter, dachte ich mir. Uns hat der Joint alle ziemlich verstrahlt, aber es war lustig, wir mussten alle ziemlich viel lachen. Seit ich gehört habe, dass chemische Substanzen in Spice enthalten sind, lass ich aber lieber die Finger davon."



"Spice ist nicht zum Rauchen gedacht. Man sollte niemals etwas konsumieren, wenn man nicht genau weiß, welche Stoffe darin enthalten sind", warnt Jeanette Piram, Leiterin der Drogenhilfe Freiburg. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hauptsächlich die Leute Spice konsumieren, die sonst nichts mit Drogen zu tun haben, weil sie denken, dass es nicht schädlich sein kann, da es frei verkauft wird. Das ist die Gefahr. Meines Wissens ist Spice gesundheitsschädlich und kann sogar Psychosen auslösen. Spice sollte möglichst schnell verboten werden."

Verbot soll kommen

Dieser Meinung ist auch Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Vergangene Woche schrieb sie in einer Presseerklärung: "Nun ist bestätigt, dass die Modedroge Spice keine harmlose Kräutermischung für den Raumduft ist, wie es der Hersteller glauben machen wollte. Tatsächlich handelt es sich bei der zugesetzten Substanz um einen nicht zugelassenen Stoff, der psychotrope Wirkungen erzeugt. Wer diese Substanz konsumiert, gefährdet seine Gesundheit. Jeder Handel mit ‚Spice’ und auch der Erwerb dieser Substanz werden verboten. Wer es trotzdem tut, macht sich strafbar!"

Noch ist es nicht so weit. Bis Ende Januar soll im Bundesrat darüber verhandelt werden, ob Spice unter das Betäubungsmittelgesetz fällt und somit verboten wird. "Wir sind gerade dabei, die nötigen Fakten für die Eilunterstellung zu sammeln", so ein Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit.



"Die rennen uns die Bude ein"

Indes wird es immer schwieriger, Spice zu kaufen. Der Markt für die synthetische Kräutermischung zeigt: hohe Nachfrage, kein Nachschub. "Wir haben nur einmal Spice geliefert bekommen, das war im Oktober. Wir bekamen 20 Päckchen, die innerhalb kürzester Zeit ausverkauft waren", sagt die Verkäuferin von Schelble-Tabakwaren in der Bertoldstraße, die pro Tag etwa 20 Spicefans abwimmeln muss. "Danach haben wir noch einige Male bestellt, es wurde aber nicht mehr geliefert. Ich schätze, die Hersteller verkaufen die Kräuter eigenständig im Internet."

Tatsächlich kann man bei Anbietern wie Spiceladen das Kräuterchen bestellen, ebenso Spice-Lookalikes wie Space oder "Smok", das sogar noch stärker wirken soll (3 Gramm für 25 Euro, ab 18). Drollig die Alibi-Warnung des Online-Händlers: "Smok ist zum Verräuchern bestimmt und nicht zum Inhalieren oder zur oralen Aufnahme. Falls Sie dennoch beabsichtigen, dieses Produkt andersweitig zu verwenden, bitten wir Sie hiermit, Ihren Einkauf abzubrechen."

Auch Pfaff's Tabakwaren im Freiburger Hauptbahnhof hat Spice verkauft, nach eigenen Angaben lief der Verkauf prima. Aber auch dieser Laden hat schon seit einigen Monaten keinen Nachschub mehr bekommen. "Jetzt lohnt sich der Einkauf nicht mehr, wir haben nichts mehr bestellt, das Zeug wird ja eh bald verboten", sagt der Tabak-Verkäufer.