Spektakulärer Skicross-Wettkampf: King of the Forest wegen Nebels nach einem Tag abgebrochen

Laurin Lampe & Jakob Schönhagen

Erst Sonne, dann Nebel: Der King of the Forest ist am Wochenende Opfer des wechselhaften Wetter geworden. Während am Samstag die Qualifikationsläufe zwar stattfanden, mussten die Veranstalter den spektakulären Wettkampf am Sonntag absagen. Laurin Lampe hat das Wochenende in einem Video zusammengefasst:





Unter dem Hashtag #kingfeldberg firmierte am Wochenende die zwölfte Ausgabe des King of the Forest. König Feldberg zeigte sich allerdings nur am Samstag von seiner schönen Seite. Wegen Nebels und starken Schneefalls mussten die Veranstalter am Sonntag die Finalläufe des beliebten Crossevents für Skifahrer und Snowboarder absagen. Der Stimmung konnte die Wettermisere jedoch wenig anhaben. Eindrücke von einem nur meteorologisch ins Wasser gefallenen Nachmittag:

Liften mit dem Webmaster

Um zum "King", wie die Ski- und Boardercrosser ihre Abfahrtsstrecke ehrfürchtig nennen, zu kommen, muss man von der Zentralstation Feldberg mindestens einen Lift und eine Abfahrt nehmen. Das Wetter ist nasskalt, die Sicht geht höchstens zwanzig Meter. Benny Schönle, im Bügellift zum Gipfel steigend, ist ein wenig ratlos. Petrus ärgert ihn. Wahrscheinlich muss das Finale abgesagt werden. Schönle ist seit diesem Jahr Webmaster im Organisationsteam beim King of the forest. Ihm tut’s vor allem für die Organisatoren weh. "Die machen das ja nicht für Geld, sondern für Ruhm und Ehre", witzelt er und prescht mit seinem Board in den Nebel.

Rechnung beglichen

Die Stimmung am Zieleinlauf ist trotzdem gut. Musik hämmert am Fahler Loch aus den Boxen. An der Schneebar stehen gut ein Dutzend Menschen, und die Crosser schützen sich im aufgebauten Zelt vor dem unnachgiebigen Regen. Lachend erzählt Paul Berg vom SC Konstanz, wie er als kleiner Bub das erste Mal beim "King" vor der steilen Piste stand. Und dann vor lauter Bammel nicht runter fuhr.

Mittlerweile ist klar, dass die Finalläufe aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden. Für das Abschlussklassement werden die Zeiten der Einzel-Qualifikationsrennen vom Samstag gewertet. Berg ist dadurch Zweiter. Er ist der prominenteste Starter beim diesjährigen "King". Vor einem Jahr startete er bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Vor drei Wochen holte er sich bei der Weltmeisterschaft im österreichischen Kreischberg den elften Platz. Richtig sauer ist er weder über die Rennabsage, noch über den zweiten Platz. Im Gegenteil: "Vor zehn Jahren habe ich ja gekniffen", schmunzelt Berg, "diese Rechnung ist jetzt beglichen."

Überraschte und glückliche Sieger

Zudem hat Berg nur sein Konstanzer Kumpel Mathieu Laboureur den Titel im Boardercross vor der Nase weggeschnappt. "Wir kommen aus dem gleichen Dorf", berichtet Laboureur und kann den überraschenden Erfolg nicht so richtig einstufen: "Eigentlich schade, heute wäre es interessant geworden." Richtig strahlt dagegen Tim Fritz. Der Todtnauer fuhr im Skicross am Samstag die schnellste Zeit und somit auf den ersten Platz. Nach einem Jahr mit schlimmer Knieverletzung war es das erste Rennen für ihn. "Und das wichtigste dazu." Hier vor seiner Haustür.

Familiäres Fighten

Fritz ist am Fahler Loch groß geworden. Sein Großvater besaß einen der ersten Lifte am Feldberg, seine Mutter übernahm diesen später. Die ersten Skischwünge erlernte er einen Steinwurf vom heutigen "King" entfernt. Lange ist er selber Alpinrennen gefahren. "Als die Jungs hier dann mit dem King angefangen haben, hab ich das gerne ausprobiert", berichtet er im Promo-Video des Veranstalters. Mittlerweile fährt er eigentlich nur noch Cross.

Das Cross-Event hat, wenn es denn stattfindet, wenig zu tun mit seinem alpinen Verwandten. Hier wird gesprungen und gekämpft. Vier Leute stürzen sich zeitgleich die einen Kilometer lange Steilstrecke hinunter. Dabei gibt es gerne mal Gestoße und Gerangel. Fritz liebt das: "Wenn die Tore aufgehen, ist das Action pur." Der Abfahrtsfight ist im Anschluss zumeist aber schnell vergessen.

"King" als Herzensangelegenheit

Weniger lachen kann Benny Perach. Er ist zu erschöpft. Zusammen mit Klaus Dünzen und Thorsten Schulz hat er das beliebte Event seit einem Jahr organisiert. Zuletzt haben sie acht Tage lang Strecken abgesteckt, die Pistenraupe gefahren, Kisten geschleppt und vor allem Zeit investiert. Die Absage tut da besonders weh. "Die Sicherheit geht aber vor", erklärt Perach. Wenn er über den "King" redet, ist er "stoked". Will heißen, mehr als enthusiastisch – begeistert. Die schlechte Laune ist vor lauter Reminiszenz schnell vergessen. Er war schon bei der Premiere dabei, damals als DJ. Heute schätzt er die familiäre Atmosphäre. "Die sieht man auch jetzt, alle hatten mega Verständnis und haben uns Dankes-SMS geschickt", verrät er völlig durchnässt nach fünf Stunden Abbauarbeit.

Zukunftsmusik

Ob es den "King" nächstes Jahr wieder gibt? "Da müssen wir uns in ein paar Wochen zusammensetzen. Jetzt sind wir erst mal mit der Nachbereitung beschäftigt", stöhnt der erledigte Perach. Zu wünschen wär’s. Das Event hat Wiederholungscharakter. König Feldberg kann auch nicht immer den Miesepeter spielen. Schließlich geht’s um Ruhm und Ehre.

Ergebnisse

Skicross Damen

  • Laura Straetker
  • Fabienne Fuss
  • Jaqueline Eigenbrod

Skicross Herren:

  • Tim Fritz
  • Jan Ramsperger
  • Johannes Gutmann

Snowboard Cross Damen:
  • Jana Fischer
  • Anne Bauhof
  • Klara Bauhof

Snowboard Cross Herren:
  • Mathieu Laboureur
  • Paul Berg
  • Marc-Alexander Gaiser


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