Speed-Dating mit Kommunalpolitikern

Frank Zimmermann

Mitarbeiter von der Landeszentrale für politische Bildung laden im Mai ein - zum ersten Politiker-Speed-Dating in den Peterhofkeller der Uni. Bürger sollen in kurzen Vieraugengesprächen herausfinden können, welche Kandidaten der Kommunalwahllisten ihnen gefallen. Oder auch nicht. Über diese neue Form des Wahlkampfs sprach Frank Zimmermann mit dem Leiter der Freiburger Außenstelle der Landeszentrale, Michael Wehner.



Herr Wehner, Dating ist ja eigentlich ein Phänomen, das man aus dem Zwischenmenschlichen kennt. Soll Zwischenmenschliches beim Date mit Politikern auch eine Rolle spielen?

Na klar, Politik wird von Menschen für Menschen gemacht. Aber natürlich wollen wir dieses Dating-Element in erster Linie auf politische Inhalte übertragen; die Politikerinnen und Politiker werden versuchen, ihre Positionen ihren Gegenübern nahe zu bringen. Aber es liegt an den Wählern, die mitmachen, das Eins-zu-eins-Gespräch gleichgewichtig zu gestalten, zum Zuhören zu zwingen und zu sagen: „Hören Sie mal zu, ich will Ihnen mal was von mir erzählen.“

Im Idealfall sollen die Politiker also keinen Kurzmonolog mit den üblichen Floskeln halten.

Genau. Sinn und Zweck ist es, dass die Kandidaten auch einmal von Angesicht zu Angesicht die Sorgen und Belange der Bürgerinnen und Bürger kennen lernen. Ich hoffe, dass couragierte Menschen mitmachen, die die Politiker im Zweifelsfall an ihre Redezeit erinnern. Die Politiker wiederum haben im Vorfeld auch die Befürchtung geäußert, dass die Bürger viel zu viele inhaltliche Fragen stellen, bei denen sie sich bei der Fülle von Themen gar nicht auskennen. Insofern sind auch die Politiker daran interessiert, nicht nur auf Fragen lang und breit zu antworten, sondern einen persönlichen Dialog zu entwickeln.



Waren die Politiker denn gleich Feuer und Flamme für Ihr Format?

Wenn man neue Formate einzuführen versucht - 2004 war es der Politik-Battle -, begegnet man immer erst einmal einer gewissen Zurückhaltung und Reserviertheit. Aber in Wahlsituationen ist es dann auch immer so, dass, wenn Sie einen für Ihre Idee gewonnen haben, die Konkurrenten fast automatisch auch mit im Boot sind. Es nehmen jetzt von jeder der elf Listen zwei Kandidaten teil. Darunter sind nicht nur Nachwuchspolitiker, sondern auch Fraktionsvorsitzende und erfahrene Gemeinderäte. Wer genau mitmacht, wollen wir vorab aber nicht verraten.

Sind alle Fragen erlaubt?

Es soll keine Beschimpfungen und Beleidigungen geben. Wenn sich Politiker öffentlich stellen, sind sie oft recht schnell Anfeindungen ausgesetzt. Das wollen wir ausschließen. Ansonsten sind alle Fragen erlaubt, auch private, weil politische Motivationen ja oft aus privaten Umständen heraus erwachsen.

Wie lauten die Spielregeln?

Wir haben zwei Runden, in jeweils einer Runde können 22 Bürger 22 Listenbewerberinnen und Listenbewerbern begegnen. Die Gespräche werden von einem Zeitwächter überwacht und dauern jeweils vier Minuten. Nach diesen vier Minuten wechseln die Teilnehmer von Politiker A zu Politiker B, dann von Politiker B zu Politiker C - bis jeder alle Bewerber durch hat. Danach kann jeder Teilnehmer auf Karten bewerten, welcher Politiker ihn am meisten inhaltlich überzeugt hat und am sympathischsten rübergekommen ist. Zum Schluss erstellen wir ein Ranking und machen eine Prämierung.

Die Politiker setzen sich dem Risiko aus, öffentlich abgewatscht zu werden?

So ist es. Aber die Neugierde und Experimentierfreude bei den mitmachenden Politikern ist dankenswerterweise offenbar so groß, dass sie sich dem Verfahren stellen.

Wurde das Modell aus der Tatsache heraus entwickelt, dass Politiker gerne zu lang reden und nicht zum Punkt kommen?

Wir wollen mit diesem Verfahren die Dialogmöglichkeit erhöhen und die Gefahr ausschließen, dass man sich in Reden und Vorträgen erschöpft. Natürlich sind der Politikervortrag und die Podiumsdiskussion gute und traditionelle Veranstaltungsideen, aber es muss uns immer auch darum gehen, Neues auszuprobieren und zu entwickeln, auch auf die Gefahr hin, mal mit einen neuen Versuch eine Bauchlandung zu machen.

Könnten solche neuen Wahlkampfformate das Ende von Podiumsdiskussion und Vortrag einläuten?

Das wäre vermessen. Aber ich glaube, dass das Format ganz gut im Dialog mit Jungwählern eingesetzt werden kann. Ich bin zwar nicht der Auffassung, dass andere moderne elektronische Kommunikationsmittel wie Twitter oder Facebook in der bundesdeutschen Parteiendemokratie unbedingt zahlreich von Wählern in Anspruch genommen werden. Aber sie haben Auswirkungen auf Wahlkampfführung und Veranstaltungsformate. Eben deshalb müssen wir uns diesen Medienentwicklungen stellen - die eine oder andere Form wird sich sicherlich als erfolgreich und praktikabel erweisen und Traditionelles ergänzen.

Mehr dazu:



Web
: Landeszentrale für politische Bildung

Was
: Politiker-Speeddating
Wann: Mittwoch, 20. Mai 2009, 19 Uhr
Wo: Peterhofkeller der Uni, Niemensstr. 10
Anmeldung: 0761/20773-0, per Fax 0761/20773-99 oder an freiburg@lpb.bwl.de