Spaziergang mit SPD-Bundestagskandidat Julien Bender durch Landwasser

Marie Schächtele

Julien Bender ist mit 31 Jahren Hoffnungsträger seiner Partei. Bei der Bundestagswahl will er das SPD-Direktmandat zurückholen. Ein Spaziergang mit dem Politiker durch Landwasser – hier hatte die SPD zuletzt viele Stimmen verloren.

Ich biege mit Julien Bender in die Auwaldstraße in Landwasser ein. Wir haben uns in einem Freiburger Stadtteil verabredet, der einst SPD-Hochburg war. Doch bei den letzten Landtagswahlen fuhr hier die AfD ihre besten Ergebnisse ein.


Julien Bender ist 31 Jahre alt und SPD-Bundestagskandidat. Er ist der Hoffnungsträger seiner Partei, die auch zuletzt durch Kanzlerkandidat Martin Schulz einen kräftigen Schub erlebte. Vor dem 60er-Jahre-Hochhaus zu unserer Rechten stehen kahle Bäume. Auf der Wiese um das Haus herum liegt Schnee.

22,2 Prozent für die AfD

Landwasser – hier gewann die rechtspopulistische Partei bei der Landtagswahl im März 2016 22,2 Prozent der Stimmen. Die SPD erhielt nur 16,4 Prozent. Bei der vorangegangenen Landtagswahl vor fünf Jahren waren es noch 29 Prozent gewesen.

Julien blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft. "Die Leute glauben Umfragen zufolge nicht länger, dass die AfD Lösungen hat. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen immer mehr Antworten haben wollen, dann wird es die AfD schwieriger haben", sagt er.

Ein Teil der AfD-Wähler sei nicht in erster Linie fremdenfeindlich, sondern bestehe aus Protestwählern, sagt Julien, "viele Leute haben das Gefühl, dass Politik etwas ist, das weit entschwunden ist, das hat viel mit Ernstgenommenwerden zu tun". Gut sei, dass viele Menschen politisiert würden, weil sie der AfD etwas entgegensetzen wollten. Bender glaubt nicht, dass die AfD bei der Bundestagswahl so gut abschneidet.

Populismus, um auf Stimmenfang zu gehen, gehe quer durch die Parteien. Alle westlichen Demokratien seien betroffen. "Dinge sind hoffähig geworden, die, hätte man sie vorher ausgesprochen, nicht hoffähig gewesen waren", sagt er. "In allen Parteien gibt es einzelne, die sich einen Vorteil erhoffen, wenn sie populistisch agieren. Die Langzeitfolgen ihres Verhaltens kümmern sie nicht, wenn sie kurzfristigen Vorteil haben."

Julien Bender tritt ein großes Erbe an

Die Themen, mit denen der SPDler Julien Bender für sein Direktmandat kämpft: Sozialer Zusammenhalt und sozialer Ausgleich, sozialer Wohnungsbau, Kita-Betreuung, Vereinbarkeit der Berufstätigkeit mit der Familie, gute Bildung, Steuergerechtigkeit, ein starker Staat.

Der 31-Jährige tritt ein großes Erbe an. Gernot Erler, der jetzige Bundestagsabgeordnete, ist seit 1987 für die SPD im Bundestag. Von 1998 bis 2009 hatte er das Direktmandat inne, verlor es. Kann Bender die Fußstapfen füllen? "Ich habe schon viel Erfahrung im politischen Bereich", sagt Julien. Er ist schon lange aktiv in der Politik, sagt er. Mit dem 40 Jahre älteren Gernot Erler hat er lange zusammengearbeitet. Seit drei Jahren ist Bender Vorsitzender der Freiburger SPD. Vier Jahre war er neben dem Studium Kreisvorsitzender der Freiburger Jusos. Außerdem arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Gernot Erlers Bürgerbüro. Als Politiker müsse man sich für viele verschiedene Gebiete interessieren. Nicht das Alter ist ausschlaggebend.

Seit der Schulzeit politisch aktiv

Was Julien alten Politikern auf jeden Fall voraus hat? Den Hiphop. Julien ist Hiphop-Fan. "Im Hiphop geht es um viele Themen, die die Jugend bewegen, deswegen nimmt er auch Leute mit, nicht so nahe an der Politik sind", sagt er, "da genauer hinzuhören, hilft schon auch".

Seit der Schulzeit engagiert er sich politisch. Ging auf eine evangelische Ganztagsschule mit Internat in Michelbach bei Schwäbisch Hall. Dort war er in der SMV aktiv. Nach der Schule arbeitete er als Zivi in einer schulpsychologischen Beratungsstelle. In dieser Zeit begann er, sich in der SPD zu engagieren, machte Wahlkampf. Sein Studium der Fächer Politik, Geschichte und Deutsch ging er noch mit dem Ziel an, Lehrer zu werden. "Lehramt läuft mir nicht davon, das kann ich auch noch später machen", sagt er nun.

Die Art, Politik zu machen, habe sich verändert

"Ich hoffe, durch die Kandidatur zu zeigen, dass junge Leute politikinteressiert sind", sagt Bender, "ich stehe für eine Generation, die jetzt auch aktiv werden muss, die Verantwortung übernehmen will". Und die Politikverdrossenheit? "Ich erlebe schon die Frage: Wo kann ich? Man will nicht in Parteien, aber verfolgt die Politik trotzdem", sagt er, "Parteien ist es noch nicht gelungen, da das richtige Angebot zu machen." Die Art, Politik zu machen, habe sich verändert.

Julien ist der Meinung, Parteien müssten auch auf unetablierte Institutionen und Projekte eingehen. Was der Grünhof mache, finde er unheimlich spannend. Dabei sei die IHK bei der SPD vielmehr im Fokus.

Bender versteht Politik als ein Zusammenspiel und den Politiker als einen Mittler. Politiker müssen zuhören, verstehen und das Gehörte in politische Prozesse transportieren. Politik müsse ehrlicher werden, es dürfe nicht immer nur ums Gewinnen gehen. Politiker müssten selbstbewusster sein – "von wegen, man muss nicht alles richtig machen, aber ich probiere aus", erläutert er. Weil es heute zum Beispiel sehr viel mehr Wissen als früher gäbe. "Politik muss ein Stück des Glanzes verlieren", sagt er, "je geleckter Politik ist, umso mehr entfernt sie sich".
Kandidaten 2017
Am 24. September 2017 wird die Zusammensetzung des 19. Deutschen Bundestags gewählt. Jede Wählerin und jeder Wähler kann eine Erst- und eine Zweitstimme vergeben. Mit der Erststimme wählt er einen Kandidaten, mit der Zweitstimme eine Partei. Die Freiburger SPD hat Julien Bender als Kandidaten bestimmt, für die CDU tritt Matern von Marschall an. Für die FDP geht Adrian Hurrle ins Rennen, für die Freiburger Grünen bewirbt sich Kerstin Andreae erneut für das Direktmandat.

Julien Bender
Der 31-Jährige aus Esslingen ist Hiphop-Fan und findet, dass es dem Hiphop gelingt, Leute, die nicht so nahe an der Politik sind, mitzunehmen. Dass er angelt, ist ihm peinlich und er rechtfertigt sein Hobby mit "Marteria angelt auch". Außerdem kickt er gerne, packt abends gerne sein Board ins Auto und geht flutlichtsnowboarden. Er ist generell viel im Schwarzwald unterwegs und fotografiert.