Spaßbremsen vorm Konzerthaus

Adrian Hoffmann

Heute wollten wir euch ein WM-Straßentheater-Spezial anbieten. Daraus wird aber leider nix. Menschen mit gelben Bändern um den Hals und VIP-Aufschrift auf Plastikschildern haben mir so ziemlich alles verboten, was ich eigentlich vorhatte, bevor ich mit der Kamera in die Nähe des echten WM-Pokals durfte. Um ehrlich zu sein: Das ist ein klein wenig übertrieben!



Das Skurrilste an der Sache ist: Die vielen Menschen, die heute durch das eckige Zelt vor dem Konzerthaus laufen, sind extra angewiesen worden, Abstand vom Pokal zu halten, und, ganz wichtig: Die Hände unten zu halten. Sonst greifen die Securitymänner ein, es könnte ja jemand den Pokal berühren wollen. Sie dürfen sich also nicht mal neben dem Pokal freuen, mal jubeln, mal Weltmeister spielen, mal einen Kussmund machen. Mein Gott, ich dachte, vor der WM soll das Land in eine euphorische Stimmung versetzt werden - wieso darf man dann nicht neben dem Pokal jubeln?


Wenigstens kriegen die Leute nach dem Durchlauf, der aussieht wie eine Schlange vor einer Europapark-Attraktion, ein Polaroidfoto von sich in die Hand gedrückt. Sogar kostenlos. Sind halt nur ein bisschen langweilig, hat so was von einem Foto für die Verbrecherkartei. Bevor ich mit anderen Presseleuten in den heiligen Raum durfte, wurde ich zurechtgewiesen: "Nicht anfassen. Ich passe auf." Mensch, da sind die Securityleute im Petersdom lockerer drauf. Natürlich besteht immer die Gefahr, dass der Pokal geklaut wird, aber man darf doch wenigstens gut drauf sein, oder nicht?



Leslie Iyama ist garantiert gut drauf, den restlichen Tag, soviel steht fest. Der achtjährige Drittklässler der Karolin-Kaspar-Schule hat die ersten beiden von sechs WM-Tickets gewonnen, die heute während der Veranstaltung vor dem Konzerthaus verlost werden. Er hat beim Fußballendlosspiel, bei dem Schulklassen und Vereinsjugendgruppen mitmachen, auf einem kleinen, von großen Netzen umgebenen Platz, das 76. Tor geschossen. Wen er als zweiten Mann zum WM-Spiel mitnimmt, steht für ihn schon fest: "Meinen Bruder." Darüber ist sein Lehrer Hans Georg Britz-Mauch etwas enttäuscht, akzeptiert aber natürlich letztlich die Entscheidung.