Spargelzeit in der Gerücheküche

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass Spargel nicht nur teuer und harntreibend, sondern auch manchmal sehr geruchsintensiv ist? Das zu dieser Jahreszeit sehr beliebte Frischgemüse bewirkt bei manchen Menschen nicht nur die ihm zugeschriebene aphrodisierende Wirkung, auch weniger angenehme Effekte in der gleichen Körpergegend können auftreten.

Der Spargel (botanisch: Asparagus officinalis) enthält selbst keine unangenehm riechenden Substanzen, werder im rohen noch im gekochten Zustand. Jedoch sind viele der darin enthaltenen Aromastoffe, wie die Asparagussäure und diverse Ester (unter anderem Dithiolancarbonsäuremethylester; wer das genauer nachlesen will, kann dies

hier tun.), chemisch auf dem Element Schwefel aufgebaut.


Nun liegt es an der genetischen Ausstattung des Spargelessers: Nur ungefähr 40 Prozent aller Menschen sind in der Lage, diese schwefelhaltigen Substanzen effektiv in ihrem Verdauungstrakt aufzuspalten. Wer dazu veranlagt ist, produziert unter anderem  Methanethiol, Dimethylsulfid und Dimethylsulfoxid. Diese Abfallprodukte werden wegen der harntreibenden Wirkung des Spargels recht schnell wieder ausgeschieden. Und dieser Urin hat dann eine leichte Note zwischen läufigem Kater und krankem Stinktier.

In diesem Jahr begann die Spargelsaison zwar ungewöhnlich, jedoch nicht rekordverdächtig früh. Im Jahr 1986 wurde der erste Spargel schon Anfang März gestochen. Damals war die Saison allerdings wegen

ungünstiger äußerer Einflüsse schon Ende April beendet.