Spannung! Spiel! Und Second Life!

Christoph Müller-Stoffels

Second Life absurd! Wer hat in seiner Kindheit nicht mal Vater-Mutter-Kind gespielt? In Second Life ist dieses Spiel en vogue bei Erwachsenen, die wieder zu Kindern werden – in jeder Hinsicht. Außerdem muss der Begriff "blöde Frage" neu definiert werden.



Kopfschüttelnd gehe ich durch die "Lego Land Kids Mall". Vielleicht habe ich Second Life tatsächlich noch nicht verstanden, denke ich. Hier gibt es zu kaufen, was das Kinderherz erfreut, in erster Linie Klamotten und Bettwäsche. Über den beiden Eingängen prangen riesige Lego-Figuren, die eher abschreckend als einladend wirken.


Welches Interesse hat Lego an der Präsenz in der virtuellen Welt? Wollen die nur Flagge zeigen, dem olympischen Gedanken folgend? Oder sollen bald virtuelle Bausteine auf den Markt kommen? Mal nachfragen. In München. Bei Lego Deutschland. Die Dame, nennen wir sie Frau Lego, scheint etwas irritiert.

Frau Lego: (sich vor tastend) "Second Life? Was ist das denn genau?"
Ich: "Das ist so eine virtuelle Welt."
Frau Lego: (forschend) "Wie ebay oder so?"
Ich: (beschwichtigend) "Äh... nicht ganz. Es ist eine tatsächliche virtuelle Welt, wo man mit seinem Avatar..."
Frau Lego: (freudig verstehend) "Avatar, klar, kenne ich!"
Ich: "...herumlaufen kann."
Frau Lego: "Können Sie mir da mal einen Link schicken? Ich schau mir das mal an und rufe Sie morgen zurück."

Ich erläutere ihr den großen Haken an ihrem Vorhaben, "sich das mal eben anzuschauen".

Frau Lego: "Wissen Sie, vielleicht kommt das gar nicht von uns, sondern von einem Spielwarenverkäufer, der auch Lego anbietet." Ich stimme zu und denke mir: unwahrscheinlich!

Auf meinem Rundgang treffe ich eine Frau, die mit ihrem Kind unterwegs ist, zum shoppen, versteht sich. Was denn das alles hier sei, frage ich sie, wohl wissend, dass die Frage ein bisschen doof ist. "Eine Shopping-Mall." Ja, weiß ich, aber wer braucht das Zeug. Die zweite blöde Frage. "Hier sind auch Kinder-Avatare." Ach so, dabei dachte ich, SL sei nur für Erwachsene. "Das sind nur Erwachsene, die Kind spielen." Ach so, und die brauchen dann Kinder-T-Shirts und Kinder-Bettwäsche? Entnervt über so viel Einfalt lässt sie mich stehen und ruft dem Kind zu: "Komm, wir shoppen weiter."

Während sie in einer der knallig bunten Einkaufsnischen verschwinden, grübele ich weiter. Nicht nur Lego ist hier vertreten. Auch Disney-Utensilien kann man kaufen. Wobei die Marke eigentlich Dizney ist, mit dem Zusatz versehen, man wolle keine Rechte verletzen. "Wir wollen sein, wie die Kinder", sagt der Kabarettist Rainald Grebe in einem seiner Stücke, "nämlich dumm und einsdreißig." Ob er das damit gemeint hat? Jedenfalls bin ich mir jetzt fast sicher, Second Life noch nicht verstanden zu haben.