Sozialkritik zu pumpenden Bässen: Interview mit Akua Naru

Lucas Dueck

Ihre Mischung aus Hip-Hop und Jazz erinnert an die Musik von Lauryn Hill oder Bahamadia. Am Samstag spielt Akua Naru im Jazzhaus Freiburg. fudder-Autor Lucas Dueck hat mit ihr gesprochen:



Du warst gerade in Marseille. Was hast Du da gemacht?

Akua Naru: Ich habe mich mit Terence Nance und Shawn Peters getroffen, um einen Film zu drehen. Es wird ein Kurzfilm, inspiriert durch eine Liebesgeschichte auf meinem neuen Album "The Miner’s Canary". Terence hat ein fantastisches Drehbuch geschrieben. Die Geschichte handelt von westafrikanischen Immigranten im Süden Frankreichs. Eigentlich wollte ich auch noch Sista Ka vom Watcha Clan treffen, aber da wir bis vier Uhr morgens am Set waren, hat das leider nicht geklappt.

2011 hast Du Dein erstes Studio-Album "The Journey Aflame" herausgebracht. Warst du davor schon musikalisch aktiv?

"The Journey Aflame" war zwar meine erste offizielle Veröffentlichung, aber ich habe schon Jahre vorher Musik aufgenommen. 2006 hatte ich ein Album, das ich auf der Straße verkauft habe. Und geschrieben habe ich mein ganzes Leben lang. Ich würde mich als Poetin bezeichnen, Hip-Hop ist nur eine Ausdrucksform für mich. Wenn man die Musik ausmacht, könnte ich die Party immer noch a cappella rocken.

Du bist viel gereist, unter anderem durch Amerika, Asien und Afrika. Was hat Dich am meisten beeindruckt?

Wenn man die Welt mit offenen Augen bereist, sieht man wie groß die Probleme sind. Vor anderthalb Jahren habe ich zusammen mit meiner Band ein Flüchtlingslager in Jordanien besucht. Das war beispielsweise eine sehr einschneidende Erfahrung. In Brasilien war ich sechs Wochen auf Tour und hatte genug Zeit, Menschen zu treffen und Zeit mit ihnen zu verbringen.

Siehst Du Dich als politische Aktivistin?

Ich sehe mich als jemand, der mit offenen Augen durchs Leben geht. Es gibt einfach eine Menge Dinge, mit denen ich nicht einverstanden bin. Und ich fühle mich verantwortlich, darüber zu sprechen. Musik ist eine Waffe, mit der man Ideen voranbringen kann. Die Leute werden auch offener für die Message, wenn sie die Melodie mögen. Selbst wenn man die Sprache nicht versteht, kann man die Energie spüren. Musik ist eine eigene Sprache. Aber ich versuche nicht nur durch Musik etwas zu verändern - ich gebe auch Kurse an Universitäten über Feminismus oder die afroamerikanische Kultur.

Du gibst Unterricht, drehst derzeit einen Kurzfilm und machst Musik. Gibt es noch etwas, das Du gerne machen würdest?

Ich werde in Zukunft wahrscheinlich mehr schreiben. Vielleicht einige politische Essays. Und gerade habe ich angefangen wieder zu unterrichten - am Institut für Populäre Musik der Folkwang Universität. Es macht mir einfach Spaß mit Menschen zu arbeiten. Und ich bin gerne in einer Umgebung, in der mein Geist gefordert wird. Wenn man unterrichtet, lernt man auch.

Welche Künstler haben Dich inspiriert?

Toni Morrison würde mir da zuerst einfallen. Sie ist eine Autorin - eine Intellektuelle - ein Genie. Ich habe ihre Bücher immer wieder gelesen. Ich denke, sie hat mich mehr inspiriert als jeder andere Künstler. Tracy Chapman mag ich auch sehr gerne, da sie gute Geschichten erzählt. Sie ist eine großartige Autorin und Musikerin. Lauryn Hill, Nina Simone oder The Roots haben mich auch sehr beeinflusst. Mit The Roots würde ich zum Beispiel sehr gerne eine Tour machen.

2011 warst Du mit Lords of the Underground auf Tour. Wie war das für dich?

Sie haben mich eingeladen auf ihrer Tour zu spielen. Das war echt cool - mehr noch die Zeit, die wir zusammen verbracht haben, als die Auftritte selbst. Sie studieren Geschichte und ihre Texte sind sehr tiefgründig. Wir haben über Politik und Geschichte diskutiert und ich konnte viel von ihnen lernen. Ich habe das sehr genossen.

Warst Du schon mal in Freiburg?

Ja, ich mag die Stadt sehr. Ich habe drei, vielleicht vier Mal in Freiburg gespielt und die Crowd ist jedes Mal durchgedreht. Ich freue mich immer darauf dort aufzutreten.

Mehr dazu:

Was: Akua Naru - "The Miner's Canary" Release Tour
Wann: Samstag, 28. Februar 2015, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg, Schnewlinstraße, 79098 Freiburg [Foto: PR]