Southside 2011: Sonne, Regen, Wolkenbruch

Josepha Schweizer

Matschepampe? Dann warst du vergangenes Wochenende bestimmt auch auf dem Southside in Neuhausen ob Eck! Gemeinsam mit 50.000 anderen Schlammcatchern, die auf dem Rasen Flunky Ball spielten und sich die gummibestiefelten Füße am Lagerfeuer wärmten. Und mittendrinnen: Josepha, die das Festival für uns zusammengefasst hat.



Los ging's beim Southside erst mal wieder mit Warten. Erst in der Sonne. Dann im Regen. Dann im Regenguss. Dann: Bändlein um, Zelt aufbauen und das erste Bier öffnen. Und schon scheint die Sonne wieder, und zwar nicht nur im Herzen.


Bekanntlich treten beim Southside jegliche geltenden Wetterregeln außer Kraft, so war auch dieses Jahr wieder das Wochenende über alles dabei: Platzregen, knallende Sonne und Wolkenspektakel. Teilweise sogar in viertelstündlichem Wechsel, versteht sich. Doch die Besucher, die letztes Jahr schon von "much too Matsch" verwöhnt wurden, und alle anderen Feierwütigen ließen sich natürlich nicht von dem bisschen Matsch unterkriegen. Zumal das Wetter am Freitag überraschenderweise erstaunlich gut war: Im – noch – trockenen Gras konnte perfekt Flunky Ball gespielt werden. Verfeinert wurde die Stimmung durch viele musikalische Menschen mit Mundharmonika, Gitarre und improvisierten Trommeln.



Doch schon Abends mussten die Fans der Foo Fighters (nicht zu vergessen: jene der Subways und von Clueso auf der Blue Stage) großes Durchhaltevermögen beweisen: ein Wolkenbruch nach dem anderen suchte das Festival heim - inklusive eisigem Wind. Sogar Dave Grohl staunte angesichts des Wetters nicht schlecht: "What the fuck is that?", und lieferte dem pitschnassen Publikum eine geniale Bühnenshow.

Am nächsten Morgen dann: ein Bild der totalen Zerstörung. 97 Prozent der Pavillons hatten die Nacht nur stark beschadet überlebt, konnten aber vermittels des Allround-Helfers Duck Tape so einigermaßen wiederhergstellt werden. Schließlich geht nichts über ein gemütliches Beisammensein im warmen Pavillon, wo man sich die Hände und die schlammbespritzten Gummistiefelfüße am Feuer wärmen kann.



Samstag- und Sonntagmittag wurde dann - Petri sei Dank - gut zu den verschiedensten Bands gefeiert. Wie beispielsweise Irie Révoltés, die mit ihrer Mischung aus Reggae, Hiphop und Ska gute Stimmung bis in die hinteren Reihen erzeugten, oder Gogol Bordello, die als bunte Multikulti-Truppe und mit einem musikalischen Mix aus Reggae, Balkan-Ska und Gypsypunk die inzwischen schlammverschmierte Menge mitriss. Auch der Regen am Samstagabend hinderte die meisten Fans nicht daran, zu Arcade Fire und den Chemical Brothers zu feiern. Natürlich hätte man sich am liebsten dreigeteilt, um keines der Konzert zu verpassen.

Gerade Sonntagabend fiel es schwer, Prioritäten zu setzen und sich unter den letzten Konzerten zu entscheiden. Für mich persönlich war die White Stage ein Volltreffer: Chase & Status ließen das Herz eines jeden D'n'B- und Dubstep-Liebhabers höher schlagen. Und Digitalism sorgte mit seinen dröhnenden Bässen für einen krönenden Abschluss und übermäßig gute Lauen - sodass sich sogar das stundenlange Warten auf dem Parkplatz aushalten ließ.