Soul Kitchen: Fatih Akin präsentiert neuen Film in der Harmonie

Jennifer Bormann

"Kurz und schmerzlos", "Gegen die Wand" und "Auf der anderen Seite": der Hamburger Regisseur Fatih Akin ist ein Garant für packendes zeitgenössisches Kino über das multikulturelle Deutschland. Morgen stellt Akin seinen neuen Film "Soul Kitchen" in zwei Sälen des Harmonie-Kino vor, zehn Tage vor dem offiziellen Filmstart.



Küchen sind in den letzten Jahren zu beliebten Haupt- und Nebendarstellern in Filmen geworden: „Bella Martha“ und das US-Remake „Rezept zum Verlieben“, „Ratatouille“, „Schnitzelparadies“, „Julie & Julia“ und jetzt Fatih Akins „Soul Kitchen“. Die Zutaten sind häufig exzentrische Köche, zauberhafte und einfallsreiche Rezepte, die im Grunde nur dazu dienen, sie in köstliche improvisatorische Variationen zu verwandeln und den Koch zur Höchstform auflaufen zu lassen, und weitere verschrobene Charaktere, die das Chaos in Küche und Leben aller Beteiligten perfekt machen.


Fatih Akin ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Filmemacher in Deutschland und wenn man an deutsch-türkische Geschichten, Migrationsthemen und engagiertes Integrationsbemühen denkt, ist er der Mann, der einem in den Sinn kommt.

Der Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Schauspieler ist in Hamburg Altona geboren und aufgewachsen. Seine Eltern kamen in den 1960ern dem Ruf nach Gastarbeit nach und sind bis heute, wie zahlreiche andere Einwandererfamilien dieser Zeit, hier geblieben, auch wenn sie ursprünglich nur einige Jahre bleiben wollten, oder wie Akins Vater im Dokumentarfilm gleichen Namens sagt: „Wir haben vergessen zurückzugehen“ (2001).



Mit 20 Jahren beginnt Akin bei einer Filmproduktionsfirma in seiner Heimatstadt mitzuarbeiten und zeitgleich sein Studium „Visuelle Kommunikation“ an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, das er 2000 abschließt.

Relativ schnell mit seinen Kurzfilmen und dem ersten abendfüllenden Spielfilm „Kurz und schmerzlos“ über fiktive Hamburger Gangmitglieder zeichnet sich in seinen Drehbüchern und Spielfilmen bereits früh ein zentrales Thema ab: die Multikultigesellschaft in Deutschland, Integration, Migration und der positive Output aus der Vermischung verschiedener Kulturen zu außergewöhnlichem Neuen.

Auch dafür steht seine „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie – bisher erschienen „Gegen die Wand“ (2004) und „Auf der anderen Seite“ (2007), beides auf mehreren Festival ausgezeichnete Produktionen.



„Soul Kitchen“ handelt von dem Hamburger Griechen Zinos (Adam Bousdoukos), dessen Kneipe eher schlecht als recht läuft. Seine Freundin Nadine (Pheline Roggan) zieht nach Shanghai und Zinos selbst erleidet einen Bandscheibenvorfall.

Es muss also erstmal ein neuer Koch her: der gerade gefeuerte Sternekoch Shayn (Birol Übel) vertreibt dann aber mit seiner ganz eigenen Art und Kochkunst auch noch die bisherigen Stammgäste. Illias (Moritz Bleibtreu), Zinos kürzlich aus dem Gefängnis entlassener Bruder, bringt dessen Leben dann auch noch völlig aus dem Ruder. Nach und nach aber entwickelt sich „Soul Kitchen“ zum Geheimtipp und lockt immer mehr Menschen an. Allein Glück dauert nicht ewig…

Aktuell ist Akin außer mit „Soul Kitchen“ auch mit seiner konsequenten Absage an eine persönliche Vorstellung seines Films in der Schweiz aufgrund des Minarett-Streits im Gespräch. In einem offenen Brief an die Schweizer Presse schreibt er: „Dieser Volksentscheid widerspricht meinem Verständnis von Humanismus, Toleranz und dem Glauben daran, dass ein harmonisches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse und Religion möglich sein muss. Da ich Kind moslemischer Eltern bin, die in Minaretten keinen politischen Islam, sondern lediglich die vollständige Architektur ihrer Gotteshäuser sehen, fühle ich mich durch den Volksentscheid auch persönlich betroffen.“



Trailer: Soul Kitchen

Quelle: YouTube

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Mehr dazu:


Was:
Fatih Akin präsentiert "Soul Kitchen"
Wann: Dienstag, 15. Dezember 2009, 21 Uhr und 21:15 Uhr
Wo: Harmonie, Freiburg
Tickets: ausverkauft!
Filmstart: 25. Dezember 2009 [Fotos: © corazon international / Gordon Timpen; Achim Kröpsch]