Sorry Freiburg, wegen mir hast Du zwei deiner schlüpfrigsten Straßennamen verloren

Felix Klingel

Wo Lümmelweg und Phalluspfad in die Möslestraße führen: Unser Autor wollte wissen, woher die Wege vor seinem Haus so schlüpfrige Namen haben. Doch dann verschwinden die Straßen während der Recherche plötzlich von der Karte.

In Essen führt die Tangabucht direkt zum Katholischen Pfarramt St. Paulus. Angestellte eines Lidl in Karlsruhe laufen nach Dienstende über den Feierabendweg zur gleichnamigen Bahnstation. Und wie es im Strullerweg im bayrischen Landsberied riecht, nun ja …


In Freiburg dagegen, nun in Freiburg bietet das Thema Straßennamen bisher wenig Quellen der Freude. Stattdessen prüfte eine Expertenkommission emsig alle Straßennamen auf ihre historische Korrektheit. Nur die Möslestraße neben der alten Stadthalle dürfte schon Vorlage für den ein oder anderen Pennälerwitz gewesen sein. Und so einen hat sich vermutlich auch ein Mitarbeiter bei Google Maps erlaubt. Aber von vorne.

Wo Lümmelweg und Phalluspfad in die Möslestraße führen

Vor einigen Monaten besuchte mich ein Freund von außerhalb in meiner Wohnung in der Freiburger Oberwiehre. Offiziell liegt das Haus an der Schützenallee, tatsächlich ist es aber über ein namenloses Sträßchen hinter dem Zentrum Oberwiehre zu erreichen, das besagter Freund natürlich nicht kannte. Also googelte er sich den Weg zu mir. Und offenbarte bei der Ankunft mit einem Grinsen, dass ich ja eigentlich am Lümmelweg wohne.

Ungläubig tippte ich den Namen ins Google-Suchfeld. Tatsächlich: Ein Teil des von mir als namenlos geglaubten Weges war auf Google Maps als Lümmelweg benannt. Und mehr noch, der Lümmelweg führt direkt zum Phalluspfad (höhö!), welcher dann in – jawohl – die Möslestraße führt. Der 16-Jährige in mir will laut lachen, der Journalist in mir ist skeptisch.



Recherche bei der Stadt: eine Sackgasse

Keine Stadtverwaltung in Deutschland würde diese Namen absegnen, denn das könnte eines gefährden: die Beamtenlaufbahn (eine kleine Sackgasse in Norderstedt bei Hamburg). Also Anfrage bei der Stadt Freiburg: Gibt es den Lümmelweg und den Phalluspfad wirklich? Und wenn ja, wer ist dafür verantwortlich? "Laut der offiziellen Straßen-, Platz- und Wegverzeichnisse gibt es weder einen Lümmelweg noch einen Phalluspfad", so Rathaussprecherin Martina Schickle. Eine Sackgasse.

Wie kommen sie dann zu Google Maps? Tatsächlich gibt es die Namen auf keinem anderen Kartendienst wie etwa Open Street View oder Here Maps. Zeit, bei Google nachzufragen. Die erste Mail an die Pressestelle von Google bleibt unbeantwortet. Die Zweite auch.

Plötzlich sind die Namen auf der Karte verschwunden

Dann ist der Lümmelweg und der Phalluspfad plötzlich nicht mehr auf Google Maps zu finden. Die Mails sind also angekommen. Zurückmelden tut sich Google trotzdem nicht – eine Telefonnummer für Presseanfragen gibt es nicht. Und ich Dödel habe keinen Screenshot gemacht.

Netterweise hilft mir Google selbst, die (ehemalige) Existenz des Lümmelwegs und des Phalluspfads zu belegen. Eine Google-Suche ergibt mehrere Treffer für die Straßen in Freiburg. Auf willwissen.net etwa, dem hässlichen Bruder von gutefrage.net, steht die Frage: "Wo reihen sich in Freiburg Lümmelweg, Phalluspfad und Möslestraße dicht aneinander?".

Google baut falsche Straßen als Kopierschutz in seine Karten ein

Ebenso sind auf anderen Seiten ein Spielplatz und Toiletten beim Lümmelweg eingetragen. Und von meiner Anfrage an die Stadt Freiburg habe ich noch einen Wegbeschreibung, die die Straßen ebenfalls enthält. Gotcha, Google!

Aber warum hat der Konzern die Straßen plötzlich gelöscht? Wahrscheinlich, weil es sie nie gegeben hat. Wie das Technikportal chip.de berichtet, gibt es auf Google Maps einige erfundene Straßen – teilweise soll es sogar ganze Orte geben, die frei erfunden sind. Die sogenannten "Trap Streets" oder "Paper Towns" sind als Kopierschutz in das System eingebaut.

So funktioniert der Kopierschutz

Sollte ein anderer Kartendienst die Straßen plötzlich haben, merkt Google so schnell, dass seine Datensätze kopiert wurden. In Freiburg hat sich ein Google-Mitarbeiter vermutlich einen Scherz beim Einbauen dieser Trap Streets erlaubt und zur Möslestraße noch den Lümmelweg und den Phalluspfad hinzugedichtet.

Nachprüfen lässt sich das nicht, Google scheint keine Auskunft geben zu wollen. Ein letzter Anruf beim deutschen Google-Vertriebsbüro in Hamburg führt in eine automatische Warteschleife, die mich nicht zu einem menschlichen Ansprechpartner durchstellen will. Vielleicht gibt es dieses Büro auch gar nicht, die Adresse, bei der es angeblich ansässig ist, könnte durchaus als Trap Street durchgehen: die ABC-Straße.

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