Sophie studiert (9): Ich hab da mal 'ne sehr dumme Frage!

Sophie Passmann

Sophie braucht eure Hilfe: Sie ist Ersti und hat vieles nicht kapiert. Heißt es Tutorat oder Tutorium? Darf man sich in der Mensa Nachschlag holen? Wo ist das KG IV? Noch dümmer sind nur die wachkomatösen Kommilitonen, die jetzt nach Passwörtern fragen. Könnt ihr helfen?



In der Schule hieß es ja immer, es gäbe keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. Das ist natürlich Quatsch; es gibt unfassbar viele, unfassbar dumme Fragen und spätestens in der Uni lässt man Dich spüren, wenn Du eine von ihnen gestellt hast.


Es gibt aber auch Fragen, die sind nur dann dumm, wenn das Timing nicht stimmt. In der ersten Woche des Studiums ist es zum Beispiel völlig in Ordnung, zu fragen, wo das KG IV ist. Im dritten Semester allerdings wäre die selbe Frage nicht mehr in Ordnung, sie wäre nur noch dumm.

Es gilt quasi: es gibt dumme Fragen, aber sie sind noch erträglich dumm, wenn Du sie rechtzeitig stellst. Wir Erstis waren in den ersten Wochen ja sehr damit beschäftigt, cool, allwissend und auf keinen Fall wie Erstsemester zu wirken, deswegen haben wir an mancher Stelle bestimmt die ein oder andere Frage nicht gestellt, aus Angst, besonders ungebildet oder kindisch zu wirken. Früher oder später rächt sich das.

Ich habe einen sehr netten Kommilitonen, den ich in der zweiten Woche des Studiums kennen gelernt habe, wir trinken in der Mensa ab und zu Kaffee und unterhalten uns gerne. Ich habe mir im ersten Gespräch, das wir je führten, seinen Namen nicht gemerkt und mich anschließend nicht getraut, nachzufragen. Ich wollte nicht, dass er mich für unaufmerksam oder desinteressiert hält. Jetzt kenne ich ihn mittlerweile 2 Monate, sehe ihn mindestens einmal die Woche und weiß immer noch nicht, wie er heißt. Sollte der Schwindel jemals auffliegen, werde ich vor Scham vermutlich die Stadt verlassen.

Es gab da aber auch diesen Typen, der in der siebten (!) Statistik-Vorlesung dann mal nachfragte, „was dieses komische E“ bedeute. (Er meinte das Summenzeichen). Diese Frage ist sehr grenzwertig und hat ein sehr kleines Zeitfenster, ich glaube, es schließt sich zu Ende der 11. Klasse.

Es gibt noch mehr ungeklärte Fragen in unseren Ersti-Köpfen: Heißt es „Tutorium“ oder „Tutorat“? Was sind die „roten Dosen“, von denen das Rechenzentrum spricht, wo sind sie? Wie genau schreibe ich eigentlich ein Exzerpt? Darf ich mir in der Mensa einfach so einen Nachschlag holen? Wie spricht man den Nachnamen vom Dozenten nochmal aus? Erst letzte Woche habe ich mitbekommen, wie ein Kommilitone nach dem ILIAS-Passwort für den Kurs fragte, den er besucht. Ohne dieses Passwort kommt man weder an Lektüre, noch an Folien oder Arbeitsblätter für den Kurs. „Ich weiß, das ist voll peinlich, aber ich hab’s mir in der ersten Stunde nicht aufgeschrieben…“ Ich fand diese Fähigkeit, die ersten 8 Wochen des Studiums nahezu wachkomatös zu verbringen, eigentlich beeindruckend.

Ich denke, letztendlich gibt es nur einen Weg, Antworten auf solche zu spät gestellten Fragen zu bekommen, ohne sich zu blamieren: Man schreibt sie in eine Kolumne und hofft, dass die Leute in den Kommentaren sie beantworten.

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

Mehr dazu:

[Foto: JenkoAtaman/Fotolia.com/ Foto 2: Jule Markwald]