Sophie studiert (6): "Oh Shit - Prüfungsanmeldung vergessen!"

Sophie Passmann

Und was machst du, wenn du mal wieder eine Prüfungsanmeldung verpasst hast? Fudder-Kolumnistin Sophie rät von der Standard-Ausrede "naher Verwandter gestorben ab". Sie hat von einer besseren Lösung gehört: dem Poststempel-Trick!



In meiner ersten Woche an der Uni hatte ich große Sorge: Prüfungsanmeldungen müssen die schwerste Sache der ganzen Welt sein, dachte ich, wie soll ich das jemals schaffen?


Eine charmante Dame hatte an meinem ersten Tag an der Uni die Aufgabe, uns, einem Audimax voller ängstlicher junger Menschen, zu erklären, was wir die nächsten drei Jahre so an dieser Uni zu tun und zu lassen haben. (Prüfungen belegen: wichtig! Prüfungen nicht machen: schlecht!)

Sie hätte alles schon erlebt, sagte sie. Wir könnten uns gar nicht vorstellen, auf welche Ideen manche Studenten kämen. Manchmal würde sie fast vom Glauben abfallen. Und dann dieser Satz: „Ich möchte Sie NOCHMALS darauf hinweisen, dass manche Kurse eine Prüfungsleistung sind, für die Sie sich ANMELDEN müssen. Im Gegensatz zu STUDIENLEISTUNGEN müssen sie sich für die Klausur dort anmelden und erhalten auch eine NOTE!“

Ich kann diesen Satz noch auswendig, noch auf dem Sterbebett werde ich sie zitieren können, denn sie hat ihn etwa acht Mal wiederholt. Beim ersten Mal ging noch ein ehrfürchtiges Rascheln durch den Hörsaal, weil die Studenten merkten, dass jetzt irgendeine Information kam, die sich lohnte, aufzuschreiben.

Prüfungsleistungen, ja, das klang irgendwie wichtig. Mama wäre nicht begeistert, würde man das verpassen. Ein junger Mann in einer Reihe vor mir hat sich buchstäblich vier Erinnerungen in sein Handy eingespeichert, die etwas wie „Prüfungsanmeldung schon gemacht????!!!!“ als Text hatten. Ich hoffe wirklich, er hat es geschafft.

Einer meiner Professoren bezeichnete in einer Vorlesung die Prüfungsanmeldung als „die erste Hürde in der natürlichen Auslese von Studenten“. Die natürliche Auslese sieht übrigens so aus, dass man auf einer Homepage zwei Häkchen setzt. Selbst ich habe es geschafft!

Ich stelle auch die steile These auf, dass man schon in ein zweiwöchiges, spontanes Koma fallen muss, um seine Prüfungsanmeldung zu verpassen. Es ging eine verdammte Rundmail rum!

Trotzdem sind „Prüfungsanmeldung verpasst“ die beliebtesten urban legends auf dem Campus. Den Tod eines nahen Verwandten als Grund vorzuschieben, wird bei Experten als unkreativ verpönt.

Eine ehemalige Studentin hat mir gestanden, dass sie mal eine Postbeamtin mit Tränen und einem 5 Euro-Schein bestochen haben, ihr einen Poststempel vom Vortag auf ihre Unterlagen zu drücken. „Sonst verliere ich ein ganzes Jahr“, soll sie geschluchzt haben. Und es soll funktioniert haben. (Sie lag zur Zeit der Prüfungsanmeldung übrigens nicht im Koma, ich habe extra nachgefragt.)

Falls ihr diese Kolumne grade lest und merkt, dass ihr euch nicht angemeldet habt: Die Frist ist vorbei, sorry. Aber versucht es bei der Prüfungskommission doch mal mit dem Tod eines nahen Verwandten, die kennen das da schon.

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

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[Foto 1: Fotolia/Photographee.eu; Foto 2: Jule Markwald]