Sophie studiert (5): Wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist...

Sophie Passmann

Monatsende, das ist doch der letzte Tag des Monats, nicht? Nein, für Erstis wie Sophie ist es dann, wenn das Geld alle ist - also manchmal schon zur Monatsmitte. Wie man sich dann über Wasser hält, erklärt sie in ihrer Kolumne:



„Monatsende“ ist ein sehr dehnbarer Begriff für Studenten. Offensichtlich scheint er nicht, wie in der normalen Welt, dafür zu stehen, dass der Monat zu Ende geht. Monatsende kann bei uns eigentlich immer dann sein, wenn die Vorkommastelle auf dem Konto einstellig wird. Das funktioniert ähnlich willkürlich, wie in der akademischen Zeitrechnung auch mit Viertelstunden um sich geschmissen wird.

Letztens stand ich in der Schlange vom UB-Café hinter einer Frau, die an der Kasse merkte, dass auf ihrer UniCard kein Guthaben mehr war. Als sie gefragt wurde, ob sie neues Geld aufladen wolle, war sie ziemlich empört und sagte laut: „Nein! Es ist Monatsende!“ Dann ging sie ohne ihr Käsebrötchen weg. Das war am 19. des Monats.

Das war eine schmerzhafte Lektion als Ersti: Monatsende ist irgendwie immer, wir sind alle ständig klamm. Pläne fürs Wochenende, die man mit den Kommilitonen schmiedet, werden ausnahmslos IMMER mit den Sätzen „Ich muss aber erst schauen, ob ich dann wieder Geld habe“ und „Ja, stimmt, ich auch.“ beendet. Natürlich werden die Pläne dann trotzdem in die Tat umgesetzt, zur Not aber mit billigerem Schnaps. Gemeinsam zelebrierte Armut schweißt zusammen: Der soziale Kitt zwischen Kommilitonen besteht zum großen Teil aus Gin Tonic für 2,50€, dem man in einer Bar trinkt, die man nur mit Studentenausweis betreten darf.

In unserer Welt kommt Wein mit Schraubverschluss, in 1-Liter-Flaschen und macht immer Kopfschmerzen. Wir sind nämlich nicht bereit, an der Quantität der Partys zu sparen, höchstens an der Qualität des Alkohols. Deswegen erkennt man Studenten-Partys auch immer daran, dass sie schon auf den Flyern mit billigen Getränkepreisen werben. Ich zitiere ich hier gerne anonym einen Kommilitonen: „Ich würde eher einen ganzen Monat in der Mensa den schnellen Teller bestellen, als 2 Wochen nicht feiern zu gehen.“ Diese Konsequenz ist beneidenswert.

Natürlich gibt es auch Studenten, die haben keine Geldnot, nicht mal am Monatsende. Die würden sicher auch nie Gin Tonic für 2,50€ trinken. („Wir gehen nach der Vorlesung gerne mal in die Hemingway Bar“) Das liegt dann vor allem an Vatis Kanzlei und dem dazugehörigen Dauerauftrag. Mit diesen Studenten habe ich bisher aber noch nicht so viel zu tun gehabt. Die Juristen bleiben halt gern unter sich.

PS: Besonders grüßen möchte ich übrigens, im Namen aller Studenten, die am Monatsende nur noch Nudeln mit Pesto essen, die Professoren, die am Anfang des Semesters in der Vorlesung "empfehlen", ihr Buch zu kaufen, weil da "eigentlich alles wichtige für die Klausur drin steht". Nicht! Cool!

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

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[Foto 1: Fotolia/Piotr Marcinski; Foto 2: Jule Markwald]