Sophie studiert (2): Meine Erstiwoche - mit Kopfschmerzen, Flunkyball und süßen Skandi-Boys

Sophie Passmann

Sophie hat ihre Erstiwoche hinter sich. Sie weiß jetzt, wie man Flunkyball spielt, wieviel Alkohol Erstis vertragen - und wo es frittierte Kartoffeln gibt. Was sie noch nicht weiß: Wo die süßen Skandinavier sitzen - und wie man ein Buch ausleiht:



Was ich in der Einführungswoche gelernt habe: Einführungswochen sind krass. Deine Fachschaft scheint Provision für jeden abgefüllten Ersti zu bekommen, anders kann ich mir die Unmengen an Saufspielen auf dem Campus in den letzten 7 Tagen nicht erklären.


Neben einem leichten Kater habe ich aber auch einiges für mein weiteres, akademisches Leben mitgenommen: Ich weiß jetzt zum Beispiel, wie man Flunkyball spielt. Und dass es für ein Erstsemester scheinbar gesellschaftlich akzeptiert ist, um 12 Uhr mittags laut gröhlend Bier aus Dosen auf dem Rathausplatz zu trinken. Jeden Moment habe ich damit gerechnet, dass ein wütender Rentner aus seiner Altstadt-Wohnung stürmt und spontan eine Bürgerinitiative gegen junge Menschen und Spaß gründet, aber: nichts ist passiert. Freiburg ist seinen Erstis sehr, sehr wohl gesonnen.

Die höheren Semester, die kümmern sich rührend um uns. Sie wissen, wir sind ein bisschen einsam und haben ein bisschen Heimweh. Deswegen schleppen sie Bierkisten durch die Stadt, machen Kneipentouren mit uns, füttern uns liebevoll mit frittierten Kartoffeln im Schlappen, wenn wir betrunken sind. (Danke dafür, übrigens.)

Nebenher haben wir aber auch Stadtgeschichte geschrieben: Ein gewählter Stadtrat ist gleichzeitig auch Erstsemester an der Universität Freiburg, das gab es noch nie! Ok, um ganz ehrlich zu sein, kann es gut sein, dass es das schon mal gab. Ich wollte das in der UB nachschauen, habe mich aber verlaufen und kein Buch zur Stadthistorie gefunden. Außerdem weiß ich noch gar nicht, wie man Bücher in der UB ausleiht. Hätte ich vielleicht mal fragen sollen. So oder so: Gratulation, Sergio Schmitt.



Widerspricht der schnelle Teller vielleicht sogar den Genfer Konventionen?

Die wirklich wichtigen Veranstaltungen fehlten in der Ersti-Woche übrigens. Es gab zwar Stadtführungen zur „Frauengeschichte in Freiburg“ und ich finde sowas natürlich total supi! Dennoch wäre ein geführte Tour durch die Mensen der Stadt sicher hilfreicher gewesen, immerhin ist die Mensa der Ort, an dem sich das Uni-Leben am ehesten wie ein amerikanischer Teenie-Film anfühlt. Und es bleiben so viele ungeklärte Fragen für uns ängstlichen Erstis: Ist der „schnelle Teller“ eine Drohung, widerspricht er vielleicht sogar den Genfer Konventionen?

Wie lange werde ich diese diffuse Angst haben, dass mir mein Tablett mitten in der Mensa runterfällt? Wo sitzen die süßen Erasmus-Boys aus Skandinavien? Sind die Typen mit den Bootsschuhen wirklich ALLES Juristen? Was, wenn jemand aus meinem Jahrgang in seiner Unwissenheit die „Nudelpfanne Thessaloniki“ bestellt? Wer überbringt den Eltern dann die traurige Nachricht? Das sind die echten Probleme! Da hilft mir die Freiburger Frauengeschichte auch nicht weiter.

Meine erste Woche geht mit leichten Kopfschmerzen, diffusem Nachdurst und einem Stein im Magen vom Mensa-Chili zu Ende. Nächste Woche werde ich dann mal in einen Hörsaal gehen. Und ein Buch ausleihen. Wie so ein richtiger Student, versprochen!

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

Mehr dazu:

[Foto 1,2: Sophie Passmann, Foto 3: Jule Markwald]