Sophie studiert (10): Warum Studenten Weihnachtsmärkte lieben - ja, natürlich wegen des Glühweins!

Sophie Passmann

Weihnachtsmärkte sind scheiße, dachte Sophie - bis sie zu studieren begann. Jetzt geht sie bereits nachmittags zwischen zwei Vorlesungen hin und verlässt den Markt erst, wenn sie einen im Kahn hat. Tja, Studentin sollte man sein:



Orte, an denen Kinder in der Öffentlichkeit Blockflöte spielen dürfen, waren mir immer suspekt. Deswegen habe ich Weihnachtsmärkte in meinem Leben immer sehr aktiv gemieden. Zusätzlich zu musizierenden Kindern gibt es auf diesen Märkten ja auch Erwachsene, die im schlimmsten Falle auch noch "lustige" Kopfbedeckungen wie Weihnachtsmannmütze oder Rentiergeweihe auf dem Kopf tragen, "weil ja Weihnachten" ist. Spätestens nach 30 Minuten hat irgendjemand von denen einem Glühwein auf den Mantel geschlabbert und die äußeren Extremitäten drohen, einem abzufrieren.


Deswegen kauft man sich dann an irgendeinem Stand mit geschmacklosen Wollwaren für einen Monatslohn eine unfassbar hässliche Alpaka-Mütze, die man nach dem Besuch beim Weihnachtsmarkt nie wieder tragen wird. Zwischendurch sprechen einen fremde Kinder an, weil man ihre selbstgebackenen und mäßig gelungenen Weihnachtsplätzchen kaufen soll, damit die sich ihre Klassenfahrt finanzieren können. Ja, ich war bisher sowas wie der Weihnachtsmarkt-Grinch.

Seit ich aber studiere, hat der Freiburger Weihnachtsmarkt einen ganz neuen Reiz gewonnen, ja, ich kann sagen: alles schlechte, was ich bisher über Weihnachtsmärkte dachte, muss ich zurück nehmen. Das Geheimnis eines erfolgreichen Weihnachtsmartkbesuch liegt nämlich darin, tagsüber, wenn alle normalen Menschen arbeiten müssen, hinzugehen und sich dann zu betrinken. Glücklicherweise haben Studenten mühelos die Möglichkeit, tagsüber Alkohol trinken zu können, ohne dass irgendwelche Tätigkeiten davon beeinflusst würden.

Die brutalere Variante: "zwischen zwei Veranstaltungen"

In den letzten Wochen haben ich und meine Kommilitonen ein irrationales Belohnungssystem entwickelt: der erfolgreiche Besuch einer Vorlesung (so richtig mit mitschreiben!) darf mit ein bis drei Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt gefeiert werden. Also marschiert man mit seiner Fachschafts-Posse auf den Rathausplatz und tauscht alibimäßig noch ein paar Termine aus, die man an diesem Abend hat und deswegen "auf jeden Fall nur einen" trinken könne.

Natürlich will irgendjemand an diesem Abend noch ins Massenzappeln und ein anderer muss noch in die UB, weiter an diesem einen Essay schreiben. In Wahrheit ist die Tatsache, dass man gegen 15.30 Uhr gesellschaftlich anerkannt schon einen im Kahn haben darf, so schön, dass man die Verpflichtungen, die das Studentenleben so mit sich bringt, schnell vergisst und das eigene Dasein mit heißem, gezuckerten Rotwein feiert.

Die brutalere Variante des akademischen Weihnachtsmarktbesuchs sieht übrigens vor, nicht nach Feierabend, sondern zwischen zwei Veranstaltungen hinzugehen. Es ist beeindruckend, wie viel ein ambitionierter Student im Zeitraum "zwischen zwei Veranstaltungen" trinken kann. Anschließend wankt man mit wunderbar warmen Gefühl im Bauch zurück ins KG x und setzt sich in den Hörsaal, den man mit dem Geruch nach oxidiertem Rotwein und Zimt erfüllt, nascht gebrannte Mandeln, kuschelt sich an einen Kommilitonen und hört der beruhigenden Stimme des Professors zu. Und das ist doch der wahre Sinn des Weihnachtsfest, oder?

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

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[Foto 1: Dan Race/fotolia.com; Foto 2: Jule Markwald]