Sophie studiert (1): Erstsemester sind eine Plage

Sophie Passmann

Bisher war Sophie Passmann hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an. Für fudder berichtet sie von nun an wöchentlich von dem neuen Leben, das sie als Ersti führt:



Erstsemester sind eine Plage, zumindest für Mitarbeiter von IKEA. Unzählige sehr junge, sehr verunsicherte Menschen irren kurz vor Beginn des Wintersemesters stundenlang in den Möbelhallen von IKEA umher, liegen Matratzen verschiedener Härtegrade zur Probe oder machen mit einer großen Ernsthaftigkeit, als würde der Verlauf ihres Studiums davon abhängen, Schubladen von Schränken auf und wieder zu. Sie haben ein paar hundert Euro, ein WG-Zimmer so groß wie eine Briefmarke und eine Uni-Zulassung. Sie sind so jung. So unbeholfen.


Ich habe mich immer gerne über Erstsemester lustig gemacht. Erstens, weil ich bisher selbst nie studiert habe und somit meine völlige Ahnungslosigkeit überspielen konnte. Und zweitens, weil sie hervorragende Opfer sind. Niemand in Freiburg steht für Erstis ein. Freiburger demonstrieren eher einen ganzen Samstag in der Innenstadt für den Schutz des Borkenkäfers, als sich um Erstsemester zu kümmern. Erstis sind die einzige Gruppe in Freiburg, die keine Lobby hat. Ich habe das schamlos ausgenutzt. Bis jetzt.

Rotwein aus Senfgläsern

Denn ab Oktober bin ich einer von ihnen. Nach einer Ausbildung, einer Festanstellung und unzähligen Witzen über Erstsemester habe ich mich an der Uni Freiburg eingeschrieben. Jetzt irre ich auch, zusammen mit meinen zukünftigen Ersti-Freunden, durch den IKEA und liege irgendwelche Matratzen zur Probe. Auch ich werde mein absurd winziges Studenten-Zimmer mit Spanholz-Möbeln vollstellen und da in ein paar Wochen mit meinen Kommilitonen Rotwein mit Drehverschluss aus ausgewaschenen Senfgläsern trinken.

No more Ersti-Witze für mich.

In ein paar Wochen werde ich auch durch die UB irren und furchtbar unbeholfen versuchen, ein Buch auszuleihen.

Ich werde zu diesen geführten Kneipentouren gehen, obwohl ich schon lange in Freiburg wohne und auch ohne UniCard öfter sehr erfolgreich gesoffen habe. Ich werde mir einen riesigen Rucksack kaufen, ständig Ordner unterm Arm tragen und anfangen, in Bars zu gehen, in denen Cuba Libre in großen Gläsern nur 3,50 Euro kostet. Ich werde anfangen, über die Wortwitze von Fachschafts-Partys zu lachen und dann wahrscheinlich auch hingehen. Big MediNight? Klingt super! Wer weiß: Vielleicht werde ich sogar mal Bierpong spielen.

Das nächste Semester bin ich in der Hackordnung ganz unten. Akademischer Beifang, eine Beleidigung für alles und jeden, der schon mal eine Hausarbeit geschrieben hat. Ungehobelt und ahnungslos. Das wird sicher eine ganz schöne Umstellung – das mit dem Rotwein aus Senfgläsern und vor allem, keine Witze mehr über Erstsemester machen zu können. Aber vielleicht wird es auch richtig super? Einen neuen Rucksack habe ich zumindest schon.

Zur Person



Bisher war Sophie Passmann (21) hauptberuflich Moderatorin, zum Beispiel beim Poetry-Slam im Café Atlantik. Jetzt fängt sie ihr Studium in Freiburg an – vor allem, weil sie im Kino auch endlich mal den ermäßigten Ticketpreis bezahlen möchte. In ihrer Kolumne schreibt sie jede Woche von dem neuen Leben, das sie als Erstsemester jetzt so führt.

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[Foto 1: hobbitfoot/Fotolia.com, Foto 2: Jule Markwald]