Sophie Hunger beim Stimmen Festival: Pointiert und puristisch

Gina Kutkat

Gestern fand im Rahmen des Stimmen Festivals in Lörrach das erste von vier Doppelkonzerten im Rosenfelspark statt. Mit Sophie Hunger und Rupa & The April Fishes trafen zwei Kosmopolitinnen aufeinander, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Höhepunkt des Abend war ganz klar die Schweizer Künstlerin Hunger, die im September auch in Freiburg spielt. Gina war für fudder dabei.



Wie eine zarte Fee steht sie da. Ihr Wald ist die im blauen Licht erleuchtete Bühne im Rosenfelspark. Die Beine stehen eng zusammen, die Haare fallen offen auf ihre Schultern, sie trägt kaum Schminke. In ihrem Gesicht ist wenig Regung zu erkennen, Gefühle wie Nervosität oder Anspannung lassen sich nur erahnen. Im Kontrast zu alledem trägt Sophie Hunger ein knallrotes Kleid - der erste Akzent, den sie an diesem Abend setzt. Sie schaut nicht direkt ins sitzende Publikum, richtet ihren Blick nur auf ihre Gitarre, die ihr Halt zu geben scheint.


Und dann fängt Sophie Hunger an zu singen. Hell und klar ertönt ihre Stimme, gedehnte Silben segeln sanft über die ersten Gitarrenriffs. Es ist eine Stimme die fesselt, sehr eindringlich und isoliert. Die ersten drei Songs spielt die Schweizerin komplett akustisch, das Publikum wirkt bewegungslos und verwundert. Wer ist dieses Mädchen? Wo kommt sie her? Wusste man hier überhaupt, für welche Künstlerin sie in den Park gekommen waren? Die Vermutung liegt nahe: Nein. Die Rosenfelsparkkonzerte ziehen ein vorwiegend älteres, gehobenes Publikum an, das sich von vorne herein auf ein gutes Programm verlässt.



Ein starker Gegensatz zu Sophie Hunger gab es zu Beginn des Konzertabends mit Rupa & The April Fishes. Hier passte der Begriff "kosmopolitisch" - mit dem der Veranstalter den Zusammenhang zwischen den beiden Künstlerinnen herstellte- wirklich: Ein bißchen Balkan, ein bißchen Chanson, vorgetragen von einer US-Inderin, die in Frankreich aufgewachsen ist. Stimmungstechnisch fühlte es sich an wie auf einem typischen Stadtfest: Es wurde geschlemmt, getratscht und nebenbei der Musik gelauscht.

Eine Weile später liegt Augen- und Ohrenmerk auf der Bühne. Inzwischen ist auch Hungers Band mit dabei. Die Musiker - allesamt Schweizer - bringen verschiedene Einflüsse mit ein. Die gestopfte Posaune hat etwas Schwärmerisches, die Gitarren lassen Sixties-Sound mit einfließen und passen sich auch den Chansons und folkigen Stücken der Sophie Hunger an. Diese wechselt von der akustischen Gitarre zur elektrischen und spielt ein paar Stücke auch am Flügel. Sie spielt Songs ihrer Alben "Sketches On The Sea" und "Monday's Ghost", der Übergang von langsamen zu treibenden Songs erfolgt reibungslos. "Walzer für Niemand", "Shape", "Round and Round" und als letzte Zugabe sogar "Like A Rolling Stone" von Bob Dylan.



Die erste Hälfte des Konzerts ist die Sängerin sehr wortkarg. Dann stellt sie ihre Band vor. Und wie! Sie nimmt sich für jeden Musiker viel Zeit, artikuliert langsam und deutlich, erwähnt, Name, Instrument und Wohnort, ja - sie zelebriert diese Ansage richtig, und wird plötzlich locker und sogar lustig.

"...Michael Flury an der Posaune. Er hat sich am Arm verletzt, weil er einer alten Frau über die Straße geholfen hat. Im Suff!"

Pointiert, akzentuiert, konzentriert und puristisch. Sophie Hungers Eigenschaften passen gut zu ihrer Musik. Sie ist eine Schweizerin, die auf Englisch, Französisch, Deutsch und Schwitzerdeutsch singt. Sie ist vielseitig, aber immer sie selbst. Das Mädchen im roten Kleid, dass ein paar Songs singt. Das Publikum liebt sie, fordert Zugaben und schenkt ihr Standing Ovations.

"Vielen Dank. Es ist wunderschön hier", sagt's und verabschiedet sich von der Bühne.

Mehr dazu:

Sophie Hunger:  MySpace

Was: Sophie Hunger
Wann: Donnerstag, 24. September, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus
Eintritt: VVK 18 Euro, AK 22 Euro