Sophia Sommer rennt allen davon

Nicole Schneider

Bei der Deutschen Jugendmeisterschaft hat Sophia Sommer (auf dem Foto links) Silber geholt. Am Kaiserstuhl hat die 19-Jährige das Laufen gelernt. Warum die Leichtathletik für sie alles ist:



55,28 Sekunden dauerte der Lauf auf der roten Bahn, dann überquerte Sophia Sommer als Zweite die Ziellinie. Sie umarmte glücklich die Siegerin und stemmte erschöpft die Hände auf die Knie. Deutsche U20-Vizemeisterin über 400 Meter kann sich die 19-Jährige nun nennen. Jedes Jahr werden bei den Deutschen Jugendmeisterschaften die besten deutschen Nachwuchstalente der Leichtathletik gesucht. Dieses Mal fanden die Titelkämpfe Anfang August in Bochum statt. Sophia aus Bahlingen war da ganz vorne mit dabei.


"Ich habe durch die Leichtathletik schon so viele Leute kennengelernt und auf den Wettkämpfen macht das Miteinander Spaß. Nach einem guten Lauf fühlt man sich einfach toll," sagt Sophia. Und so sehr man versucht, sie auf die Besonderheit ihres Titels anzusprechen, desto bodenständiger wird die kleine, blonde Frau. Mit sieben Jahren hat sie beim TV Bahlingen mit der Leichtathletik angefangen. Damals war sie neidisch auf ein Geschenk, das ihr Bruder auf der Leichtathletik-Weihnachtsfeier bekommen hatte. Gleich nach dem ersten Training war sie dann begeistert.

Mit zehn Jahren fing sie mit den Wettkämpfen an, 2011 war sie auf ihrer ersten großen Meisterschaft. Seitdem sah man sie dort häufig, oft auf den vorderen Plätzen. 2012 wurde sie Vierte über 400 Meter auf der Deutschen Meisterschaft und Erste über 400 Meter auf den Süddeutschen Meisterschaften. Auch die die Baden-Württembergerischen Meisterschaften über 400 Meter 2013 in Karlsruhe hat sie gewonnen. "Ich find's auf den Wettkämpfen immer ganz cool. Ich schau immer auch gerne zu und ich genieße es dann," sagt Sophia. Letztes Jahr wurde sie wegen ihrer Leistungen in den DLV-Jugendkader aufgenommen. Dort trainiert sie mit Bundestrainer Andreas Knauer.



Vier bis fünf Mal die Woche schnürt sie ihre Turnschuhe und trainiert für ihre Hauptdisziplinen 100, 200 und 400 Meter. Zwei Mal fährt sie dafür mit dem Zug nach Freiburg und trifft sich mit einer Trainingsgruppe. An den anderen Tagen ist sie in Bahlingen, wo sie mit ihren Vereinskollegen trainiert. Dort gibt es keine Rundbahn und die Trainingseinheiten heißen zum Beispiel: "Einmal zum Kindergarten und zurück". "Das passt schon", sagt Sophia. "Ich bin es ja nicht anders gewöhnt."

Für den Sport investiert die 19-Jährige viel von ihrer Freizeit. "Aber ohne den Sport würde mir was fehlen. Es ist ein guter Ausgleich," sagt sie. Genug Zeit, um ab und zu mit ihren Freunden shoppen oder reisen zu gehen, bleibt trotzdem. Ihr Vater ist vom Erfolg seiner Tochter begeistert, er begleitet sie auf fast jeden Wettkampf. Dieses Jahr waren die beiden als Zuschauer bei der Leichtathletik-EM in Zürich. Am liebsten würde sie selbst einmal bei einem internationalen Event laufen.

Dieses Jahr hat sie ihr Abitur gemacht und fängt im September ein FSJ im Seniorenpflegeheim Riedlen in Bahlingen an. "Ich sehe das jetzt als neue Herausforderung. Und ich freue mich auch drauf," sagt Sophia. Danach will sie studieren gehen, Soziale Arbeit oder Sportmanagement. "Ich denke aber schon, dass ich auch sportlich dranbleiben werde. Vielleicht werde ich aber eher auf die 800 Meter gehen."

Mehr dazu:

[Foto 1: Wilfried Sommer, Foto 2: Nicole Schneider]