fudder-Interview

Sookee über queerfeministischen Rap und den Freiburger CSD

Tamara Keller

Sie engagiert sich gegen Homophobie, Rassismus und Sexismus – ohne erhobenen Zeigefinger: Die Rapperin Sookee tritt morgen im Freiburger Jazzhaus aus. Im fudder-Interview spricht sie über Frauen im Rap und ihren Auftritt beim Freiburger CSD vor zwei Jahren.

Warum gibt es im Rap-Genre so wenige Frauen?

Es sind gar nicht so wenig. Ich denke, es ist immer eine Frage dessen, was wie erzählt wird. Das ist wie bei Geschichtsschreibung: Wir gehen davon aus, dass Kolumbus Amerika entdeckt hat, aber das ist quatsch. Es gab Menschen, die da vorher schon gelebt haben. Genauso ist das mit Rap: Ich glaube, es sind viel mehr Frauen als wir denken, nur sind sie nicht sichtbar, weil die männliche Dominanz den Raum für sich beansprucht.

Wenn aber Räume geschaffen werden, in denen sich das anders verhält, wo Frauen explizit willkommen sind, wo keine sexistischen Inhalte und kein verunsicherndes Macho-Gehabe vorhanden ist, dann tauen und tauchen Frauen auf. Wir als feministische Hiphop-Szene wollen diese Türen öffnen und diesen Frauen Mut machen. Dann passieren so wunderbare Sachen wie, dass ich von einer Frau angeschrieben werde, die mich fragt, ob sie bei dieser Tour an meinem Konzert in Saarbrücken mit auftreten darf.

"Rap ist sprachlastig. Da ist es leichter, inhaltlich zu sein: Es ist einfacher ’Nazis raus’ zu sagen als es zu tanzen."

Und, darf Sie?

Ja, ich finde das toll. So schaffen wir uns gegenseitig die Möglichkeit, uns zu zeigen. Das hätte ich mich früher nie getraut. Mich hat damals auch eine Frau eingeladen: Das war Pyranja, die mir in ihrer Show Zeit abgegeben hat, damit ich meine Songs spielen konnte. Ich habe das mit anderen Frauen später auch gemacht. Jetzt kommen die Frauen und trauen sich das sogar selber zu fragen, ob sie was abhaben dürfen vom schönen Kuchen. Das heißt jetzt aber nicht, dass sich tausende Leute einfach selber einladen dürfen: Ich habe ihre Sachen angehört und mochte das total gerne. Später haben wir auch rausgefunden, dass wir uns schon mal über den Weg gelaufen sind.

Du bezeichnest dich selbst als queerfeministische Rapperin. Was verstehst du darunter?

Feminismus ist eine politische Theorie und eine politische Lebenspraxis, die sich um Geschlechtergerechtigkeit kümmert. Das heißt nicht explizit die Gleichheit zwischen Mann und Frau, denn ich glaube, es gibt nicht nur zwei Geschlechter, sondern viel mehr. Queer obendrein ist noch eine Perspektive, die den Bezug auf sexuelle Identität mitbringt. Also, dass es nicht nur um heterosexuelle Menschen geht, sondern um Menschen anderer Sexualität. Für mich ist wichtig, dass man sich im Hinterkopf behält, es geht noch um viel mehr. Menschen sind noch komplexer als das. Das ist, was ich persönlich als wichtig empfinde und was sich in meiner Weltsicht und in meiner Musik widerspiegelt.

"Mir hat der CSD in Freiburg damals sehr gut gefallen."

Weshalb ist Rap ein geeignetes Medium, um politische und soziologische Inhalte zu transportieren?

Ich finde, jeder kulturelle Kanal ist geeignet, egal ob du tanzt, fotografierst, Comic zeichnest, oder Videospiele programmierst. Egal was es ist, jedes Medium ist relevant. Rap ist sprachlastig. Da ist es leichter, inhaltlich zu sein: Es ist einfacher "Nazis raus" zu sagen als es zu tanzen.

Was darf das Freiburger Publikum am Freitag von Dir erwarten?

Ich habe auf jeden Fall gute Gefühle für Freiburg und ein paar Freunde und Freundinnen sind auch da. Ich freue mich immer besonders, wenn es nicht irgendeine Stadt ist, sondern es auch einen Bezug gibt. Ich hab schon zwei bis dreimal hier gespielt. Zum Beispiel auf dem CSD vor zwei Jahren. Meine Freundin und Tourmanagerin Vanessa hat lange in Freiburg gelebt und damals den CSD mitinitiiert. Das fand ich ein ziemlich tolles Ding. Auch ein sehr inhaltlicher CSD. Auf jeden Fall Props an Freiburg dafür.

Der CSD in Freiburg war in den vergangenen Monaten öfters im Gespräch. Den Organisatoren wird vorgeworfen, zu linksautonom zu sein und nicht genügend Platz für die queerfeministische Szene zu schaffen. Findest du diese Kritik berechtigt?

Ich kenne das aus Berlin und anderen Städten so, dass die linksautonome Szene und die queerfeministische Szene sehr eng zusammenarbeiten. Deshalb wundert mich diese Aussage. Was ich solchen Debatten immer entnehme ist: Nur weil jemand schwul, lesbisch oder trans ist, heißt das noch lange nicht, dass die Person auch ein bestimmtes politisches Weltbild hat.

Wenn ich mir Jens Spahn angucke, unser aktueller Gesundheitsminister, der offen schwul ist – ich würde den nicht unbedingt als Verbündeten sehen, nur weil er mit mir unter der Regenbogenflagge tanzen würde. Da gibt es inhaltlich zu große Differenzen. Das ist eher das, was das abbildet, was ich interessant finde: Warum muss man davon ausgehen, dass in Regenbogenkontexten sich immer alle einig sind. Mir hat der CSD in Freiburg damals jedenfalls sehr gut gefallen. Altersmäßig war alles durchmischt, es war nicht nur ein reiner Party-CSD, wo man sich nur besäuft und einfach irgendwie gay ist, sondern er hatte auch Inhalt.
Sookee
Die Rapperin heißt mit bürgerlichem Namen Nora Hantzsch und wurde am 29. Dezember 1983 geboren. Sie engagiert sich gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus und ist neben dem HipHop-Geschäft auch als Aktivistin tätig. In der Rapperszene ist sie auch als "Quing of Berlin" bekannt. Sie hat germanistische Linguistik und Gender Studies studiert. Ihr aktuelles Lieblingsmotto lautet "Only the strong stay soft" weil sie es befürwortet, sich aktiv für Themen einzusetzen ohne sich von Gegenwehr kleinkriegen zu lassen oder dabei verbittert zu werden. Sie möchte lieber immer sanft und empathisch dabei bleiben.

  • Was: Sookee
  • Wann: Freitag, 6. April, 20 Uhr
  • Wo: Jazzhaus Freiburg
  • Eintritt: VVK 18,60 Euro, Abendkasse 19 Euro