Soll ich nach dem Anprobieren die Kleider zurückräumen?

Betül Yaman

Katharina (27) aus Emmendingen schreibt: "Wenn ich Kleider shoppen gehe, kassiere ich in den Läden öfters einen bösen Blick der Angestellten, wenn ich ein Oberteil, das ich zum Größencheck rausnehme und dann doch nicht will, nicht ordentlich wieder zurücklege...



...oder zurückhänge, sondern einfach wieder auf den Kleidertisch zurücklege. Ebenso frage ich mich oft, ob es okay ist, wenn ich die anprobierten Teile, die ich nicht will, einfach in der Umkleidekabine lasse oder ob ich sie wieder zurückbringen muss."


Hallo Katharina,

„Finde den Beruf, den du liebst, und du wirst keinen Tag in deinem Leben arbeiten.“ (Konfuzius)

Ich hatte in meiner Angestelltenzeit einen sehr fairen und harten englischsprachigen Chef. Er sagte zum Beispiel: „everybody is replaceable“ und wenn wir ehrlich sind, wissen wir, er hat Recht: jeder ist im Berufsleben ersetzbar. Was er außerdem nicht durchgehen ließ, waren unfreundliche Servicekräfte und andere Dienstleistende. Wenn sie sich zuviel rausnehmen – und dazu gehört auch ein böser Blick oder gar das Augenverdrehen – so sagt er ihnen ins Gesicht: „that's your job, that's why you are here and that's what you are paid for.“

Natürlich gibt es unterschiedliche Wege, jemandem etwas verständlich zu machen. Sagen wir mal so: mein Chef hat sich klar und unmissverständlich ausgedrückt.

Das Wegräumen von Kleidungsstücken, die der Kunde nicht oder falsch einsortiert hat, gehört zu den Aufgabenbereichen eines Verkäufers. Wer sich also für diesen Beruf entschieden hat, wird das Tag für Tag machen müssen. Natürlich ist dieser Beruf nicht für jeden geeignet und ja, es stimmt, es gibt viele Menschen, die ihren Beruf nicht gerne machen. Darunter leiden dann nicht nur die Person selbst sondern eben auch die Kunden. So wie es dir immer wieder ergeht.



Als Kunde bist du nicht verpflichtet, die Kleider an den ursprünglichen Platz zurück zu bringen. Hier könnte meine Antwort auf deine Frage auch schon enden. Mein Beruf hat aber mit Wertschätzung und Achtung zu tun – mir selbst und meinen Mitmenschen gegenüber. Und deshalb nun der zweite Teil, der mindestens genauso bedeutend ist.

Wir Frauen stehen ja nicht selten an, wenn wir ein Kleidungsstück in der Umkleide anprobieren möchten. Schlangen und lange Wartezeiten. Wenn in einer Kabine Kleidungsstücke hängen, zögern viele Kunden, dort rein zu gehen, weil sie denken, gleich kommt jemand zurück, der diese Kabine zuvor besetzt hat. Hingegen ist eine leere Kabine eindeutig frei.

Ärgerst du dich nicht über deine Vorgängerin, wenn sie die Kleider einfach in der Kabine lässt und du nicht mehr weißt, wo du deine Kleidungsstücke aufhängen kannst? Die Kaufhäuser stellen Kleiderstangen am Ausgang der Umkleiden zur Verfügung, wohin wir die unpassenden Stücke zurückhängen können.

Außerhalb der Umkleide: Wenn du das Kleidungsstück nicht einfach wieder auf den ordentlich sortierten Stapel wirfst, sondern zusammenlegst und damit zeigst, dass du dich bemühst, ist das vollkommen ausreichend. Du musst nicht akkurat und perfekt falten können und du brauchst dafür auch nicht viel Zeit aufwenden. Doch ein Kleidungsstück einfach sorglos wegzulegen sendet auch eine klare Botschaft: „Das ist dein Job, ich bin nicht dafür zuständig. Mein Name ist Kunde und ich bin König!“

Egal, wo wir sind, sollten wir darauf achten, dass wir keine unschönen Spuren von uns hinterlassen. Sei es, wenn wir ein Hotelzimmer verlassen und die Putzfrau unseren Müll vom Boden aufsammeln muss oder wenn wir shoppen gehen und hinterher ein Chaos hinterlassen.

Herzliche Grüße und viel Spaß beim Shopping! Betül