Sören Stiegler: Ein Student, der Filme macht

Julia Mungenast

Sören Stiegler, 23, studiert in Freiburg Philosophie und Literatur. Sein großes Hobby ist das Filmemachen. Gerade schneidet er sein jüngstes Projekt, eine Selbstmordgroteske. Uns erzählt er, wie man einen Film ohne Budget auf die Beine stellt.



Angefangen hat alles im Familienurlaub. Dort drehte Sören Stiegler als Kind mit seiner ersten Kamera kleine Szenen. Es folgten einige Kurzfilme als Jugendlicher in der Theaterarbeitsgruppe seiner Schule und die Idee einer Freundin und von ihm, einen 90-minütigen Film zu drehen.


„Mich reizt es, Geschichten zu erzählen, mich im Filmen auszuprobieren. Ich kann mir nicht vorstellen, keine Filme zu drehen.“ Sören studiert in Freiburg Philosophie und Literatur. Nach dem Abitur hätte er sich fast für eine Filmhochschule oder für einen filmbezogenen Studiengang entschieden, doch er fühlte sich noch nicht sicher genug, diesen Schritt zu gehen. Denn die Wahrscheinlichkeit, genommen zu werden, ist gering. Deshalb probiert Sören jetzt erstmal ein wenig das Filmen.

„Mein letzter Film im Kino war Das weiße Band. Ich habe ihn mir gleich auf DVD gekauft, weil ich das Spröde mochte. Die schwarzweiße Aufmachung gefällt mir, zudem verzichtet Regisseur Michael Haneke fast vollständig auf Musik und ich finde es spannend, wenn bei Filmen Fragen offen bleiben.“

Bei seinen eigenen Filmen will Sören immer wieder neue Herangehensweisen ausprobieren. „Es beginnt immer damit, dass ich ein Bild im Kopf habe. Es kann sich dabei um einen Ort, einen dargestellten Gedanken oder um eine Person handeln. Mich interessiert dabei das Gesamtbild. Ich überlege mir dann, was für eine Geschichte ich darum bauen könnte, welche Gegencharaktere nötig sind, um einen Konflikt herzustellen und so entsteht nach und nach das ganze Filmkonzept.“



Sein erster langer Film war Büchners Woyzeck, ein Sozialdrama, dessen literarische Vorlage Sören fesselnd fand und deshalb für einen Film umschrieb. „Mein neuer Film hingegen ist eine schwarze Komödie. Der nächste Film wird wieder ganz anders sein, denn mir ist es wichtig, gerade als Laie herauszufinden, was ich filmisch umsetzen kann.“

Sörens Filmprojekte entstehen ohne Budget. Nach und nach hat er Kamera, Scheinwerfer und Kleinigkeiten wie Schminke und Glätteisen gekauft, doch er ist darauf angewiesen, dass seine Schauspieler für ihr Hobby Geld ausgeben. „Jeder Schauspieler muss alles Nötige für seine Rolle selbst finanzieren. Auch für Maske, Fotografien und Musik brauche ich Menschen, die Lust haben, mitzumachen.“



Dank des sozialen Netzwerks in der Universität ist es für Sören relativ einfach, Leute zu finden, die am Film Interesse haben, doch viele unterschätzen den Aufwand. „Es macht nicht immer Spaß und das irritiert viele, die aus Neugier zugesagt haben. Es gibt nur wenige, die mit Herzblut dabei sind und bereit, auch ohne finanziellen Ausgleich Energie und Zeit in den Film zu stecken."

Da alle Mitwirkenden anderweitige Verpflichtungen an der Uni haben, zieht sich der Abschluss eines Films meist in die Länge. Ein Jahr kann das dauern. "Vor allem die Nachbereitung wie Schnitt und die Suche nach Musik dauert sehr lange.“

Sören schreibt, dreht und schneidet alles selbst. Seine Schauspieler findet er im Bekanntenkreis und in Theatergruppen, in denen er selbst spielt. Er ermuntert Laien, sich auszuprobieren und spielt auch mal selbst eine Rolle.

„Unser jetziger Film ist fertig abgedreht, ich schneide ihn gerade. Eine Selbstmordgroteske. Hoffentlich wird er im Sommer fertig sein. Ich weiß noch nicht, wo ich ihn dann zeigen kann. Bisher haben wir immer einen Kinosaal gemietet.“ Klar wünscht sich Sören, mit seinen Filmen irgendwann Geld zu verdienen. Doch er freut sich auch, wenn nur ein Zuschauer den Film sieht. "Ich werde weiterdrehen, unabhängig vom Erfolg meiner Filme."

[Fotos: Peter Hoffmann]