Lokhalle

Social Innovation Night: Fünf Start-Ups, die die Welt verbessern wollen

Stefan Mertlik

Bei der sechsten Social Innovation Night im Kreativpark Lokhalle stellten am Donnerstag fünf Start-Ups ihre Arbeit vor. Von einer Suchmaschine bis zu einem Catering-Service waren die Ansätze komplett unterschiedlich, das Ziel bei allen aber gleich: Soziale Herausforderungen lösen.

"In unserer Gesellschaft fehlt es an Inklusion", beklagt Eva-Maria Elfner-Häfele von Blauherz und präsentiert sogleich eine Lösung bei der sechsten Social Innovation Night im Kreativpark Lokhalle. Ihr Gemeinschaftsprojekt der Studierendeninitiative Enactus Mannheim und des Pilgerhauses Weinheim stellt Kleidung für Menschen mit Behinderungen her. Eine Hose für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer hat sie als Beispiel mitgebracht. Diese ist auf die Zielgruppe zugeschnitten und verzichtet unter anderem auf Hosentaschen im Gesäßbereich. Blauherz möchte aber nicht nur Kleidung, sondern auch eine berufliche Perspektive bieten. Daher arbeiten in der Nähstube Menschen mit Handicap.


Geflüchtet – und einen Catering-Service aufgebaut

Wer an Start-Ups denkt, hat technologische Innovationen im Kopf. Kreativität ist aber auch im sozialen Bereich gefragt. "Wir unterstützen die Akteure bei der Problemlösung", erklärt Corinna Kämpfe vom Social Innovation Lab. Zusammen mit ihrem Team organisiert sie den Abend. Einer, der von dieser Unterstützung profitiert hat, ist Omar Masoud. 2015 flüchtete er mit seiner Familie von Syrien nach Deutschland. Innerhalb von vier Jahren hat er einen erfolgreichen Catering-Service aufgebaut. Erste Kunden gewann er durch das Lab, das ihn auch an die Root Factory weiterleitete. Dort lernte er, eine Idee in ein tragfähiges Geschäftsmodell umzuwandeln.

"Alles war am Anfang sehr schwer", berichtet Masoud von den Gründerjahren. Vom komplizierten Steuerrecht bis zur Finanzierung eines Lieferwagens musste er immer wieder neue Berge erklimmen, die manchmal zu steil waren: "Ich habe versucht alles richtigzumachen, aber natürlich sind Fehler passiert." Masoud hat daraus gelernt und zeigt damit, dass Kreativität auch dann gefragt ist, wenn man sich in einem neuen Umfeld bewegt. Mittlerweile hat er zwei Mitarbeiter eingestellt und kocht an Weihnachten kostenlos für Obdachlose.

Ernährungsrat will lokale und nachhaltige Lebensmittelversorgung

Magdalena Langer und Nadine Blanke beschäftigen sich ebenfalls mit Essen. Als Koordinatorinnen beim Ernährungsrat Freiburg & Region helfen sie, eine lokale und nachhaltige Lebensmittelversorgung zu fördern. "Oft fehlen die Beziehungen zwischen Produzent und Konsument", erklärt Magdalena Langer. Beim Ernährungsrat sitzen alle Akteurinnen und Akteure an einem Tisch. Zu den bereits erfolgreich umgesetzten Projekten gehört unter anderem ein Bildungsprogramm für Schulklassen sowie eine Bio-Gemüsekiste für Studierende.

Gexi hat Google einfach nachgebaut

Dass auch der soziale Bereich Technologien nutzt, zeigt die Suchmaschine Gexsi. "Wir haben Google einfach mal nachgebaut", scherzt Andreas Renner. Der Unterschied zwischen seinem Internetangebot und dem Silicon-Valley-Giganten könnte allerdings nicht größer sein. Statt in die eigene Tasche zu wirtschaften, spendet das Drei-Mann-Team die Einnahmen an soziale Projekte. Alle zwei Wochen unterstützen sie damit neue Aktionen wie die "Ein-Dollar-Brille" oder ein plastikfreies Kaugummi: "Wir sind flexibel in unseren Strukturen, dadurch können auch Projekte unterstützt werden, in die Stiftungen nicht reingehen."

Bodymemory unterstützt Bewegungstherapien

Eine gute Idee hatten auch Beatrice Schlee, Clara Holling und Lucie Stolwijk von Bodymemory. Menschen mit traumatischen Belastungen stabilisieren sie durch eine Bewegungstherapie. Dass diese wirkt, erleben die rund 130 Zuhörerinnen und Zuhörer durch eine Tastübung an den Fingern gleich selbst. Das Projekt konnte innerhalb von drei Jahren Auftraggeber wie die Agentur für Arbeit oder AOK gewinnen. Das hilft vor allem Langzeitarbeitslosen und geflüchteten Menschen, sich im eigenen Sein wohler zu fühlen.