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So wirst du Komparsin oder Komparse bei einer Filmproduktion

Maike Sommer

Ein cooler Nebenjob oder einfach Filmsetluft schnuppern – das treibt Komparsinnen und Komparsen an. Was sich wie ein ferner Traum anhört, ist nicht unerreichbar. fudder erklärt, wie Du Komparsin oder Komparse wirst.

Eine Rolle in einem Kinofilm bekommen, Promis treffen, das Leben am Filmset kennen lernen – viele träumen davon. fudder-Autorin Maike Sommer hat sich bei einer überregional tätigen Komparsenagentur angemeldet und war als Komparsin in der Rolle einer Schülerin am Set des Films "Die Wolf-Gäng" in Marburg dabei. Der Kinder-Fantasy-Film richtet sich nach den Büchern von Wolfgang Hohlbein. fudder erklärt euch, wie ihr als Komparse oder Komparsin oder sogar als Kleindarsteller oder Kleindarstellerin an einer Filmproduktion mitwirken und einen Blick hinter die Kulissen werfen könnt.


Bewerbung bei einer Komparsenagentur

Komparse oder Komparsin kann man über Komparsenagenturen werden. Wenn in einer Stadt oder ihrer Umgebung eine Filmproduktion geplant ist und Komparsen benötigt werden, rufen die Filmproduzenten zusammen mit der Agentur zu Castings auf. Diese werden in der Regel über soziale Medien oder die Presse bekanntgegeben. Komparsenagenturen gibt es viele, die meisten Fernsehsender haben eigene. Eine bekannte Komparsenagentur ist beispielsweise die Producer’s friend GmbH. Dort kann man sich jederzeit unverbindlich anmelden. Aufgrund der Angabe des Wohnortes und äußerlicher Merkmale schicken die Agenturen Anfragen per E-Mail, sobald sie eine passende Produktion für den Komparsen oder die Komparsin hat.

Neben dem Aussehen müssen Interessierte außerdem den Beruf, Hobbys, besondere Fähigkeiten, Interessen sowie Spezialwissen angeben und Fotos hochladen. Diese Fotos müssen weder biometrisch noch von einem Fotografen gemacht worden sein, aber es sollte eine seitliche Aufnahme, ein Ganzkörperbild sowie ein Porträtfoto hochgeladen werden. Wer möchte kann zusätzlich ein Video aufnehmen, in welchem er oder sie sich kurz und knapp vorstellt. Die Bewerbung bei einer Komparsenagentur kostet nichts. Je nach Agentur müssen Teilnehmer gegebenenfalls einen Beitrag zahlen, sobald sie einmal gebucht wurden und weiterhin registriert bleiben möchten.

Wer kann Komparse werden?

Jeder kann an einem Casting teilnehmen. Es ist egal, wie die Person aussieht, welche Fähigkeiten, Ausbildungsabschlüsse sie hat, wie alt oder groß sie ist. Produzenten suchen schließlich verschiedene Menschen. Oft werden Kinderdarsteller oder Rentner gesucht.

Wie läuft das Casting ab?

Die Castings finden häufig in öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Räumen der Uni statt. Vor Ort bekommt man einen Link für die Online-Anmeldung – so läuft es bei Producer’s friends ab – um die Daten zuhause zu vervollständigen. Ein Fotograf schießt die benötigten Fotos und lädt sie hoch. Bei einem solchen Casting ist es durchaus möglich, dass man als Kleindarstellerin oder Kleindarsteller "entdeckt" wird, wenn man die optischen Auswahlkriterien erfüllt. Man kann sich aber auch ohne Casting bei der Agentur registrieren.

Was machen Komparsen?

Komparsinnen oder Komparsen sind dafür da, dass ein Film glaubhaft wirkt. Ein Professor, der vor einem leeren Vorlesungssaal spricht, ein Pärchen, das als einzige in einem Restaurant sitzt oder ein Schüler, der in der Pause alleine auf dem Schulhof steht, geben kein realistisches Bild ab. Komparsen und Komparsinnen sind die Menschen im Hintergrund, die dem Professor lauschen, mitschreiben oder die auf dem Pausenhof stehen und sich pantomimisch unterhalten. Sie können aber auch essen, im Hintergrund tanzen oder trainieren müssen. Je nach Szene müssen sie Geräusche machen, wie ein überraschtes "Aaaaaah". Dann wiederum müssen sie erschrocken wirken, sich empören oder lachen. Ihren Einsatz müssen sie in der Regel häufig wiederholen.

Die Szenen werden so oft aus verschiedenen Kameraperspektiven gedreht, bis der Regisseur zufrieden ist. Es ist keine Seltenheit, dass eine Filmsequenz in 30 Takes und sechs verschiedenen Kameraperspektiven gedreht. So kann es zum Beispiel sein, das man fünf Stunden im Vorlesungssaal sitzt oder in der heißen Sonne stehen muss.

Wie lange ein Arbeitstag ist hängt vom jeweiligen Dreh und dem Alter ab – es gelten die Kinderschutzgesetze. Je nach Film und Szene erhalten die Komparsen und Komparsinnen Kostüme und müssen vor dem Dreh in die Maske. Oft bekommen sie nur per Mail Anweisungen darüber, wie sie sich anziehen und stylen oder welche Requisiten sie mitbringen sollen. Der Dreh kann sowohl früh morgens als auch tagsüber oder nachts stattfinden. Einen Berufsalltag gibt es im Filmbusiness nicht. Zwischen den Drehs ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die Konzentration zu bewahren. Rund um den Dreh muss absolute Stille herrschen, damit der Regisseur und die Techniker alles einstellen können. Zwischen den Drehs laufen die Maskenbildner zwischen den Komparsen und Schauspielern herum, um die Kostüme auszubessern. Pausen gibt es am Filmset wenige, Komparsen und Komparsinnen müssen oft sehr viel Ausdauer haben.

Wie wird die Tätigkeit vergütet?

Volljährige Komparsen bekommen für einen normalen Drehtag für einen Kinofilm bei beispielsweise Producer’s friends eine Gage von 88,40 Euro für bis zu zehn Stunden Dreh und 45 Minuten Pause und danach neun Euro pro weiterer Stunde. Stellt der Komparse oder die Komparsin eine besondere Rolle dar und muss ein spezielles Kostüm und eine Maske tragen, erhält er oder sie oft eine höhere Gage. Außerdem gibt es einen Nachtzuschlag. Die Bezahlung variiert bei den Agenturen, der Art des Filmes und der Rolle.

Ausblick

Die Komparsentätigkeit ist ein Gelegenheitsjob, es gibt keine Festanstellung. Man kann allerdings erste Einblicke ins Filmgeschäft sammeln und sich anschließend über Kontakte und Praktika hocharbeiten, zum Beispiel zum Komparsenbetreuer oder Regieassistent.

Bei schauspieler-gesucht.de kann man seine Postleitzahl eingeben und bekommt Stellen in der Umgebung ausgeschrieben. Und bei Mavies werden für verschiedene Sendungen wie beispielsweise Shopping queen bundesweit Menschen gesucht, bei denen der Wohnort egal ist. Shopping Queen kommt Anfang Dezember wieder nach Freiburg und sucht aktuell Kandidaten. Eine große bundesweite Agentur ist noch Blank&Biehl.
Info

Auch Filmstudenten suchen oft Komparsinnen und Komparsen. Beispielsweise suchen derzeit zwei Freiburger Filmemacher, die an der Hochschule Offenburg studieren, Komparsen. Der Film heißt Jolly Rogers, wird in einer Halle in Waldkirch-Kollnau gedreht und soll in einer Bar in Vietnam spielen. Der Film handelt von zwei heruntergekommenen, deutschen Drogendealern in Vietnam, die mit der vietnamesischen Mafia in Konflikt geraten. Daher suchen sie vorrangig vietnamesische Komparsinnen und Komparsen. Drehtage finden zwischen dem 17. und 31. Oktober statt. Interessentinnen und Interessenten können eine E-Mail mit dem Betreff "Komparsen" an jollyrogersfilm@web.de schreiben.

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