So wird Freiburg 2015: fudders total unernsthaft-ernsthafte Jahresvorschau

Keine Träne weinen wir diesem 2014 nach, aus und vorbei. Stattdessen richten wir den Blick nach vorn: Freiburg 2015 wird besser, schriller und fantastischer als alles je Dagewesene. Eine unersthaft-ernsthafte Prognose:



Januar

Elf Tage nach dem Closing an Silvester und der wirklich-allerletzten Party “Einer geht noch” verkünden die Betreiber des Alten Stinnes Areal die Wiedereröffnung des Partytempels. Deniz Binay: “Es war Zeit für eine Veränderung.” Das “Neues Stilles Areal (NSA)” soll an den Wochenenden Konzertlocation für das SWR-Orchester werden, unter der Woche sind Klangschalen-Workshops, Gong-Meditationen, Hang-Konzerte und ein “Cajon-Club” geplant. Freiburgs spirituelle Selbsterfahrungsgruppen frohlocken schweigend.

Februar

Der Stadionentscheid geht mit überwältigender Mehrheit durch, auch das Quorum wird erreicht. Nur in den Wahllokalen im Mooswald ist das Ja/Nein-Verhältnis ausgeglichen. Stadtweit kommen die Gegner in etwa auf so viele Stimmen, wie der Mooswald Einwohner hat. Freiburg Lebenswert wirft dem SC Wahlbetrug vor, weil eine Woche danach eine Wahlurne in der Dreisam unweit des Stadions gefunden wird. SC-Sprecher Rudi Raschke: “Wir haben damit nichts zu tun”. Videos der Überwachungsanlage zeigen schließlich eine Gestalt mit einer roten Brille und Niqab, die die Urne im Fluss versenkt. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen jedoch ins Leere.

März

Weil sich die Verantwortlichen des SC Freiburg weiter weigern, teure neue Spieler zu kaufen, legen die Fans zusammen und erstehen per Crowd-Funding Marco Reus. Der trifft gleich in seinen ersten beiden (!) Saisonspielen, lässt sich dann aber von der Polizei am Bertoldsbrunnen auf dem Fahrrad erwischen - ohne Licht, ohne Klingel und ohne Schutzblech. Christian Streich verbannt denWiederholungstäter umgehend in die zweite Mannschaft. Reus kauft sich eine Regiokarte, merkt aber an: “53,50 Euro im Monat - die ist ganz schön teuer! Vielleicht fahr’ ich nächsten Monat mal schwarz.” Ohne Reus wird es für Freiburg schwer: Als die Kicker fünf Spiele vor Saisonschluss auf Platz 18 liegen, wird Löw als Streichs Co-Trainer verpflichtet. Kommentar Löw: "Bin ja eh immer da." Mit dem besten Trainer-Duo der Welt gelingt die Wende - Freiburg bleibt drin, Stuttgart steigt ab und Robin Dutt übernimmt einen aserbaidschanischen Viertligisten.

April

Ein überraschendes Betätigungsfeld erschließt sich der Lokalverein Innenstadt. Der Verein der Innenstadtbewohner eröffnet  - rechtzeitig zu Beginn der Augustinerplatzsaison - im ehemaligen “Klub Kamikaze” eine vielseitig ausgerichtete Kampfkunstschule für rüstige Rentner. Auf dem Lehrplan steht neben “Yoga für tieferen Schlaf” auch Krav Maga und “Selbstverteidigung mit Schirm, Gehstock und Rollator”. Christian Himmelsbach: “Wir liefern den Leuten nur das Werkzeug. Ob sie es im Straßenkampf einsetzen, bleibt ihnen überlassen.”  In der ersten lauen Aprilnacht verübt eine Gruppe Vermummter einen Anschlag auf eine Trommelgruppe auf dem Augustinerplatz. Am Tag danach bekennt sich eine Aktionsgruppe “Kommando Krokodil“ zur Tat und droht weitere “Selbstverteidigungsmaßnahmen” auf dem Platz an. Die Polizei sperrt den August daraufhin an allen Tagen, an denen es um 18 Uhr wärmer als 20°C ist. Die Hintermänner der Aktion kann sie jedoch nicht ermitteln.

Mai

Unglaublich. Nach dem Einstieg durch die Wild-Card-Runde vertritt die Freiburger Band Otto NormalDeutschland beim Eurovision Song Contest in Wien. Ihr Song "Wiehre Wiehre", ein rasanter Indie-Rap-Song, gilt bei den Buchmachern als Außenseiter, aber holt unfassbarerweise den Pott - volle Punkte dafür kommen ausgerechnet aus allen Ostblock-Nationen. Der Sieg der Band macht eine Neuplanung des neuen Stadions am Wolfswinkel notwendig: Damit der ESC 2016 in Freiburg stattfinden kann, wird eine Mehrzweck-Fußball-Arena konzipiert, die neben einer herzförmigen Bühne auch eine herausfahrbare Eisfläche für den EHC Freiburg vorsieht. Der Gemeinderat entscheidet sich in einer Sondersitzung ohne Debatte einstimmig für diesen Neuentwurf.

Juni

Wenige Tage vor dem Konzert von Xavier Naidoo auf der Freiburger Messe erreicht die Anfang des Jahres gegründete Bürgerinitiative “Keine Bühne für pseudo-christlichen Verschwörungs-Pop” (KEBÜFPCHRVP) vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim, was undenkbar erschien: Naidoowird der Auftritt auf dem städtischen Areal verboten. Cafe Palestine-Chefin Gabi Weber bietet Naidoo zum Ersatz das Mikro bei einer Veranstaltung in ihrem Keller an. Außer den Mitgliedern der Gruppe (und Conny Spirazzi) kommt allerdings niemand. Naidoo verabeitet diese Erfahrung in einem Lied, dessen Hookline auf Tocotronics “Freiburg” basiert. Kernzeile: “Ich weiß nicht wieso ich Euch so hasse, Gutmensch*innen dieser Stadt”

Juli

Es ist das am schnellsten ausverkaufte Konzert in der Geschichte des ZMF: Cro tritt im Zirkuszelt auf. Nach einigen deepen Textzeilen über Sonne, Geld, Strand und Mädchen reißt sich der Panda-Rapper die Maske vom Kopf. Doch statt des Stuggi-Hipsters steht ein Mannheim-Bub vor der Menge. Eltern müssen ihren weinenden Kindern erklären, wer dieser Xavier Naidoo ist. ZMF-Gründer Alex Heisler jedoch strahlt: “Der Xavier hat vor dem Konzert im Clubzelt ganz bezaubernd mit Perry Robinson gejammt. Ich hab auch meine Querflöte ausgepackt.”

August

Es ist ein Schock für seine Wähler: Simon Waldenspuhl verlässt den Freiburger Gemeinderat. Sein Parteichef und GröVaZ Martin Sonneborn ruft den Jung-Politiker an seiner Statt ins Europaparlament. Waldenspuhl erregt europaweit Aufsehen, weil er bei seiner ersten Sitzung versucht,auf einem Schimmel in den Plenarsaal einzureiten. Oettinger rügt den jungen Hoffnungsträger von DIE PARTEI: “Mister Waldenspuhl, you have overstepped the edges of thesatire.” An seine Stelle im Freiburger Gemeinderat rückt überraschend Altstadtrat Sebastian Müller nach. Der Alterspräsident von Junges Freiburg dazu: “Das ist jetzt schon auch Satire, irgendwie.”

September

Ursprünglich war er für "Mitte des Jahres" anvisiert, aber der Rück-Umzug der UB aus der Stadthalle in den schwarzen Diamanten am Rotteckring fiel aus. In letzter Minute bemerkten die Planer, dass dieses Manöver nur gegen Ende der Semesterferien durchzuführen ist. Für diesen Zeitraum sind allerdings schon alle Umzugsunternehmen ausgebucht. Die Aktion "Ein Student - ein Buch", bei der die Studierenden Pflicht-Ausleihen in der Stadthalle abholen und im Neubau abgeben sollten, scheiterte am Widerstand der Studierenden aus Littenweiler, Waldsee und der Oberau, die gegen den nach dem Umzug weiteren Weg zur UB protestieren.

Das Rektorat hat schließlich ein Einsehen und bläst den Umzug komplett ab. "Die Studierenden haben sich so sehr an die Stadthallen-UB gewöhnt," heißt es. In den nun leerstehenden Neubau neben dem Theater ziehen Juristen und VWLer auf drei Etagen komplett ein. Im obersten Stockwerk entstehen repräsentative Räume für das Rektorat und die Pressestelle der Uni. In der Ex-UB-Tiefgarage wird dann doch noch eine Einbau getätigt, der den Studierenden zugute kommt: Die Passage46 eröffnet hier die Großraumdiskothek “Keep it Deeper”, die durch einen Tunnel mit dem Theater verbunden ist und vom englischen Straßen-Künstlerinnnen-Kollektiv Banksy gestaltet wird. Henrik Springmann: “Mit dem ehemaligen UB-Bau findet auch die Literatur endlich einen Platz im Kulturbiotop Passage46.”

Oktober

Um die Wohnungsnot zu beheben werden auf der Baustelle für den neuen Platz der Alten Synagoge Luxuswohncontainer für Studierende aufgestellt. Die umgestalteten Schiffscontainer sehen pro Student 4 Quadratmeter Wohnraum vor. Die monatliche Miete beträgt wegen “Stadt- und Uninähe” 750 Euro. Jura-Ersti Maximilian von S.: “Es ist voll super hier. Mich stören aber die Obdachlosen vor der Tür. Gestern hat mich einer von denen angesprochen.” VWL-Ersti Isabelle H. “Das Zusammenleben mit denen ist echt unmöglich. Gestern habe ich ihnen vegane Cupcakes angeboten - und sie wollten lieber 50 Cent.” Beide wollen sich jetzt der Hochschulgruppe von Freiburg Lebenswert anschließen.

November

Große Eröffnung von Freiburgs erstem Zara in den Westarkaden. Doch nach zwei Wochen ist Schluß mit Shopping: der Bebauungsplan verbietet vor Ort den Betrieb eines Billig-Kleidungsgeschäfts mit dem Anfangsbuchstaben “Z”. Freiburger Fashion-Bloggerinnen weinen. Alle beide. Peter Unmüssig: “Das erstaunt mich sehr, schließlich habe ich den Bebauungsplan doch dem Gemeinderat vorgelegt und en detail besprochen. Ich dachte, dass man Zara mit S schreibt.” Schließlich mietet die Stadt die nun leerstehenden Räume und eröffnet eine Pop-Up-Markthalle für Food-Trucks, das “Holy StreatGässle”.

Dezember

Edo Medicks hat lange nach einem freien Eck-Lokal gesucht. Jetzt zieht er mit seiner “Hummus Corner” in die ehemalige Citibank beim Martinstor. Auch darunter, in den Räumen der inzwischen geschlossenen Riva-Bar zieht wieder Leben ein. Bela Gurath findet bei den Renovierungsarbeiten 500.000 Euro in 5-Euro Scheinen, als eine Doppelwand zusammenbricht. Sein vergoldeter Cayenne gehört fortan zum Stadtbild der unteren Kajo. Dann ist es soweit: Kurz vor Weihnachten eröffnet er das "C U l8er" (sprich: sii juu leita). Die Tickets mit Einlassgarantie für den neuen Afterhour-Club sind sofort vergriffen und erzielen Höchstpreise auf dem Schwarzmarkt.

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